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Zahngesundheit

CMD: Fehlbiss mit Folgen

Schmerzen in den Kaumuskeln, Zähneknirschen, Kiefer- oder Ohrenschmerzen sowie möglicherweise Zahnschmerzen, für die der Zahnarzt keine eindeutige Ursache findet? Dazu noch häufige Kopf- und Gesichtsschmerzen?

Die Beschwerden treten in unterschiedlicher Gestalt auf und belasten die Betroffenen oft ganz erheblich. Dahinter kann sich eine CMD (craniomandibuläre Dysfunktion) verbergen. War der Begriff CMD (cranio = Schädel, Mandibula = Unterkiefer) bis vor einigen Jahren noch relativ unbekannt, so nehmen sich heute zahlreiche Zahnmediziner, Orthopäden sowie Physiotherapeuten des Themas an. Es handelt sich um eine vom Kausystem ausgehende Beschwerdekette („Fehlbiss"), die nach Meinung einiger Experten sogar weit entfernte Muskel- und Gelenkstrukturen belasten kann. So soll es beispielsweise Patienten geben, die nach einer erfolgreichen CMD-Behandlung auch ihre langjährigen Knie- oder Rückenprobleme verloren haben.

So einfach? Mit Vermessung zur passenden Schiene

Wie lässt sich also feststellen, ob man von einer CMD betroffen ist? Klagen Patienten über Schmerzen in Kaumuskulatur, Kieferschmerzen und weisen darüber hinaus Spuren nächtlichen Zähneknirschens auf, wird der Zahnarzt den Spannungszustand der Kaumuskeln untersuchen und den Biss überprüfen. Ergeben sich Verdachtsmomente, können verschiedene Messsysteme zum Einsatz kommen, die Bewegungsumfang des Unterkiefers und Lageverhältnis von Unter- zu Oberkiefer genau abbilden. Zeigen sich hier auffällige Befunde, kann das Zahnlabor mit einer individuell angefertigten Aufbiss-Zahnschiene einen ausgeglichenen Biss herstellen. Nach einigen Wochen Tragezeit wird der Patient feststellen, ob hier die Ursache seiner Beschwerden lag. Bei gravierenden Befunden kann sich die Behandlung auch über einen längeren Zeitraum hinziehen: Dann wird die Schiene nach und nach immer wieder neu angepasst, die verspannte Kiefermuskulatur parallel mit spezieller Physiotherapie gelockert.

Auch Stress kann Muskeln verkrampfen lassen

Was sich recht einfach anhört, ist es in der Praxis oft leider nicht. Unterschiedliche Mess- und Schienensysteme gehen von unterschiedlichen Annahmen und Theorien aus, einheitliche Therapiestandards gibt es nicht. Die unterschiedlichen Verfahren verursachen für die Betroffenen teils hohe Kosten.

Hinzu kommt, dass Experten schätzen, dass bei bis zu 75 % Prozent entsprechend untersuchter Menschen ein CMD-Befund erhoben werden könnte. Nur ein kleiner Teil davon leidet aber unter Schmerzen. So müssen offenbar weitere Faktoren dazu kommen, um Beschwerden auszulösen. Befragt man Patienten, berichten sie häufig von Überlastung und Stresssituationen. Die Behandlung sollte daher auch den Blick auf Faktoren wie Beruf, Partnerschaft und seelisches Befinden einbeziehen. Bevor man sich auf eine teure instrumentelle Vermessung einlässt, kann es sich daher lohnen, erst einmal mit Entspannungsverfahren zu arbeiten. Progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder das neuerdings beliebte Achtsamkeitstraining helfen dabei, Anspannung und Stress zu reduzieren.

Manchmal verursacht auch nicht gut angepasster Zahnersatz oder im Extremfall eine nur etwas zu hohe Füllung solche Beschwerden. Lässt sich ein zeitlicher Zusammenhang zu einer solchen Behandlung herstellen, sollte man Zahnersatz bzw. Füllungen nochmals genau kontrollieren lassen. Gegebenenfalls kann der Zahnarzt in solchen Fällen schon mit minimalen Einschleifmaßnahmen den Biss wieder optimieren.