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Zahngesundheit

In Verruf geraten? Zahnfüllungen aus Amalgam

Seit knapp 200 Jahren wird es in großer Verbreitung als Material für Zahnfüllungen eingesetzt: Amalgam, eine Mischung aus 50 % reinem Quecksilber sowie Silber, Kupfer, Zinn und weiteren Bestandteilen. Amalgam lässt sich einfach und schnell verarbeiten und ist in punkto Haltbarkeit und Belastbarkeit Kunststofffüllungen deutlich überlegen. Darüber hinaus ist es auch noch preiswerter als moderne Füllungskunststoffe. Viele Vorteile, denen aber ein unbehaglicher Verdacht gegenübersteht: Verursacht der hohe Gehalt an bekanntermaßen giftigem Quecksilber möglicherweise gesundheitliche Schäden?

Schon früh geriet Amalgam wegen des hohen Quecksilberanteils in die Kritik. 1833 kam es in den USA zum sogenannten Amalgamkrieg, der die Zahnärzteschaft in zwei feindliche Lager spaltete und zu einem zeitweiligen Verbot des Materials führte. Seither flammen immer wieder Diskussionen darüber auf, ob Quecksilber aus den Füllungen in den menschlichen Körper übertreten und ihn schädigen kann.

Gesundheitsrisiken bestätigen sich nicht

Mittlerweile gibt es eine große Anzahl wissenschaftlicher Studien, die mögliche gesundheitliche Gefahren des Amalgams genauer unter die Lupe nahmen. Eine große Studie von 1998 konnte keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl von Amalgamfüllungen und dem Auftreten von gesundheitlichen Störungen nachweisen. 2014 traf der wissenschaftliche Beratungsausschuss für Gesundheits- und Umweltrisiken der Europäischen Kommission nach Sichtung zahlreicher Expertengutachten die Einschätzung, dass die Gesundheits- und Umweltgefährung durch Amalgam vergleichsweise gering sei. Nach Berechnungen eines kanadischen Experten für Biomaterialien erreicht ein Mensch mit 10 Amalgamfüllungen im Mund maximal zwei Prozent des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Grenzwerts.

Gilt also Entwarnung für den lange bewährten Werkstoff? Nach aktueller wissenschaftlicher Studienlage schon, auch wenn manche Alternativmediziner das anders sehen. Die Liste der Leiden, die auf Unverträglichkeiten gegenüber Amalgam zurückgeführt werden, ist lang und unübersichtlich: Von Alzheimer über Bluthochdruck bis hin zu Schlafstörungen ist alles dabei. Studien sprechen allerdings eine andere Sprache. Sie konnten bislang keine Zusammenhänge belegen.

Amalgam-Allergie nur seltenes Phänomen

Was dagegen mittlerweile wissenschaftliche Anerkennung findet, ist eine sogenannte psychogene Amalgamintoleranz: Patienten führen ihre Beschwerden auf Amalgam zurück, obwohl es keine objektiven Hinweise auf einen Zusammenhang gibt. Bei diesen Patienten bessern sich die Probleme, wenn sie wissen, dass der Zahnarzt die Füllungen entfernt. Häufig wird auch eine Amalgam-Allergie. Echte Allergien auf das quecksilberhaltige Füllmaterial sind allerdings sehr selten und zeigen sich in der Regel als örtlich begrenzte Reaktionen, beispielsweise durch Entzündungen an der Mundschleimhaut in Nähe der Füllung.

Bisher gilt also: Viele Vermutungen, wenig Konkretes. Nach derzeitigem Wissensstand gilt die Verwendung von Amalgam bei Zahnfüllungen als grundsätzlich unbedenklich. Daher gilt in Deutschland weiterhin Amalgam als Regelversorgung für Füllungen in dem erhöhtem Kaudruck ausgesetzten Seitenzahnbereich. Ausnahmen gelten allein bei nachgewiesener Amalgam-Allergie oder bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät darüber hinaus Schwangeren, auf die Anwendung von Amalgam zu verzichten.