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Seelische Gesundheit

Endlich anders!

Gewohnheiten sind Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite erleichtern sie unser Leben ungemein:

Wir schauen automatisch nach links und rechts, bevor wir eine Straße überqueren, und gehen damit sicherer durchs Leben. Auf der anderen Seite bereiten sie uns jede Menge Kummer: Nach Feierabend lassen wir uns aufs Sofa plumpsen und schalten den Fernseher ein, um zu entspannen. Damit berauben wir uns automatisch vielfältiger anderer Möglichkeiten, unseren Feierabend zu gestalten.

Immer wieder nehmen wir uns vor, unliebsame Gewohnheiten zu ändern: Wir wollen weniger fernsehen, endlich gesünder essen, uns mehr bewegen, nicht mehr an den Fingernägeln knibbeln, nicht mehr rauchen, kurzum – die Macht der schlechten Gewohnheit durchbrechen. Auch wenn es nicht immer einfach ist – in mehreren Schritten und mit der richtigen Strategie wird es uns gelingen.

Gute Gewohnheiten erleichtern das Leben

Gewohnheiten sind nicht angeboren, sondern werden im Laufe des Lebens erlernt. Eltern wissen nur zu gut, wie mühsam es sein kann, Kindern das für die Zahngesundheit so wichtige Zähneputzen zur Gewohnheit werden zu lassen. Mit ihren Vorschulkindern üben sie wieder und wieder das Überqueren einer Straße, bis die Kleinen das richtige Verhalten verinnerlicht haben. Die Anzahl der Gewohnheiten nimmt mit dem Alter zu. In vielen Bereichen erleichtern sie das Leben, wir müssen z. B. nicht imm r wieder neu überlegen, wie wir unseren Schaltwagen beschleunigen oder welche Schwimmbewegungen uns am besten im Wasser voranbringen. Dadurch hat unser Gehirn Kapazitäten frei, um sich neuen und ungewohnten Dingen zuzuwenden. Erlernte Gewohnheiten sind auch der Garant dafür, dass ältere Leute sich in ihrer gewohnten Umgebung meist problemlos
zurechtfinden.

Automatismen durchschauen

Um den Gewohnheiten auf die Spur zu kommen, beschäftigen sich Hirnforscher mit der Funktion der Basalganglien, dem Areal im Gehirn, das maßgeblich an der Entstehung von Gewohnheiten beteiligt ist. Nach heutigen Forschungen sind hier gewohnheitsmäßige Handlungsmuster abgespeichert. Wenn diese dann durch einen bestimmten Auslöser aktiviert werden, laufen sie sozusagen ohne weitere Prüfung automatisch ab. Das gewohnheitsmäßige Handeln ist fast immer auch an eine Belohnung gekoppelt: Wir schalten den Fernseher ein und verbinden damit Entspannung, wir essen Schokolade und belohnen uns für einen anstrengenden Arbeitstag. Das macht eine Änderung ungeliebter Gewohnheiten
zwar schwierig, aber nicht unmöglich.

Schlechte Gewohnheiten in kleinen Schritten dauerhaft ändern

Zunächst gilt es, durch aufmerksame Selbstbeobachtung schlechte Gewohnheiten genau zu benennen und die Auslöser des gewohnheitsmäßigen Handelns zu entlarven. Etwa: Immer wenn ich fernsehe, esse ich Schokolade. Immer wenn ich nervös bin, zünde ich mir eine Zigarette an. Immer wenn ich allein bin, spiele ich am Computer. Im nächsten Schritt versuchen Sie, die Auslöser immer wieder bewusst zu registrieren, etwa indem Sie sie auf einem Zettel notieren und eine Strichliste führen. Versuchen Sie herauszufinden, welche Belohnung für Sie mit dem automatisierten Handeln verknüpft ist: Die Schokolade verspricht ein Gefühl der Geborgenheit, das Computerspiel tröstet sie über das Alleinsein hinweg. Manchmal ist es einfacher, eine ungeliebte Gewohnheit durch eine neue zu ersetzen, die gleichfalls zu der gewünschten Belohnung führt: Statt routinemäßig beim Fernsehen zur Schokolade zu greifen, kochen Sie sich einen wärmenden Tee in Ihrer Lieblingstasse. Auch auf diese Weise kann Geborgenheit erzeugt werden.

Etablieren Sie die neue Gewohnheit, indem Sie sich bei einem bestimmten Auslöser ganz bewusst für die neue Verhaltensweise entscheiden:

  • Sie wollen fernsehen und kochen sich zunächst einen Tee.
  • Sie kommen von der Arbeit und schlüpfen in die bereitgestellten Laufschuhe, anstatt aufs Sofa zu sacken.
  • Sie wollen endlich gesünder essen und nehmen täglich einen Apfel mit zur Arbeit, den Sie dann ganz bewusst verzehren, bis er zu einem wahren Genuss wird und Sie ohne Apfel morgens das Haus gar nicht mehr verlassen wollen.
  • Legen Sie sich Strategien für schwierige Situationen zurecht: Sie möchten weniger fernsehen, schaffen es aber nicht, die Finger von der Fernbedienung zu lassen, und zappen fleißig durch alle Programme? Suchen Sie sich aus dem Programm ganz bewusst eine Sendung heraus und schalten Sie den Fernseher danach sofort ab. Wenn das nicht hilft, ändern Sie die Rahmenbedingungen, indem Sie den Apparat für einige Zeit in den Keller verbannen.

Erfahrungsgemäß dauert es einige Zeit, bis Sie die neue Gewohnheit angenommen haben, also halten Sie durch!

Gewohnheit und Sucht liegen manchmal dicht beieinander

Wenn Sie rauchen oder an Spiel- oder Esssucht leiden und Sie sich von diesen Suchtgewohnheiten befreien wollen, sollten Sie auf jeden Fall eine fachkundige Beratungsstelle aufsuchen. Meist geht es in diesen Fällen nicht ohne fachliche Unterstützung. Im Rahmen ihres Präventionsprogramms unterstützt die pronova BKK viele einschlägige Kursangebote finanziell.

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