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Herz-/Kreis­lauf­er­kran­kun­gen

Schädigt Lärm das Herz?

Lärm ist ein Stressfaktor erster Güte. Und das Tag und Nacht mit langfristigen Folgen für unser Herz-Kreislaufsystem. Um das zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass unser körpereigenes Alarmsystem rund um die Uhr in Bereitschaft ist. Entsprechend reagiert es auch auf nächtlichen Lärm – und zwar selbst dann, wenn wir vielleicht aus einem Gewöhnungseffekt heraus gar nicht wach werden. Lärm signalisiert Gefahr und versetzt unseren Körper in höchste Alarmbereitschaft. Stresshormone beschleunigen den Stoffwechsel: Wir sind bereit zum Kampf oder zur Flucht. Was unseren Vorfahren das Überleben gesichert hat, macht uns heute krank. Ein dauerhaft erhöhter Pegel von Stresshormonen lässt den Blutdruck steigen und macht den Weg frei für Herz-Kreislauferkrankungen.

Lärm macht Stress

Unsere Ohren sind immer hellwach. Sie nehmen selbst im Schlaf Geräusche wahr, leiten diese ans Gehirn weiter und setzen so eine Kettenreaktion in Gang: Die Amygdala, eine Hirnregion, die die unbewussten Vorgänge steuert und besonders bei Emotionen wie Angst im Spiel ist, empfängt die entsprechenden Signale. Sie aktiviert blitzschnell über den Hypothalamus das vegetative Nervensystem, das nun seinerseits für eine vermehrte Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin ins Blut sorgt. Das Herz beginnt schneller zu schlagen, die Gefäße verengen sich, der Blutdruck steigt. Mit zeitlicher Verzögerung kommt dann das Stresshormon Cortisol hinzu.

Stress beeinflusst Stoffwechsel

Adrenalin und Noradrenalin haben durch Gefäßverengungen vorbereitend dafür gesorgt, dass die lebenswichtigen Organe, die Muskulatur und das Gehirn besonders gut durchblutet werden, während das Verdauungssystem in dieser Zeit unterversorgt bleibt. Nun veranlasst Cortisol die Bereitstellung der nötigen Energie: Die Leber gibt Zucker ins Blut ab, aus den Fettdepots wird Fett mobilisiert. Körper und Geist sind bereit, der durch das Geräusch signalisierten Gefahr Paroli zu bieten. Zusätzlich bündelt Cortisol die Energie, indem es das gerade nicht benötigte Immunsystem unterdrückt. In unserer heutigen Welt bedeuten die Geräusche von Autos, Zügen und Flugzeugen normalerweise aber gar keine unmittelbare Gefahr. Das akustische Alarmsystem allerdings funktioniert noch immer wie zu Urzeiten. Und so sorgt ein dauerhaft hoher Geräuschpegel für einen ständig erhöhten Cortisolspiegel mit hohen Blutzucker- und Blutfettwerten als Folge. Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen haben leichtes Spiel.

Strategien gegen Lärmstress

Dauerlärm lässt sich leider nicht so einfach abstellen. Städtisches Leben ist ohne Verkehrs- und Fluglärm nicht mehr denkbar, in der Arbeitswelt dominieren Maschinenlärm oder Hintergrundgeräusche in Großraumbüros. Und auch das idyllische Landleben bringt jede Menge Lärm mit sich, denn irgendein Nachbar mäht immer Rasen oder hat den Laubbläser oder die Motorsäge im Einsatz. Trotzdem lässt sich der Lärmstress durch umsichtiges Verhalten mindern: Kinderlärm wird weniger nervig, sobald man sich an seine eigene Kindheit erinnert. In den eigenen vier Wänden zumindest sollte man häufiger auf eine Dauerberieselung aus Fernsehen oder Radio verzichten. Dicke Teppiche oder Vorhänge sind hervorragende Lärmschlucker. Bei der Gartenarbeit greift man zu Handmäher und Besen – etwas mehr Bewegung tut der Gesundheit ohnehin gut. Schallschutzfenster und -türen halten wenigstens einen Teil des Lärms draußen. Manchmal hilft allerdings nur noch ein Jobwechsel oder ein Umzug.