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Familie

Kein Schlückchen in Ehren – Warum Schwangere Alkohol unter allen Umständen vermeiden sollten

In Deutschland kommen jedes Jahr etwa 10.000 Neugeborene mit Alkoholschäden zur Welt. Etwa 4.000 von ihnen leiden unter dem Vollbild des fetalen Alkoholsyndroms. Lebenslange schwere körperliche und geistige Behinderungen sind die Folge. Doch obwohl die Fakten bekannt sind, gaben in einer Studie der Charité 58 % der befragten Schwangeren an, gelegentlich Alkohol zu trinken.

Mut zum energischen Nein

„Ach komm schon, ein Gläschen Sekt wird schon nicht schaden!“ Kaum ist die gute Nachricht raus, versuchen Freunde und Verwandte ihrer Freude über den ins Haus stehenden Nachwuchs durch einen kleinen Umtrunk Ausdruck zu verleihen – selbstverständlich unter Einbeziehung der werdenden Mutter. Der Ausdruck „werdende Mutter“ täuscht jedoch – das Mutterwerden ist kein Ereignis in ferner Zukunft, sondern hat mit der ersten Zellteilung eingesetzt und ist im zweiten oder dritten Monat – also dem üblichen Zeitpunkt der Bekanntmachung – bereits sehr weit fortgeschritten. Und weil Alkohol selbst in geringen Mengen ein stark wirkendes Zellgift ist, lautet die Antwort selbstverständlich: „Nein, ich trinke nicht!“ Wer diese Ansage nicht akzeptiert, hat seine Daseinsberechtigung im Freundeskreis eigentlich schon verwirkt, denn von Freunden darf man doch wohl erwarten, dass sie einem nur das Beste wünschen.

Welche Schäden drohen bei Alkoholkonsum der Mutter?

In Abhängigkeit vom Reifungsstadium führt Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft zu unterschiedlichen Entwicklungsstörungen. In den ersten drei Monaten vermehren die Nervenzellen sich rapide, die Organe werden angelegt Dementsprechend tiefgreifend sind die Schädigungen, die in dieser Zeit erfolgen können: Kopf- und Gehirnminderentwicklung, Gesichtsveränderungen mit strukturellen Unterentwicklungen und Fehlbildungen innerer Organe kommen am häufigsten vor. Während des mittleren Schwangerschaftsdrittels besteht bei mütterlichem Alkoholkonsum das erhöhte Risiko einer Fehlgeburt. Weiterhin kommt es oft zu Wachstumsverzögerungen. Im letzten Schwangerschaftsdrittel wächst der Fetus körperlich und kognitiv zur Geburtsreife. Alkohol kann auch hier wiederum zur Wachstumsverzögerung führen sowie besonders häufig zu einer Schädigung des Zentralnervensystems.

Nicht die Alkoholmenge ist entscheidend – schon ein Glas kann fatale Folgen haben

Nicht nur regelmäßiges oder übermäßiges Trinken ruft die genannten Schädigungen hervor. Auch der gelegentliche Alkoholkonsum kann je nach Entwicklungsphase schlimme Auswirkungen haben. Während der vierten Schwangerschaftswoche etwa kann Alkoholeinfluss die sich herausbildende Kopfform beeinflussen, in der sechsten Woche kann es bei der Anlage der Nieren zu Fehlbildungen kommen. In ständiger Gefahr befindet sich das heranreifende Gehirn: Es kann jederzeit während der gesamten Schwangerschaft irreparable schwere Schäden erleiden.

Mögliche Spätfolgen bei den Kindern

Die Universität Duisburg-Essen hat vor einigen Jahren in einem Vergleich mehrerer Studien die Symptome zusammengetragen, die bei alkoholgeschädigten Kindern auftreten können. Hier ein kleiner Auszug aus einem ganzen Katalog des Schreckens. Natürlich muss keines dieser Merkmale Indiz einer Alkoholstörung sein. Aber allein das Wissen, dass diese und andere Symptome als Folge von Alkoholgenuss in der Schwangerschaft vermehrt auftreten, sollte Sie in Ihrem „Nein!“ bestärken.

Organischer Bereich

  • Wachstumsstörungen, Minderwuchs, Untergewicht
  • vergleichsweise kleiner Kopfumfang, Minderentwicklung des Gehirns
  • Sprachstörungen
  • Hörstörungen
  • Schlafstörungen
  • Ess- und Schluckstörungen, oft fehlendes oder übermäßiges Hungergefühl
  • Augenfehlbildungen
  • Herzfehler, oft Scheidewanddefekte
  • Gaumenspalte
  • Fehlbildungen im Urogenitalbereich

Verhaltensauffälligkeiten

  • motorische Koordinationsschwierigkeiten durch Entwicklungsverzögerungen der Fein- und Grobmotorik und mangelhafte Auge-Hand-Koordination („Tollpatschigkeit“)
  • Problembewältigungsschwierigkeiten (immer wieder gleiche Herangehensweisen ohne Variablen)
  • selbststimulierendes, teils selbstverletzendes Verhalten
  • Ungeduld und Spontaneität einerseits, Entscheidungsschwierigkeiten andererseits
  • dissoziales und oppositionelles Verhalten
  • Nichterkennen von Konsequenzen
  • Schwierigkeiten, sich in soziale Bezüge angemessen einzugliedern und sich darin wohlzufühlen
  • Ignoranz gegenüber verbalen Anweisungen, unkooperatives und oppositionelles Verhalten bei verbal ausgesprochenen Grenzsetzungen (Nichtakzeptanz von „Nein“)
  • Unempfänglichkeit oder Unverständnis gegenüber nonverbalen Signalen durch Gestik, Mimik und Körpersprache anderer Menschen
  • sinngemäßes Verständnis von Anweisungen, aber Unvermögen zur angemessenen Ausführung
  • oft ängstlich-besorgte und chronisch frustrierte Einstellung
  • niedrige Frustrationstoleranz
  • schnelle Ermüdbarkeit