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Seelische Gesundheit

Frei sein

Eine Brücke bauen zurück zur Lebensfreude

Eine Brücke baut man normalerweise zwischen zwei Menschen. Hier scheint es mehr darum zu gehen, eine
Brücke zu sich selbst zu bauen. Geht das überhaupt? Was wird da überbrückt?
Wenn Sie sich bislang schuldig fühlten, gibt es gleichzeitig einen Teil Ihres Ichs, der einen anderen Teil Ihres
Ichs in die Schuldverbannung geschickt hat. Reichen Sie sich selbst die Hand. Psychologen schätzen das
Selbstgespräch als Möglichkeit einer inneren Auseinandersetzung. Das bedeutet nicht, dass Sie laut mit
sich selbst redend durch die Straßen gehen müssen – Selbstgespräche können und sollten als innerer Dialog
ablaufen. Ein innerer Dialog kann mit einer Aufforderung an Sie selbst beginnen: „Komm zurück ins Leben.
Finde einen Abschluss. Überlege mal, was du tun könntest, um mit dir wieder ins Reine zu kommen. Um was
geht hier es eigentlich?“ Suchen Sie nach einer Antwort, die Sie selbst überzeugt. Wenn Sie diese Antwort
gefunden haben, wird ein Gefühl der Erleichterung Sie durchströmen. Der Weg zurück ins Leben wurde
wieder frei.

Schuld als Grundkonstante menschlichen Daseins?


Würde man einen christlichen Theologen fragen, würde der sagen:
„Aber ja doch, der Mensch ist von Natur aus schuldig. Doch Gott verzeiht alles.“ Eine gute Nachricht für Gläubige – doch was machen die vielen anderen Menschen, die nicht gläubig sind und alles mit sich selbst abmachen müssen? Würde man einen Philosophen oder einen guten Psychologen nach dem Schuldigsein fragen,
könnte eine Antwort wie diese kommen: „Jeder Mensch schuldet sich selbst etwas – nämlich die in ihm als Möglichkeit angelegten Fähigkeiten zu entdecken und zu verwirklichen.“ Wir sehen: Der theologische Schuldfreispruch kann zwar Trost spenden. Der philosophische Schuldbegriff jedoch ruft den Menschen auf zur Auseinandersetzung
mit sich selbst und zur aktiven Lebensgestaltung. Schuld ist also zunächst einmal nichts rein Negatives. Schuld kann
auch eine große Chance sein, ins Leben zurückzufinden.

Wurzeln in der individuellen Vergangenheit


Sucht ein Mensch ständig bei sich die Schuld oder ist er ständig im Unfrieden mit sich, werden die Ursachen hierfür oft in der Kindheit zu finden sein. Vielleicht gab es Eltern oder Lehrer, die tatsächlich Dinge sagten wie „Ständig machst du alles falsch!“ oder „Du machst uns nichts als Kummer!“. Manchmal kann so etwas lange Zeit nachwirken. Aber eigentlich ist irgendwann der Zeitpunkt gekommen zu sagen: „Ihr habt mir schon meine Kindheit mit solchen
Sprüchen schwer gemacht. Jetzt ist Schluss damit. Ich lebe so, dass ich mit mir selbst im Reinen bin.“ Das wäre genau das, worauf es ankommt: Selbstbewusst einen Schlussstrich ziehen. Man soll daraus übrigens nicht Vorwürfe an die Adresse der Eltern oder Lehrer ableiten. Im Gegenteil. Man kann die Vergangenheit auch ruhen
lassen, sich mit ihr aussöhnen und sich an die eigentliche Aufgabe machen und das eigene Leben leben. Was für eine Erleichterung, nicht jetzt anderen die Schuld geben zu müssen und so in eine neue Abhängigkeit zu geraten! Perfekt wird es, wenn man es außerdem schafft, die bewusste Entscheidung zu treffen, niemals gegen andere
die Moralkeule zu schwingen.

Persönliche Schuld


Nun kommt es leider vor, dass wir tatsächlich andere Menschen schädigen und Schuld auf uns laden – durch Fehler, Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit beispielsweise. Sie können Geschädigte um Verzeihung bitten und hoffen, dass man sie Ihnen gewährt. In schwerwiegenden Fällen wird sich außerdem ein Gericht mit der Sache beschäftigen und eine Schuld oder Nichtschuld feststellen. Aber darauf kommt es gar nicht so sehr an. Denn es gibt viele Fälle,
in denen Verzeihung gewährt wurde oder überhaupt ein objektives Verschulden gar nicht festgestellt wurde – und dennoch das tiefe Gefühl des Schuldigseins einen niemals mehr loszulassen scheint.
Man sagt zwar, dass die Zeit alle Wunden heile, doch geschieht das nicht von selbst. Ziehen Sie bewusst den Schlussstrich – Geschehenes wird niemals ungeschehen. Auch dann nicht, wenn Sie noch so sehr leiden. Es hat auch niemand etwas davon, wenn Sie Ihr Leben nur noch im Bewusstsein einer Schuld führen.

Selbst auferlegte Buße kann heilen


Einen Schlussstrich unter Vergangenes zu ziehen ist nicht immer einfach, zumal dann nicht, wenn man sich sozusagen in eigener Sache selbst begnadigen soll. Deshalb kann es helfen, wenn man sich zur Befreiung von seiner Schuld selbst einen Akt der Buße auferlegt – gerade auch dann, wenn kein Gericht eine Strafe ausgesprochen
hat. Es geht ja nicht um Juristisches, es geht um die Person. Welcher Art könnte die Buße sein? Sie sollte auf jeden
Fall so beschaffen sein, dass sie erstens mit Ihrer Schuld zu tun hat (also nicht abstrakt ist), dass sie Ihnen zweitens ein echtes Opfer abverlangt (denn sonst könnte sie nicht den dauerhaften Schlussstrich ziehen) und drittens Sie als den Bußetuenden nicht am Leben hindert. Denn darum geht es ja gerade:

Zurück ins Leben!

Vielleicht kann es ein Akt der Buße sein, Menschen, die durch andere zu Opfern wurden, selbstlos zu helfen. Diese Art von Buße hätte etwas sehr Kraftvolles, aus dem sich auch für Sie als den solcherart Buße Leistenden etwas sehr Positives entwickeln kann.

Probieren Sie es!