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Gut zu wissen

Huch! Bist du kalt! - Die Weißfingerkrankheit

Erst die Kälte, dann die eisigen, blutleeren Finger. Für die Betroffenen, die unter dem Raynaud-Syndrom leiden, ist das normal. Sie können wenig gegen die so genannten Leichenfinger tun – und lernen irgendwann damit zu leben.

Eisiger Wind, kaltes Wasser oder der Griff in die Kühltruhe: Bei manchen Menschen reichen solche Kältereize aus, um aus normalen Fingern so genannte Leichenfinger zu machen. Was sich gruselig anhört, sieht zum Leidwesen der Betroffen auch so aus. Denn wenn das Blut in die gefühllosen, blassen Finger zurückkehrt, färben sie sich zunächst blau, dann rot bis sie schließlich wieder ihre normale Farbe annehmen. Die Medizin hat einen Namen dafür: Raynaud-Syndrom, benannt nach dem französischen Arzt Maurice Raynaud, der das Phänomen im 19. Jahrhundert zum ersten Mal beschrieb.

Betroffen von der Durchblutungsstörung sind vor allem Frauen zwischen 20 und 40 Jahren. Meistens tritt das Phänomen nach der Pubertät zum ersten Mal auf und endet – mit ein bisschen Glück – nach den Wechseljahren, wenn der Blutdruck mit dem Alter steigt. Insofern scheint ein niedriger Blutdruck mit eine Rolle für das Raynaud-Syndrom zu spielen. Oft trifft es zudem mehrere Mitglieder einer Familie. Warum das so ist und was die Ursachen für die Störung sind, wissen Mediziner und Wissenschaftler allerdings noch nicht.

Kältereiz als Auslöser

Immerhin kennt man die Auslöser, die zu den weißen Fingern führen. Das ist vor allem Kälte, oft in Verbindung mit Aufregung und Stress. Der Kältereiz führt dazu, dass sich die Gefäße in den Fingern – in einigen Fällen ebenfalls in den Zehen – zusammenziehen und die Blutzirkulation zum Stillstand kommt. In der Regel dauert der Gefäßkrampf einige Minuten, in seltenen Fällen mehrere Stunden. Auch wenn das unangenehm ist, weil sich die Finger kalt und taub anfühlen, besorgniserregend ist das nicht. Denn dem Gewebe schadet so eine lange Unterversorgung normalerweise nicht. Allerdings können die Begleiterscheinungen für die Betroffenen unangenehm sein: Wenn das Blut in die feinen Äderchen zurückkehrt, kribbelt und pocht es schmerzhaft in den Fingern.

Im Winter Handschuhe tragen

Obwohl das Raynaud-Syndrom keine Erkrankung ist, kann es durchaus die Lebensplanung beeinflussen. Denn alle Berufe, bei denen man viel draußen arbeitet oder mit kaltem Wasser zu tun hat, können problematisch sein. Ein wirksames Mittel gegen die weißen Finger gibt es nicht. Die Betroffenen lernen vielmehr damit zu leben. Sie gehen im Winter nur mit Handschuhen raus, die am besten bereits in der warmen Wohnung angezogen werden, und halten die Füße warm, damit die Kälte nicht von unten durch den ganzen Körper zieht. Ein bewährtes Mittel sind darüber hinaus kleine Heizkissen für die Jackentasche oder beheizbare Handschuhe. Einige schwören außerdem auf alles was von innen wärmt, wie heiße Suppen oder scharf mit Pfeffer, Curry und Muskat gewürzte Speisen.

Wärme als Erste-Hilfe-Maßnahme

Als Erste-Hilfe-Maßnahme, wenn trotz aller Vorsicht der Gefäßkrampf zugeschlagen hat, leistet die eigene Körperwärme gute Dienste. Also am besten die kalten Finger unter die Achseln schieben oder in die Ärmel der Jacke. Auch warmes Wasser lässt das Blut in die Finger zurückkehren. Aber aufgepasst, dass es nicht zu heiß ist. Da die Finger gefühllos sind, merkt man zu hohe Temperaturen oft erst, wenn es zu spät ist – und man sich verbrüht hat. Einen Arzt sollten diejenigen aufsuchen, bei denen das Raynaud-Syndrom erst im späteren Lebensalter auftritt oder wenn nicht beide Hände betroffen sind, sondern nur einzelne Finger. Dann sind die weiß anlaufenden Gliedmaßen meistens eine Begleiterscheinung einer anderen Krankheit und sollten untersucht werden.