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Gut zu wissen

Schmerzmittel: Frei verkäuflich = harmlos?

Schmerzmittel

Schmerzmittel zählen zu den am häufigsten genutzten Medikamenten. Viele Schmerzmittel sind frei verkäuflich, man kann sie sich also ohne ärztliche Verordnung besorgen. In den meisten Fällen werden diese frei verkäuflichen Schmerzmittel gegen Kopf- oder Gelenkschmerzen eingesetzt. In der Regel helfen sie dem Betroffenen auch schnell und zuverlässig – Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol sind immerhin seit Jahrzehnten, teils sogar seit über 100 Jahren in Gebrauch. Die Wirkungsweise ist bewährt, simpel und im Ergebnis überzeugend, was also sollte daran falsch sein? Über die paar möglichen Nebenwirkungen klärt der Beipackzettel auf. Ist es also nicht etwas übertrieben, vor diesen freundlichen Alltagshelfern zu warnen?

Was ist überhaupt Schmerz?

Schmerz ist für viele Menschen ein ebenso treuer wie lästiger Begleiter – es ist absolut verständlich, wenn man sie loswerden will. Doch was genau ist das eigentlich: Schmerz? Schmerz ist – wie Fieber – keine Krankheit, sondern ein Symptom. Ein Symptom ist ein Hinweis auf eine Erkrankung. Zahnschmerzen etwa verweisen in den allermeisten Fällen auf einen kranken Zahn. Natürlich kann man ein Schmerzmittel nehmen, um den Schmerz bis zum Zahnarzttermin auszuschalten. Man schaltet aber nur den Schmerz aus – der kranke Zahn bleibt ein kranker Zahn, ein durch Karies entstandenes Loch wächst nicht wieder zu. Man wird also nicht auf den Zahnarztbesuch verzichten, denn die Alternative wäre, monate oder jahrelang Schmerzmittel zu nehmen, bis der kranke Zahn tot und abgefault ist. Bei Kopfschmerzen oder Gelenkschmerzen gehen wir allerdings anders an die Sache heran. Hier halten wir es für normal, so lange Schmerzmittel zu nehmen, bis wir wieder beschwerdefrei sind. Dabei kann es auch in diesem Bereich Ursachen geben, die man besser ärztlich abklären lässt.

Es besteht bei Schmerzmitteleinsatz grundsätzlich die Gefahr, dass die zugrunde liegende Erkrankung verdeckt, übersehen und chronisch wird. Problematisch sind auch die Gewöhnungseffekte – nicht nur wegen der bei längerer Einnahme höheren Gefahr von Nebenwirkungen (vor allem Leber und Niere können in Mitleidenschaft gezogen werden), sondern beispielsweise auch wegen des bei längerer Einnahme auftretenden sogenannten Medikamentenkopfschmerzes: Lässt die Wirkung der Kopfschmerztablette nach, verlangt der Körper umgehend nach weiterer Schmerzmittelzufuhr – und das, obwohl die ursprüngliche Ursache des Kopfschmerzes längst nicht mehr vorhanden ist.

Schmerzmittel zurückhaltend einsetzen

Natürlich ist es in Ordnung, bei gelegentlich auftretenden Beschwerden ein frei verkäufliches Schmerzmittel anzuwenden. Es darf eben nur nicht zur Gewohnheit werden. In vielen Fällen kann es auch durchaus sinnvoll sein, ein Schmerzmittel länger zu nehmen – etwa bei Schmerzen des Bewegungsapparats. Nur so kann man verhindern, dass es infolge eines Schmerzvermeidungsverhaltens zu Fehlbelastungen kommt, die dann zu Schmerzen an anderer Stelle führen können. Beispiel: Sie haben Schmerzen im linken Kniegelenk und versuchen, das linke Kniegelenk möglichst zu schonen. Sie hüpfen also tagelang auf dem rechten Bein durch die Gegend und belasten damit das rechte Kniegelenk doppelt und dreifach. Was wird die Folge sein? Richtig: ein schmerzendes rechtes Kniegelenk. Also kann es angezeigt sein, Schmerzmittel so lange einzunehmen, bis das linke Kniegelenk wieder fit ist und normal belastet werden kann. Doch sollten Sie auch frei verkäufliche Schmerzmittel nie länger als drei Tage hintereinander nutzen. Spätestens, wenn Ihre Beschwerden am vierten Tag noch andauern, ist ein Arztbesuch angezeigt.

Kinder und Schmerzmittel

Besondere Vorsicht ist angezeigt, wenn Sie Ihr Kind mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln selbst behandeln wollen. Zum einen sind viele Mittel für Kinder nicht geeignet bzw. in der für Erwachsene vorgesehenen Dosierung zu hoch angesetzt; zum anderen kommt es gelegentlich zu ernsthaften Komplikationen. Gefürchtet ist beispielsweise das sogenannte Reye-Syndrom, das auch durch die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) ausgelöst werden kann. Betroffen sind vor allem Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren; bis zu 25 % der Fälle verlaufen tödlich, in bis zu 30 % der Fälle bleiben neurologische Störungen zurück. Solche Fälle sind zwar selten, doch auch seltenen Risiken gehört ein Riegel vorgeschoben: Kindern also bitte niemals ASS-Präparate verabreichen, sondern bei schmerzhaften oder fiebrigen Erkrankungen immer zeitnah die kinderärztliche Praxis aufsuchen.

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