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Gut zu wissen

Sichere Arzneimitteltherapie

Wenn Arzneimittel sich gegenseitig beeinflussen 

Kann krank machen, was eigentlich gesund machen soll? Bei vielen Arzneimitteln kann das der Fall sein – vor allem dann, wenn mehrere Wirkstoffe zur gleichen Zeit eingenommen werden. Man spricht in diesem Fall von Wechselwirkungen.

Das Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen steigt mit der Anzahl der eingenommenen Arzneimittel exponentiell an – laut Weltgesundheitsorganisation sind 10 % aller Krankenhaus-Aufnahmen medikationsbedingt, ein großer Teil davon gilt als vermeidbar. Jeder dritte Versicherte der pronova BKK, der 70 Jahre oder älter ist, erhält mehr als fünf verschiedene Wirkstoffe; jeder 20ste in dieser Altersgruppe sogar mehr als zehn verschiedene Wirkstoffe. Hinzu kommen Arzneimittel, die frei verkäuflich, aber in Kombination mit anderen nicht wechselwirkungsfrei sind – und von denen der behandelnde Arzt häufig nichts weiß. Schauen wir uns das mal an einem konkreten, ganz alltäglichen Beispiel an.

Ein selbstgekauftes Schmerzmittel beeinträchtigt den Schutz vor Herzinfarkt 

Herr Müller ist 75 Jahre alt. Er hatte vor drei Jahren einen Herzinfarkt und bekommt deshalb regelmäßig von seinem Hausarzt ASS 100 protect zur Nachsorge verordnet. ASS hemmt die Zusammenballung der Blutplättchen und soll so einem erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall vorbeugen. Herr Müller hat außerdem schmerzende Knie, Ursache ist ein altersbedingter Gelenkverschleiß. Seine Frau erledigt die täglichen Einkäufe in einem großen Supermarkt, der auch eine Apotheke beherbergt. Von dort bringt sie ihm das nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel Ibuprofen mit. Dieses Medikament hilft Herrn Müller, wenn er längere Strecken zusammen mit seiner Frau gehen möchte. Dieses Vorgehen ist mit seinem Orthopäden, abgestimmt. Leider weiß der Orthopäde nichts von der gleichzeitigen ASS-Einnahme, wie auch dem Hausarzt die Ibuprofen-Einnahme verborgen geblieben ist.

Eines Tages geht Herr Müller, um Ibuprofen zu besorgen, selbst in seine eigentliche Stammapotheke, wo man ihn und sein Herzproblem gut kennt. Der Apotheker schaut zunächst in die Liste der übrigen Medikamente, die Herr Müller bislang bei ihm bezogen hat. Erschrocken ist Herr Müller, als der Apotheker ihm erklärt, dass Ibuprofen die Wirkung des vom Hausarzt verordneten ASS aufheben oder vermindern kann. Herr Müller hatte sich also die ganze Zeit in falscher Sicherheit gewiegt und sich darauf verlassen, durch das regelmäßig eingenommene ASS 100 protect vor einem erneuten Herzinfarkt geschützt zu sein – obwohl sein Schmerzmittel diesen Effekt deutlich beeinträchtigte. Der Apotheker hat eine Alternative zur Hand. Herr Müller beschließt, von nun an seinen gesamten Arzneimittelbedarf nur noch in einer Apotheke zu decken, um solche Vorkommnisse in Zukunft zu vermeiden. Doch Herr Müller kann noch mehr tun, um sicher zu sein.

Das einzige Mittel, das wirklich hilft: Transparenz 

Situationen wie am Beispiel von Herrn Müller geschildert kommen in Deutschland täglich vor – tausendfach. Die erwähnte Wirkungsabschwächung von ASS 100 protect durch das frei verkäufliche Ibuprofen aber ist nur ein Beispiel für Wechselwirkungen.

Auch vermeintlich harmlose pflanzliche Arzneimittel wie z. B. Johanniskraut können in Kombination mit anderen Arzneimitteln zum Problem werden.

Wie können Sie dieses Problem sicher vermeiden? Natürlich können und sollten Sie in jedem Fall den Beipackzettel lesen, vor allem den Punkt „Wechselwirkungen“. Sinnvoll ist es aber vor allem, wenn Sie jeden behandelnden Arzt über alle Medikamente aufklären, die Sie derzeit einnehmen – inklusive der von anderen Ärzten verordneten sowie Ihrer Selbstmedikation. Das gilt auch für vermeintlich harmlose pflanzliche Mittel und Vitamin- oder Mineralstoff-(Brause) Tabletten. Ihr Arzt – ganz gleich ob Hausarzt oder Facharzt – weiß, was sich miteinander verträgt und was nicht. Holen Sie sich Ihre Medikamente deshalb am besten stets in derselben Apotheke, auch dort wird man Sie auf etwaige Unverträglichkeiten bzw. Wechselwirkungen aufmerksam machen. Natürlich können Sie bei Unsicherheiten auch die Gesundheitsberatung der pronova BKK anrufen!