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Infos zur Ernährung

Ernährung bei Brustkrebs - Mittelmeerküche schützt

VON LIOBA LEPPING

Die Kölnerin war damals gerade 50 geworden und hatte im Rahmen des Mammographie-Screenings eine Einladung zur Röntgenuntersuchung der Brust bekommen. Für sie, die selber Gynäkologin ist, war die Diagnose, die einige Tage später kam, dennoch ein Schock. „Ich glaube, das medizinische Wissen, das ich habe, hat mir ein wenig geholfen, die Sache pragmatischer anzugehen. Dennoch habe ich mir, wie jede andere Patientin Sorgen gemacht.“

„Das Screening gerät immer wieder in die Kritik, dabei zeigt nicht nur Frau Bechers Fall, dass es tatsächlich sinnvoll ist“, sagt Iris Scheffen, die sie von Anfang an behandelt und begleitet hat. Kritisiert wird das Screening immer wieder wegen falsch-positiver Befunde. „Natürlich muss eine Biopsie, eine Gewebe-Untersuchung, erst zeigen, ob es sich um einen bösartigen Tumor handelt. Und das ist in vielen Fällen auch nicht der Fall“, sagt Scheffen. Dennoch überwiege der Nutzen der Früherkennung die Nachteile eines eventuell falschen Alarms. Denn im Fall eines bösartigen Tumors seien die Überlebenschancen schlicht deutlich besser, wenn er früh entdeckt werde.

Wie viele betroffene Frauen bekam auch Birgit Becher nach der Operation Chemotherapie. Neben dem Primärziel der Eliminierung der Krebszellen ist ein wesentlicher Aspekt der Behandlung die Linderung der Nebenwirkungen. Studien haben gezeigt, dass Bewegung dabei eine große Rolle spielt. „Wir versuchen die Patientinnen, vom Sofa zu bekommen und in Bewegung zu bringen. Studien zeigen, dass die Patientinnen, die schon am Tag der Chemo aktiv sind, weniger starke Nebenwirkungen haben, als die, die sich hinlegen“, sagt Iris Scheffen. „Ich bin viel spazieren gegangen“, erinnert sich Birgit Becher an die Zeit der Chemo. Dennoch hat sie damals vier Kilo zugenommen. Schuld daran kann das Kortison sein, das begleitend gegeben wird, um die Übelkeit zu lindern. Nachteil: Kortison sorgt bei vielen Patientinnen für regelrechte Heißhungerattacken. „Viele Frauen sitzen in der Sprechstunde vor mir und erzählen schuldbewusst, wie sie nachts den Kühlschrank plündern“, sagt Iris Scheffen. Um den Frauen geeignete Sportangebote machen zu können, kooperiert das Brustzentrum des Krankenhauses Hohenlind eng mit der Deutschen Sporthochschule. Es gibt Möglichkeiten, sich in der Gruppe zum Sport zu treffen oder zu Hause, per DVD oder Online-Video am Bildschirm angeleitete Übungen zu machen.

Auch die Ernährung ist ein wichtiger Faktor. Studien zeigen, dass übergewichtige Frauen nach der Menopause ein erhöhtes Krebsrisiko, oder auch ein erhöhtes Risiko haben, erneut an Krebs zu erkranken.

„Die Heilungschancen bei Brustkrebs sind hoch, doch die Krankheit ist und bleibt heimtückisch, denn auch fünf, zehn, zwanzig Jahre danach können sich Rezidive bilden, das heißt, das Tumorwachstum erneut aufflammen“, so Scheffen.
Umso wichtiger sei eine gesunde Lebensführung mit aktivem Gewichtsmanagement. Die Faustregel 5 am Tag, also fünf Portionen Obst und Gemüse, kombiniert mit einer mediterranen Kost, seien schon mal ein guter Maßstab.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung geht sogar davon aus, dass bei einer gesunden Ernährungsweise ein Drittel aller Karzinom-Erkrankungen vermeidbar seien. „Die mediterrane Kost enthält viele pflanzliche, wenige tierische Fette. Das tägliche Glas Wein, sollte man allerdings lieber weglassen“, rät Scheffen. Alkohol, auch in vermeintlich geringen Dosen, könne das Wachstum von Krebszellen fördern. Es könne helfen, sich einen Wochenplan zu erstellen und etwa von montags bis mittwochs gar keinen Alkohol zu trinken und sich zum Wochenende hin ein Glas zu erlauben.“ Doch zwischendurch muss man auch mal Fünfe gerade sein lassen. „Wenn die Frauen während der Chemo unbedingt eine Pizza wollen statt Rohkost, dann ist das natürlich auch in Ordnung.“ Birgit Becher hat die Erstbehandlungsdauer von fünf Jahren – von der OP über Chemo und Anti-Hormon-Therapie – nun hinter sich. Wichtig ist ihr neben dem wieder gewonnen Alltag der regelmäßige Sport: Aquajogging, sowie Kraft- und Ausdauertraining im Fitness-Studio hat sie als festen Bestandteil in ihren Wochenplan integriert.

Häufigkeit von Brustkrebs

Mit rund 70 000 Neuerkrankungen jährlich ist Brustkrebs die mit Abstand häufigste Krebserkrankung
bei Frauen in Deutschland. Das Mammakarzinom tritt wesentlich früher auf als die meisten anderen Krebsarten. Etwa jede vierte betroffene Frau ist bei Diagnosestellung jünger als 55 Jahre, jede zehnte unter 45 Jahre alt. Seit Einführung des bundesweiten Mammographie-Screenings im Jahr 2005 ist die Zahl der diagnostizierten Brustkrebsfälle zunächst sprunghaft gestiegen, seit dem Jahr 2009 ist sie wieder leicht rückläufig. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden im Rahmen des Mammographie-Screenings alle
zwei Jahre zu einer Röntgen-Untersuchung der Brust eingeladen. Von Brustkrebs betroffen sind
auch Männer. Im Jahr 2010 etwa wurden 610 Fälle registriert.

(Quelle: Robert-Koch-Institut)

Quelle: pronova BKK in Kooperation mit dem Kölner Stadt-Anzeiger (Anti-Diät-Club)