Menü Menü schließen

Er­näh­rungs­trends

Trend Super Food

Trend Super Food

Jünger, schöner und gesünder? Das muss heutzutage kein Wunschtraum mehr bleiben, Superfood sei Dank! Chia, Matcha, Acai, Moringa, Goji, Reishi, Chlorella – allein schon die exotischen Namen wecken große Erwartungen. In der Tat genießen diese Nahrungsmittel in ihren Heimatländern oft hohes Ansehen und blicken auf eine lange Tradition als selbstverständlicher Bestandteil der Ernährung oder gar als Heilmittel zurück.

Sie punkten mit einer geballten Ladung an Vitaminen, Mineralstoffen, Fettsäuren, Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen. Superfood erlebt derzeit einen regelrechten Boom, obwohl ein wissenschaftlicher Nachweis für den außergewöhnlichen gesundheitlichen Nutzen noch aussteht. Und wie stehen eigentlich unsere heimischen Nahrungsmittel wie Zwiebel, Möhre und Grünkohl im Leistungsvergleich da? Können sie mithalten?

Superfoods ohne Ende

An Superfood kommt keiner mehr vorbei: 10, 20 oder sogar bis zu 50 wichtige Superfoods werden in Listen geführt und in Büchern beschrieben. Kein Wunder, denn der Begriff Superfood ist nicht eindeutig definiert. So finden sich allerlei Beeren neben Algen, Kakao, Saaten, Tee und diversen Ölen. Das Gemeinsame der Superfoods ist eine sehr hohe Nährstoffdichte. Mitunter wird auch mit einem besonders hohen ORAC-Wert (siehe Kasten unten) geworben, der die außergewöhnlich hohe antioxidative Wirkung eines Nahrungsmittels belegen soll. Die positiven Effekte der Superfoods sind – folgt man den Verkaufsargumenten – vielfältig: Regulierung des Blutdrucks, Abwehr entzündlicher Prozesse, Senkung des Cholesterinspiegels, Verbesserung der Herz- und Gefäßgesundheit, exzellente Sehfähigkeit, erhöhte Konzentrations- und Gedächtnisleistung, gute Verdauung und Entgiftung des Körpers, weniger Müdigkeit, reine Haut, Anti-Aging und Unterstützung der Gewichtsabnahme – täglicher Verzehr der Superfoods immer vorausgesetzt. Superfoods gibt es frisch auf den Teller oder ins Glas, in getrockneter Form ins Müsli oder in den Salat oder auch hoch verarbeitet als Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform.

Superbeeren

Beeren stehen in allen Regionen der Welt schon seit Urzeiten auf dem menschlichen Speiseplan. Zu Recht, wie man heute weiß, denn sie enthalten in der Tat viele Vitamine, Mineralstoffe und vor allem sekundäre Pflanzenstoffe, allen voran Anthocyane, dunkle Pflanzenfarbstoffe. Superfood-Listen führen jede Menge Beeren, meist allerdings die weit gereisten – exotisch verkauft sich offenbar gut:

Goji

Die kleinen länglichen, roten Beeren sind die Früchte des Gemeinen Bocksdorn, der von Südosteuropa bis China überall vorkommt. Die Traditionelle Chinesische Medizin kennt die Beere als Heilmittel bei Augenproblemen. Als „Glücksbeere" verspricht sie außerdem ein langes Leben. Die enthaltenen Wirkstoffe Lutein und Zeaxanthin haben ersten Laborstudien zufolge möglicherweise einen positiven Einfluss auf den Verlauf der altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Bei uns treffen wir die Beeren meist in getrockneter Form an.

Aronia

Sie stammt aus dem östlichen Nordamerika, wird jedoch auch in Osteuropa hochgeschätzt: die Apfelbeere. Die kleinen dunklen Beeren enthalten Vitamin C, Polyphenole, Jod und Folsäure, ihr Geschmack ist herb, ähnlich der Heidelbeere. Sie soll den Blutdruck sowohl bei zu hohen als auch bei zu niedrigen Werten regulieren und Entzündungen hemmen. Aroniabeeren werden häufig zu Saft verarbeitet.

Acai

Die Frucht der Kohlpalme kommt aus Brasilien zu uns. Reichlich B-Vitamine, dunkle Farbstoffe und der Gehalt an Omega-3- und Omega-9-Fettsäuren machen die kleinen dunklen Früchte zu einem Superfood, das besonders bei der Gewichtsabnahme helfen soll und als wahrer Jungbrunnen gilt.

Mythos ORAC-Wert

Ein besonders hoher ORAC-Wert ist der Ritterschlag eines jeden Superfoods. ORAC steht für Oxygen Radical Absorbance Capacity und bezeichnet die Fähigkeit eines Stoffes oder Nahrungsmittels, Sauerstoffradikale unschädlich zu machen. Das klingt zunächst einmal überzeugend, denn freie Radikale können unsere Zellen schädigen und so Alterungsprozesse beschleunigen und das Entstehen von Krankheiten begünstigen. Bei näherer Betrachtung allerdings wird schnell klar, dass der ORAC-Wert ein reiner Laborwert ist. Entwickelt von Wissenschaftlern des National Institute of Health in Maryland, USA, beschreibt er zwar eine messbare chemische Eigenschaft eines Nahrungsmittels, je nach Testmethode können die Messergebnisse aber durchaus voneinander abweichen. Und da die im Labor angewandte Reaktion so im menschlichen Körper ohnehin nicht abläuft, ist der ermittelte ORAC-Wert keine zuverlässige Angabe zu der tatsächlichen gesundheitlichen Wirkung eines Nahrungsmittels. Er bleibt aber ein beliebtes Marketinginstrument bei Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln und Anbietern von Superfood.

Grünes Super Food

Grünes Superfood

Mikroalgen wie Spirulina oder Chlorella, der Wunderbaum Moringa oleifera und das Grünteepulver Matcha, das nach einer vier Wochen dauernden künstlichen Beschattung vor der Ernte intensiv dunkelgrün wird, werden mitunter auch Super Greens genannt.

Geschätzt werden sie hauptsächlich wegen ihres hohen Gehaltes an Chlorophyll. Moringa, ein Superstar unter den Superfoods, weist angeblich sogar die höchste Konzentration an Chlorophyll aller bisher untersuchten Pflanzen auf.

Der grüne Pflanzenfarbstoff soll Entzündungen hemmen, Blutzellen aufbauen, Magnesiummangel vorbeugen und den Körper entgiften helfen. Statt zu Nahrungsergänzungsmitteln aus Mikroalgen oder Moringa zu greifen, sollten wir einfach öfter mal wieder grüne Gemüse auf den Tisch bringen: Das jeweilige Gemüse der Saison hat als Freilandware deutlich mehr Chlorophyll als die Konkurrenz aus dem Gewächshaus. Spinat, Brokkoli, Mangold, grüne Blattsalate, selbst geerntete Brennnessel, Petersilie und allen voran Grünkohl sind hier empfehlenswert.

Supersamen und Superpilze

Supersamen und Superpilze

Chia-Samen rangieren unter den Superfoods ganz weit oben. Hierbei handelt es sich um die Samen einer Salbei-Art aus Mexiko, die schon bei den Azteken und Maya geschätzt wurde. Chia-Samen liefern Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E, Kalzium und hochwertige Proteine. Die kleinen dunklen Körner zunächst in Wasser quellen lassen. Sie sättigen gut und sollen bei Verdauungsproblemen und Sodbrennen helfen

Auch Roh-Kakao wirbt mit einer großen Menge an Antioxidantien für sich und soll stimmungsaufhellend wirken. Unter den Superfoods finden sich weitere Exoten wie der aus China stammende Reishi-Pilz, der positive Effekte auf Herz, Leber und Nieren haben soll. Er ist allerdings nur in Pulverform oder als Zusatz in Gesundheitsdrinks zu haben. Aber auch gute Bekannte wie das Olivenöl werden als Superfood geadelt.

Heimische Kraftpakete als Alternative: Hiesige Beeren, Äpfel, Zwiebeln, Knoblauch und Walnüsse

Diese Nahrungsmittel tauchen leider auf kaum einer Superfood-Liste auf. Schade eigentlich, denn sie und ihre hiesigen Obst- und Gemüsekollegen liefern uns ebenso viele wichtige Nährstoffe wie das trendige Superfood. Darüber hinaus sind sie überall, ohne lange Transportwege und meist zu einem guten Preis verfügbar.

Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag sollten es schon sein: Halten Sie sich einfach an die Gemüse der Saison und genießen Sie dabei abwechslungsreich und bunt! Zwiebelgemüse etwa haben eine entzündungshemmende Wirkung, Äpfel versorgen uns mit einer ganzen Palette an Vitalstoffen, Leinöl enthält ebenso viele Omega-3-Fettsäuren wie Chia-
Samen und auch Walnüsse liefern Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in einem ausgewogenen Verhältnis. Neueren Studien zufolge machen Nüsse nicht dick, obwohl sie reichlich Kalorien mitbringen. Da sie sehr gut sättigen, werden die Kalorien an anderer Stelle automatisch wieder eingespart.

Und was gesunde Beeren angeht – die wachsen zum Glück auch in unseren Breiten reichlich. Sie werden auf den Punkt gereift geerntet, überzeugen durch ihren unvergleichlichen Geschmack und versorgen uns ganz nebenbei mit vielen Vitalstoffen: Greifen Sie doch einfach zu schwarzen, roten und weißen Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Stachelbeeren und Holunderbeeren! Runden Sie Ihre gesunde Ernährung mit Milch- und Vollkornprodukten und Fischmahlzeiten ab. Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum und vergessen Sie nicht die regelmäßige Bewegung an frischer Luft – und vergessen Sie teure Superfood-Produkte.

Superfood: Manchmal supergefährlich

  • Die neuen Superfoods scheinen schier außergewöhnliche Kräfte zu haben. Man fragt sich, wie wir bisher überhaupt ohne sie leben konnten. Ein gesundes Maß an Vorsicht ist angebracht.
  • Bei Nährstoffangaben darf man die üblichen Verzehrmengen nicht aus den Augen verlieren: Der Kalzium-Gehalt von Chia-Samen z. B. ist um ein Fünffaches höher als der von Milch und liegt bei 500 mg pro 100 g. Die übliche Verzehrmenge von bis zu zwei Esslöffeln allerdings bringt ungefähr 120 mg Kalzium mit, während ein Glas Milch (200 ml) mit 240 mg Kalzium die doppelte Menge liefert. Wer zu Superfood in Form von Nahrungsergänzungs-mitteln greift, muss sich eventuell vor Überdosierungen hüten (manche Packungen warnen ausdrücklich davor).
  • Unerwünschte Begleiterscheinungen: Wer wegen der vielen gesunden Inhaltsstoffe des Kakaos reichlich Schokolade isst, nimmt ganz nebenbei auch viel Fett und Zucker zu sich, eine Gewichtszunahme ist nicht auszuschließen.
  • In Afa-Algenpräparaten wurden bei Untersuchungen der Stiftung Warentest Spuren von giftigen Microcystinen gefunden, die Nieren, Leber und Gehirn schädigen. Und das in Algenpräparaten ausgelobte Vitamin B 12 liegt hier
    überwiegend in einer vom Menschen nicht verwertbaren Form vor.
  • Außerdem kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt vor einem gefährlichen Anstieg der Blutungsneigung bei Patienten, die Vitamin- K-Antagonisten (z. B. Marcumar) einnehmen und gleichzeitig Gojibeeren verzehren
  • Manches Superfood wie Gojibeeren kann Allergien auslösen.
  • Da viele exotische Beeren aus Gegenden der Erde kommen, in denen die Böden durch Pflanzenschutzmittel stark belastet sind, enthalten sie oft auch unerwünschte Rückstände.