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Er­näh­rungs­trends

Flexitarier sind flexibel, aber beileibe keine Allesfresser

Bewusster Verzicht an mindestens drei und bewusster Genuss von qualitativ hochwertigem Fleisch an den restlichen Tagen der Woche ist das Motto der Flexitarier. Und das aus verschiedenen Gründen: Teilzeit-Vegetarier kümmern sich um ihre Gesundheit, sind gegen Massentierhaltung und wollen mit ihrem Fleischverzicht auch ein Zeichen setzen für den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen dieser Erde. Gut jeder Zehnte verzichtet Umfragen zufolge wenigstens zeitweise komplett auf Fleisch, Frauen deutlich häufiger als Männer, Tendenz steigend. Angeblich schätzt sogar etwa die Hälfte der Deutschen einen hohen Fleischkonsum als kritisch ein.

Speiseplan auf flexitarisch

Vegetarische Speisen und Fleischkonsum schließen sich nicht aus, sondern ergänzen einander in einem flexiblen Rhythmus. Anfang der 1990er Jahre wurde der Begriff „Flexitarier" als eine Zusammensetzung von „flexible" und „vegetarian" in den USA geprägt. Seit der Zeit finden sich immer häufiger auch vegetarische und vegane Gericht auf den Speisekarten herkömmlicher Restaurants. Flexitarier essen mehrere Tage in der Woche ausschließlich vegetarisch, setzen also auf Gemüse, Obst, Vollkorn- und Sojaprodukte. An den anderen Tagen kommt gern auch Fleisch auf den Tisch. Aber nicht irgendein Fleisch, sondern bevorzugt solches aus Bio-Produktion oder kleiner, regionaler Tierhaltung. Flexitarier haben meist ein hohes Qualitätsbewusstsein, sie bevorzugen generell Produkte aus biologischer Erzeugung.

Ein Konzept, viele Beweggründe

Flexitarier beschäftigen sich intensiv mit Fragen der Ernährung und der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Sie achten auf ihre Gesundheit und wissen, dass ein zu hoher Fleischkonsum das Risiko für viele Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes und Herz-/Kreislauferkrankungen deutlich erhöht. Außerdem haben sie hohe ethische Ansprüche in Sachen Tierwohl. Sie essen zwar gern Fleisch, pochen aber auf eine artgerechte Tierhaltung und eine nachhaltige Erzeugung. Massentierhaltung, die das Grundwasser mit Gülle flutet, große Anbauflächen für Futtermittel verschlingt und enorme Wassermassen verbraucht, lehnen sie rigoros ab. Sie sehen sich nämlich gegenüber der Umwelt in der Pflicht.

Fauler Kompromiss oder gesunde Lebensweise?

In den Augen von Vegetariern und Veganern handeln Flexitarier nur halbherzig, wenn sie das Töten von Tieren für den menschlichen Verzehr nicht komplett ablehnen. Artgerechte Tierhaltung allerdings ist Flexitariern ein echtes Anliegen. Außerdem bevorzugen sie Produkte aus der Region und setzen auf Nachhaltigkeit bei deren Erzeugung. Ihre Ernährung ist ausgewogen und abwechslungsreich. Der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland ist mit etwa 60 kg pro Kopf und Jahr deutlich zu hoch, darin sind sich Ernährungswissenschaftler einig. Flexitarier reduzieren ihren Konsum durch einen Teilverzicht leicht auf ein angemessenes Maß, ohne dabei eine Fehlversorgung mit Vitalstoffen zu riskieren. Durch die komplett fleischfreien Tage ist die Versorgung mit viel Gemüse und Obst sozusagen schon fast garantiert. Wenn jetzt der Einkauf beim regionalen Bauern noch mit dem Rad erledigt wird, kommt auch die Bewegung nicht zu kurz, die immer Teil einer gesunden Lebensweise sein sollte.