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Capoeira! Spiel oder Kampf?

Vielleicht haben Sie auf der Straße schon einmal erstaunt innegehalten: Ein Kreis von Menschen, die entweder Rhythmusinstrumente spielen oder singen und klatschen. Und innerhalb des Kreises bewegen sich zwei Spieler zum Rhythmus der Musik im Wechselspiel von Angriff und Verteidigung – jedoch ohne sich zu verletzen, sie umtanzen einander, spielen miteinander in höchster Konzentration. Die Bewegungen sind fließend und anmutig. Ein faszinierender Anblick!

Was Sie da sehen, ist eine Capoeira-Vorführung. Capoeira ist ein brasilianischer Kampftanz, der auch hierzulande immer mehr Anhänger in allen Altersstufen findet.

Elemente der Capoeira

Capoeira ist eine Mischung aus rhythmischer Bewegung, Tanz und Kampfsport, auch Akrobatik kann Teil von Capoeira sein. Die drei wichtigsten Elemente der Capoeira, die in Brasilien entstanden ist, sind der Kampf, die Musik und der Kreis, in dem der Kampf oder das Spiel, wie es eigentlich heißt, zwischen zwei Personen stattfindet. Die Gegner sind in ständiger fließender Bewegung, sie greifen an, versuchen, den Gegner zu täuschen, oder ziehen sich zurück. Die einzelnen Bewegungsabläufe sind dabei nicht festgelegt, sondern ergeben sich aus der ständigen Wachsamkeit gegenüber dem Gegner. Konzentration, Koordination und Kreativität sind gefragt. Reine Muskelkraft ist weniger entscheidend als Geschicklichkeit. Die Bewegungen werden rhythmisch ausgeführt, sodass nur schwer zu unterscheiden ist, ob es sich um einen Kampf oder einen Tanz handelt. Die Gegner führen einen körperlichen Dialog und entscheiden selbst, ob die Konfrontation oder die Kooperation dabei im Vordergrund steht. Mitunter geraten sie regelrecht in Trance. Begleitet wird dieses Spiel durch rhythmische Musik, Gesang oder Klatschen. Im Kreis, der das Areal der Spieler umschließt, befinden sich auch die Musiker. Die traditionellen Instrumente sind das Berimbau, ein afrikanisches Bogeninstrument, ein Schellentamburin, Trommeln und Ratschen. Das Spiel kann auch von Gesang begleitet werden.

Ursprung der Capoeira

Capoeira ist vermutlich zur Zeit der Sklaverei auf den Zuckerrohrplantagen Brasiliens entstanden, dorthin waren viele afrikanische Sklaven verschleppt worden. Ihre Lebensbedingungen waren erbärmlich, daher entwickelten sie Angriffs- und Abwehrtechniken, um sich gegen brutale Aufseher wehren zu können. Das Üben von Kampftechniken war natürlich verboten und so flossen, gewissermaßen zur Tarnung, tänzerische Elemente in die Capoeira ein. Rituelle Kampfspiele und Tänze in afrikanischen und indianischen Kulturen können als Vorläufer angesehen werden. Ähnliche Kampfkünste wurden auch in anderen Regionen entwickelt, in denen es afrikanische Sklaven gab. Die Fußtechniken überwiegen, da Sklaven oft an den Händen gefesselt waren. Eine Abwehr auch von bewaffneten Gegnern war häufig möglich.

Capoeira heute

Capoeira ist heute sehr vielseitig, und daher für Jung und Alt gleichermaßen geeignet. Auch für Kinder, die oft sehr viel Spaß an Tanz und Musik haben, werden Kurse und Workshops angeboten. Jugendliche und junge Erwachsene bevorzugen vielleicht eine Capoeira-Richtung, die Elemente asiatischer Kampfsportarten oder Akrobatik enthält. Gewisse normative Regeln, die zu jeder Capoeira-Richtung gehören, gewährleisten die Sicherheit der Kämpfer, wie etwa die Anweisung, den Mitspieler nicht zu verletzen, oder das Verbot von Schlägen mit geschlossener Faust. In Capoeira- Schulen und Kursen werden zunächst körperliche Grundtechniken erlernt. Die körperliche Stärke ist dabei nicht so entscheidend. Gefördert werden die Beweglichkeit und die Elastizität, aber auch die Konzentrationsfähigkeit. Beim Spiel im Kreis sind Improvisation, Spontaneität und eine gewisse Offenheit wichtig, um den Bewegungen des Mitspielers antworten zu können. Viele sind fasziniert von der Schönheit der fließenden Bewegungen oder schätzen das Gruppengefühl und die daraus resultierenden Freundschaften. Bei älteren Menschen treten die Kampftechniken eher in den Hintergrund zugunsten der rhythmischen Bewegungen zur Musik. Und für alle steht Capoeira vielleicht ein bisschen auch für die Kunst, das Leben fließen lassen zu können.