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All­er­gi­en

Unterschätzte allergene Gefahr? Nanopartikel und Feinstaub

Ultrafeine Partikel – egal ob in Form von Feinstaub aus Autoabgasen oder von synthetischen Nanopartikeln – bergen ein zusätzliches Allergie-Risiko. Zum einen aktivieren sie wie Allergene die Zellen des Immunsystems über die Haut, zum anderen verstärken sie die allergene Wirkung beispielsweise von Pollen, wenn sie zusammen mit diesen in die Atemwege gelangen. Ständig werden die genaueren Zusammenhänge von Allergien und Kleinstpartikeln in Studien weiter untersucht. Fest steht aber schon jetzt, dass besonders Kinder, die in der Nähe vielbefahrener Straßen leben, deutlich häufiger unter allergischen Reaktionen wie Bronchitis, Ekzemen und Heuschnupfen leiden als solche, die in ländlichen Gebieten mit weniger Feinstaubbelastung aufwachsen. Dieselrußpartikel gelten derzeit als besonders problematisch.

Kleinste Partikel, große Wirkung

Feinste Partikel erleichtern Allergenen den Weg in den Körper: Sie stören das Gleichgewicht der Haut, die so ihre Schutzfunktion gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen verliert. Wegen ihrer geringen Größe dringen die Teilchen bis in die dicht unter der Hautoberfläche liegenden Immunzellen vor. Wie ein Allergen fördern sie hier entzündliche Prozesse, indem sie die Produktion von IgE-Antikörpern maßgeblich steigern. Außerdem schädigen sie durch die Aktivierung entzündungsfördernder Stoffe die Schleimhäute der Atemwege. So bekommen Allergene leichteren Zugang, allergisches Asthma tritt häufiger auf.

Synthetische Nanopartikel

Nanopartikel aus verschiedenen Materialien wie Silber, Siliziumdioxid oder Zirkonia finden sich in antibakteriell ausgerüsteter Kleidung, in Kosmetik, als Zusatz im Salz oder im Kaffeeweißer, im Auto, in Solaranlagen, in Elektrogeräten, auf PET-Flaschen, in Lackierungen und in der Zahnmedizin. Entscheidend für die Wirkung auf das Immunsystem sind dabei die Größe der Partikel und die Beschaffenheit ihrer Oberfläche. Generell gilt, dass kleinere Partikel einen größeren Einfluss auf die Immunabwehr haben. Je nach Oberflächenzusammensetzung verstärken die gleichen Partikel eine allergische Reaktion oder schwächen diese auch ab. Weitere Forschungen zu verträglichen Oberflächenmodifikationen stehen noch aus. An der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz wird derzeit erforscht, inwieweit im Rahmen einer spezifischen Immuntherapie sogenannte Nanokapseln als Träger von Allergenen die Therapie besser verträglich machen können.

Partikel potenzieren Allergene

Die Kombination von Allergenen und Kleinstpartikeln steigert bei empfindlichen Personen die Entzündungsbereitschaft das Körpers. Bestehende Allergien werden so verstärkt. Aber Allergiker können auf diese Weise auch neue Allergien entwickeln. Wenn Feinstaubpartikel und Allergen direkt aneinander haften, kann es zu Veränderungen der Allergie auslösenden Proteine kommen, deren Aggressivität als Folge zunimmt.