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Gut zu wissen

Schwindel - Schwer zu diagnostizieren und oft beängstigend!

Schwindel

In der einen oder anderen Variante hat ihn wahrscheinlich jeder schon mal erlebt, diesen Drehwurm, der uns plötzlich den Boden unter den Füßen unsicher macht, uns Pudding in die Knie zaubert und uns schwarz vor Augen werden lässt. Man setzt sich hin und nach ein, zwei Minuten ist alles vergessen. Meist bleibt er ein einmaliges Ereignis und kann in der Regel einer alltäglichen Ursache zugeordnet werden: zu schnell aufgestanden, zu lange in der Hitze gewesen, zu wenig gegessen, Stress, Nebenwirkung eines Medikaments oder Folge eines Sturzes.

Es gibt aber auch den immer wiederkehrenden Schwindel, der uns überall und jederzeit überfallen kann: hinterm Steuer beim Autofahren, beim Einkaufen, im Gespräch mit Freunden oder bei der Arbeit. Man kann keine Ursache erkennen und ist beunruhigt, denn der Schwindel lässt uns für Momente völlig hilflos werden. Schwindel ist schwer zu diagnostizieren. Wir stellen die häufigsten Schwindelformen, ihre Ursachen und Therapien vor. Sollten Sie unter wiederkehrendem Schwindel leiden und bekannte Ursachen ausscheiden, suchen Sie bitte eine HNO-Praxis auf.

Wenn es an der Selbstwahrnehmung liegt

Beim sogenannten phobischen Schwankschwindel liegen subjektive Schwindelwahrnehmungen vor, ohne dass eine körperliche Ursache besteht. Während man auf ein Schwindelgefühl normalerweise mit einer kurzen Ausgleichsbewegung reagiert, neigen manche Menschen zu übermäßigen Ausgleichsbewegungen, die das Schwindelgefühl dann verstärken. Der Patient versucht sein Gleichgewicht nun bewusst zu kontrollieren, beobachtet sich selbst ohne Unterlass und erlebt in der Folge wahre Schwindelattacken, die aber nach wie vor keine körperliche Ursache haben. Die Therapie kann vielschichtig sein. Nachdem organische Ursachen ausgeschlossen wurden, kann man versuchen, durch Gleichgewichtsübungen den Gleichgewichtssinn zu trainieren, um so ein Gefühl der Sicherheit zu erzeugen. Medikamente und Psychotherapie werden bei Bedarf die Behandlung ergänzen.

Schwindel in Verbindung mit Migräne und neurologischen Grunderkrankungen

Relativ leicht zu diagnostizieren ist der Schwindel, der in Verbindung mit Migräne auftreten kann, weil die Schwindelattacken während der Migräneanfälle auftreten. Hier wird in der Regel versucht, über eine Ursachenbehandlung auch das Schwindelsymptom zu bekämpfen. Wer mit Migräne zu tun hat, weiß allerdings, wie schwierig die Ursachenbehandlung sein kann. Auch mit neurologischen Grunderkrankungen wie Gehirntumoren, Schlaganfällen, Hirnblutungen und multipler Sklerose kommt es oft zu Schwindelanfällen. Wie bei der Migräne erfolgt die Therapie nicht isoliert, sondern durch eine Behandlung der Grunderkrankung.

Wandernde Steinchen

Manchmal sitzen winzig kleine Kalkkristalle auf der Oberfläche der Sinnes- und Stützzellen in unserem Gleichgewichtsorgan am Ende des Gehörgangs. Geraten diese Steinchen in Bewegung, entstehen Schwindelgefühle. Man spricht vom gutartigen Lagerungsschwindel. Oft kommt es zur Selbstheilung, wenn diese Minikristalle sich in der Flüssigkeit auflösen, die sich im Gleichgewichtsorgan befindet. Medikamente richten hier meist nichts aus, weil es keine Wirkstoffe gibt, die die Kristallauflösung unterstützen und zugleich das Gleichgewichtsorgan nicht schädigen. Oft dämpfen Medikamente den Gleichgewichtssinn zusätzlich. Mit speziellen Übungen, den sogenannten Befreiungsmanövern oder Lagerungstrainings, kann man versuchen, die Kristalle zu verschieben. Diese Behandlung gehört in die Hände erfahrener Therapeuten.

Menièresche Krankheit

Die Symptome umfassen neben dem plötzlich auftretenden Schwindel mit starker Übelkeit auch Tinnitus und Hörverlust auf der betroffenen Seite. Als Ursache wird ein Druckverlust im Innenohr angenommen, doch besteht noch keine vollständige Klarheit über die Zusammenhänge. Aus diesem Grund ist die Therapie auch schwierig. Man kann zwar gegen die Übelkeit vorgehen, doch eine ursächliche Behandlung des Morbus Menière ist derzeit kaum möglich. Medikamentöse Therapie und Versuche mit Rotlichtlaser kommen zwar zum Einsatz, gelten aber als fragwürdig. Operative Behandlungen können eine Minderung des Gleichgewichtssinns oder des Hörvermögens nach sich ziehen.

Ausfall der Gleichgewichtsorgane durch Entzündungen

Wenn ein oder beide Gleichgewichtsorgane durch Entzündungen betroffen sind, tritt Schwindel in Verbindung mit Übelkeit auf (Neuritis vestibularis). Die Akutbehandlung umfasst Mittel gegen die Entzündung und Mittel gegen die Übelkeit. Zusätzlich wird Physiotherapie zur Stabilisierung des Gleichgewichtssinns empfohlen.

Schwindel durch Borreliose?

Borreliose ist eine durch Zeckenbiss übertragbare Erkrankung, die sich durch Hautrötung und grippeähnliche Symptome bemerkbar macht. Man kann sie – bei Auftreten der wandernden Hautrötung – antibiotisch behandeln. Bleibt sie unbehandelt, können noch Jahre nach dem Zeckenbiss Symptome auftreten, zu denen u. a. auch Schwindelattacken zählen. Unser Rat: Wenn Sie im Freien unterwegs sind oder Kontakt zu Haustieren haben, achten Sie sorgfältig auf Zecken an Ihrem Körper. Entdecken Sie eine, entfernen Sie sie möglichst frühzeitig mit einer Pinzette oder einer sogenannten Zeckenkarte durch Herausziehen (nicht drehen, Zecken haben kein Gewinde; und erst recht nicht mit Ölen, Klebstoff oder Benzin beträufeln, dadurch werden die Zecken veranlasst, besonders viele Krankheitserreger in Ihren Körper zu entlassen). Zecken haben übrigens auch im Herbst oder Winter Saison.