Leben im GLEICHGEWICHT

Zwei Facetten eines faszinierenden Phänomens

Gleichgewicht – das hört sich einfach an. Man lässt die Dinge in Ruhe, und alles ist im Gleichgewicht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Viele Dinge haben die Neigung, von sich aus eher im Ungleichgewicht zu sein. Gleichgewicht scheint etwas zu sein, was man erst erzeugen muss. Das betrifft vor allem den Ausgleich beruflicher und privater bzw. familiärer Interessen. Doch das Thema Gleichgewicht hat eine weitere, mehr physiologische Bedeutung: Dafür, dass wir im täglichen Leben nicht die Orientierung verlieren, sorgt der Gleichgewichtssinn. Auch das körperliche Gleichgewicht will trainiert sein – besonders mit Blick auf die Vermeidung von Stürzen. Und das ist ein Thema, das keinesfalls nur für betagte Menschen wichtig ist. Wir geben Ihnen Anregungen, wie Sie sich dem Gleichgewichtsideal annähern können.

Gleichgewichtsübungen

Der physiologische Gleichgewichtssinn

Denken Sie an sinnliche Wahrnehmung, fallen Ihnen wahrscheinlich an erster Stelle Riechen, Sehen, Hören, Tasten und Schmecken ein. Dass es auch einen Gleichgewichtssinn gibt, ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Dass sie ihn haben, bemerken sie eigentlich erst dann, wenn er ausfällt. Der Gleichgewichtssinn (auch vestibuläre Wahrnehmung genannt) dient der Feststellung der Körperlage und der Orientierung im Raum. Er ist also so eine Art Wasserwaage. Sein Zentrum hat der Gleichgewichtssinn im sogenannten Gleichgewichtsorgan in Innenohr und Kleinhirn. Darüber hinaus hat er eine enge Verbindung mit den Augen und anderen Sinnesorganen. Der Hörsinn beispielsweise hilft bei Geschwindigkeitsschätzungen, der Hautsinn registriert Eigen- und Luftbewegungen. Zum Gleichgewichtssinn gehören das Empfinden für oben und unten, für Neigungen, für Beschleunigungen sowie für Rhythmus. Das, was wir mit Gleichgewichtssinn bezeichnen, ist also die Bezeichnung für ein höchst komplexes Geschehen. Gleichgewichtsstörungen gehen mit Schwindelgefühl bis hin zum völligen Orientierungsverlust einher. Insofern kommt dem Gleichgewichtssinn unter den menschlichen Sinneswahrnehmungen eine zentrale Rolle zu. Gleichgewichtsstörungen können vielfältige Ursachen haben, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen. Dass es sinnvoll ist, den Gleichgewichtssinn zu trainieren, merkt man nicht erst im Alter. Eis- und Schneeglätte oder Versuche, mit einem Einrad zu fahren oder auf einem Seil zu balancieren, zeigen auch jüngeren Menschen, wie gut oder schlecht ausgeprägt ihr Gleichgewichtssinn ist.

Auf der Linie gehen

Markieren Sie mit Klebeband oder Kreide auf ebener Fläche eine ca. fünfzehn Meter gerade Linie. Gehen Sie auf dieser Linie entlang. Kein Problem, solange Sie die Linie im Blick behalten. Wiederholen Sie das Experiment, heben Sie den Blick und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Umgebung. Nun wird es schwieriger. Mit Konzentration wird es Ihnen jedoch gelingen. Wiederholen Sie das Experiment erneut, dieses Mal jedoch mit geschlossenen Augen. Üben Sie so lange, bis Sie den Zielpunkt blind erreichen.

Auf einem Bein stehen

Auch eine scheinbar ganz einfache Übung. Schließen Sie nun die Augen und behalten Sie die Einbeinposition zwei, vier und zehn Minuten bei. Was fällt Ihnen auf? Wiederholen Sie das Experiment auf dem anderen Bein und mit geschlossenen Augen.

Mit geschlossenen Augen mehrfach um die eigene Achse drehen

Verbinden Sie Ihre Augen so, dass kein Lichtschein durchdringt. Merken Sie sich Ihre Position im Raum. Drehen Sie sich mehrfach im Kreis, ändern Sie mehrmals die Drehrichtung – und nehmen Sie sich vor, in der Position stehen zu bleiben, in der Sie gestartet sind.

Einen Ball auf einem Fuß/auf dem Oberschenkel/auf dem Kopf ausbalancieren

Balancieren Sie einen Ball in der Stehposition zunächst auf dem ausgestreckten Fuß, dann auf dem angewinkelten Oberschenkel und schließlich auf dem Kopf. Wiederholen Sie das Experiment mit Bällen unterschiedlicher Größe und Schwere sowie mit geschlossenen Augen.

Einradfahren

Einradfahren erfordert ein gutes Körpergefühl. Um ein Gefühl für das Einrad zu bekommen, bitten Sie für die ersten Versuche jemanden, Sie zu stützen. Achten Sie auf eine gerade, unverkrampfte Körperhaltung. Vorsicht: Einräder haben keine Bremse!

Slacklining

Ein dem Seiltanz und der Schlappseilartistik verwandter Trendsport, der außer einem geeigneten Schlauchband (in verschiedenen Längen und Breiten erhältlich) lediglich zwei Fixpunkte zur Befestigung wie feststehende Pfosten bzw. Pfähle, Geländer, Felsen, Bohrhaken oder zwei mit Rindenschutzpolster ausgestattete Bäume benötigt. Das bis zu 30 Meter lange Schlauchband wird meist etwas über Kniehöhe über dem Boden straff gespannt. Ob Sie auf diesem Seil einfach nur von einem Ende zum anderen gehen und versuchen, oben zu bleiben, oder dabei artistische Übungen ausführen, bleibt Ihrem Gleichgewichtssinn und Ihrem Körpergefühl überlassen.

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