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Seelische Gesundheit

Kann man Hypochondrie heilen?

Die Frage, ob man Hypochondrie heilen könne, mutet widersinnig an. Immerhin leiden, so die allgemeine Meinung, Hypochonder nur unter eingebildeten Krankheiten – Krankheiten also, die außerhalb ihrer Einbildung gar nicht existieren. Genau in diesem Zwang, sich Krankheiten einbilden zu müssen, liegt aber die eigentliche Erkrankung. Hypochondrie zählt als somatoforme Störung zu den psychischen Störungen. Man muss diese Störung vor allem deshalb ernst nehmen, weil die Betroffenen tatsächlich leiden. Und weil Hypochondrie im Gesundheitssystem Milliardenkosten verursacht.

Wie kann eine nicht existente Krankheit Kosten verursachen?

Wer Stiche in der Herzgegend verspürt, sucht meistens die Hausarztpraxis auf. Das ist auch gut so, denn es könnte etwas Ernstes dahinterstecken. In den allermeisten Fällen können Ärztin oder Arzt zum Glück Entwarnung geben. Beim Hypochonder hingegen wird das nicht so schnell möglich sein, denn an Hypochondrie Erkrankte behaupten das Vorhandensein einer Krankheit nicht nur, sondern entwickeln oft auch die passenden Symptome – freilich ohne dass eine organische Ursache vorhanden wäre. Erst nachdem der vermeintlich schwer Erkrankte die ganze diagnostische Bandbreite durchlaufen hat, sagen Ärztin oder Arzt: „Sie haben nichts. Ich kann bei Ihnen wirklich nichts finden!“ Während diese Botschaft bei gesunden Menschen Freude auslöst, sind Hypochonder alles andere als glücklich. Sie trauen dem Befund nicht, verschwinden aus der Praxis, um anderntags auf eigene Faust einen Herzspezialisten aufzusuchen. Nun ist es keineswegs so, dass Hypochonder ein mutwilliges Spiel treiben: Sie sind ernsthaft überzeugt, schwer krank zu sein, und leiden unter dieser Überzeugung nicht weniger als jemand, der diese Krankheit tatsächlich hat.

Dennoch muss Hypochondrie behandelt werden – und zwar als Hypochondrie. Doch bis dahin sind zahlreiche Widerstände zu überwinden, deren am häufigsten vorkommender der Vorwurf ist: „Du nimmst mich nicht ernst! Dabei bin ich doch krank!“ Wer an Hypochondrie Erkrankte dazu bringen will, sich in psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung zu begeben, braucht vor allem Geduld und Fingerspitzengefühl. Vorwürfe wie „Nun stell dich nicht so an!“ sind übrigens völlig unberechtigt und gehen am Kern des Problems vorbei. Andererseits ist eine hypochondrische Störung nicht leicht zu behandeln, da die Therapie die Aufmerksamkeit zusätzlich auf die eingebildete Krankheit lenkt. Hinzu kommen neuere Überlegungen, denen zufolge Hypochondrie möglicherweise auf einen gestörten Hirnstoffwechsel zurückzuführen ist. Aus Perspektive eines Nicht-Hypochonders kommt man der Hypochondrie am besten mit ein wenig gesundem Menschenverstand bei: Die diagnostischen Möglichkeiten sind heute so weit entwickelt, dass spätestens der zweite aufgesuchte Arzt eine vermutete schwere Erkrankung aufdecken würde. Und wenn er nichts feststellt, liegt eben auch keine Erkrankung vor.

Der Hypochonder von heute ist ein Cyberchonder

Früher erkannte man Hypochonder daran, dass sie keine TV-Ratgebersendung zu Gesundheitsthemen ausließen und einschlägige Ratgeberbücher wie Gesundheitslexika horteten. Gegen Gesundheitslektüre ist, solange sie sich in vernünftigen Bahnen bewegt, prinzipiell nichts einzuwenden. Immerhin ist ein gutes Gesundheitswissen die Basis gesundheitsbewussten Verhaltens.

Doch während ein nicht an Hypochondrie leidender Mensch sich auf Mediziner-Tipps für eine gesunde Lebensweise konzentriert, achtet der Hypochonder nur auf eins: die Symptome. Jedes Bauchgrimmen wird als Anzeichen einer fortgeschrittenen Darmkrebserkrankung bewertet, jedes Kribbeln in Armen oder Beinen ist unweigerlich Vorbote eines unmittelbar bevorstehenden Schlaganfalls. Doch ein Symptom allein sagt meist noch gar nichts bzw. ist viel zu unspezifisch, um auf eine konkrete Krankheit zu schließen.

Seit das Internet eine Unmenge zusätzlichen und oft widersprüchlichen Gesundheitswissens anbietet, haben sich die Recherchemöglichkeiten für Symptome vervielfacht. Fachleute sprechen hier vom Cyberchonder. Doch ob konventioneller Hypochonder oder moderner Cyberchonder: Gemeinsames Kennzeichen ist ein meist geringes medizinisches Wissen – ein Problem, das sich durch das Vorhandensein unzähliger Informationen sogar noch verschärft. Denn die Informationen etwa über Symptome sagen gar nichts, solange das Wissen zur Bewertung dieser Informationen fehlt. Dieses Wissen aber findet sich in letzter Konsequenz nur in den Arztpraxen und bei seriösen medizinischen Beratungsstellen.

Sie haben den Verdacht, selbst unter Hypochondrie zu leiden, und möchten sich mit unseren Experten austauschen?

Dann bieten wir Ihnen gleich zwei Möglichkeiten:

  • Das Gesundheitstelefon der pronova BKK für Heilberufe: Ärztinnen und Ärzte und anderes medizinisches Fachpersonal stehen Ihnen an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr zur Verfügung: 0621 53391-4911. Dieser Service ist für Sie als Kundin oder Kunde der pronova BKK kostenlos - Sie zahlen lediglich die anfallenden Telefonkosten. Übrigens kann auch Ihre Ärztin/Ihr Arzt diesen Service in Ihrem Namen in Anspruch nehmen.
  • Lebenshilfe online auf http://pronovabkk.portal-gesundheitonline.de. Indiviudelle Problemberatung per Mail oder telefonisch.

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