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Seelische Gesundheit

Leben im GLEICHGEWICHT

Zwei Facetten eines faszinierenden Phänomens

Gleichgewicht – das hört sich einfach an. Man lässt die Dinge in Ruhe, und alles ist im Gleichgewicht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Viele Dinge haben die Neigung, von sich aus eher im Ungleichgewicht zu sein. Gleichgewicht scheint etwas zu sein, was man erst erzeugen muss. Das betrifft vor allem den Ausgleich beruflicher und privater bzw. familiärer Interessen. Doch das Thema Gleichgewicht hat eine weitere, mehr physiologische Bedeutung: Dafür, dass wir im täglichen Leben nicht die Orientierung verlieren, sorgt der Gleichgewichtssinn. Auch das körperliche Gleichgewicht will trainiert sein – besonders mit Blick auf die Vermeidung von Stürzen. Und das ist ein Thema, das keinesfalls nur für betagte Menschen wichtig ist. Wir geben Ihnen Anregungen, wie Sie sich dem Gleichgewichtsideal annähern können.

Zum Einstieg: das Gleichgewichtsprinzip in der Natur

Gleichgewicht kann man als Prinzip verstehen, wie es etwa im ökologischen Gleichgewicht sichtbar wird: Ist das ökologische Gleichgewicht gestört, kann dies in Gestalt umkippender Gewässer, verödender Landschaften oder des Aussterbens von Arten gravierende Folgen für Natur und Mensch haben. Das Gleichgewicht ist also ein höchst kostbares Gut. Aus dem Evolutionsgedanken heraus kann man sich natürlich fragen, ob dieses Gleichgewicht der Natur nicht eine reine Fiktion ist – Leben ist schließlich Bewegung, ist Veränderung, ist Werden und Vergehen. Gleichgewicht im normalen Sprachgebrauch hingegen ist das Austarieren und vorübergehende Fixieren eines als optimal angenommenen Zustandes. Gleichgewicht ist also nichts Statisches und Dauerhaftes, sondern eher die Beschreibung eines Vorgangs, für den man auch das Wort „balancieren“ kennt: Man stellt Gleichgewicht nicht für alle Zeiten her und konserviert es auch nicht, sondern hält es gleichsam in der Schwebe, sorgt beständig für Ausgleich, wenn es nach der einen oder anderen Seite zu kippen droht. Besonders greifbar wird dieser Sachverhalt, wenn man an die vielbeschworene Work-Life-Balance denkt. Der Begriff Work-Life-Balance umschreibt einen Zustand, in dem Ihr Berufsalltag und Ihr Privatleben in Einklang stehen. Präziser formuliert: Es ist ein Zustand, in dem Ihnen neben der Arbeit noch genügend Zeit bleibt für die individuelle Entfaltung Ihrer Persönlichkeit. In einer Zeit, in der viele Menschen einen Großteil ihrer Lebenszeit für Arbeit und deren Organisation aufwenden (auch Anfahrwege, kleine Nebenjobs, Qualifizierungsmaßnahmen, Steuererklärungen sowie die reine Erholung von der Arbeit gehören zur Arbeit), ist die Forderung nach einem Gleichgewicht von Arbeit und Privatleben durchaus berechtigt. Denn Privatleben meint mehr als nur eine nicht näher definierte Zeitspanne zwischen Feierabend und erneutem Arbeitsbeginn, es umfasst vor allem die aktive Teilnahme am kulturellen und sozialen Leben, Fragen der Familienplanung, die Gestaltung des Familienlebens, den Aufbau einer Perspektive für die Zeit nach der Verrentung sowie die Aufrechterhaltung der eigenen Fitness und Gesundheit – Dinge also, die in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Erwerbsarbeit stehen. Diese Work-Life-Balance ist nicht einfach vorhanden, sie muss individuell erkämpft werden – erkämpft gegen Ansprüche des Jobs, aber auch und vor allem gegen hohe Ansprüche sich selbst gegenüber.

Work-Life-Balance

Der Begriff Work-Life-Balance umschreibt einen Zustand, in dem Ihr Berufsalltag und Ihr Privatleben in Einklang stehen. Präziser formuliert: Es ist ein Zustand, in dem Ihnen neben der Arbeit noch genügend Zeit bleibt für die individuelle Entfaltung Ihrer Persönlichkeit. In einer Zeit, in der viele Menschen einen Großteil ihrer Lebenszeit für Arbeit und deren Organisation aufwenden (auch Anfahrwege, kleine Nebenjobs, Qualifizierungsmaßnahmen, Steuererklärungen sowie die reine Erholung von der Arbeit gehören zur Arbeit), ist die Forderung nach einem Gleichgewicht von Arbeit und Privatleben durchaus berechtigt. Denn Privatleben meint mehr als nur eine nicht näher definierte Zeitspanne zwischen Feierabend und erneutem Arbeitsbeginn, es umfasst vor allem die aktive Teilnahme am kulturellen und sozialen Leben, Fragen der Familienplanung, die Gestaltung des Familienlebens, den Aufbau einer Perspektive für die Zeit nach der Verrentung sowie die Aufrechterhaltung der eigenen Fitness und Gesundheit – Dinge also, die in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Erwerbsarbeit stehen. Diese Work-Life-Balance ist nicht einfach vorhanden, sie muss individuell erkämpft werden – erkämpft gegen Ansprüche des Jobs, aber auch und vor allem gegen hohe Ansprüche sich selbst gegenüber.

Was zählt wirklich?

Keine Frage: Niemand wäre heute gut beraten, seinen Job nicht ernst zu nehmen. Doch Arbeit ist nicht alles. Und ehe der Job Sie mit Haut und Haaren auffrisst, sollten Sie über Prioritäten nachdenken. Dabei bleiben Widersprüche allerdings nicht aus: Sie können zwar sagen, dass das Familienleben fortan Priorität haben soll. Doch die Sprachreise Ihrer Tochter nach Florida, der gemeinsame Familienurlaub und anstehende Renovierungsarbeiten am Eigenheim verlangen eher eine Berücksichtigung der Priorität „Einkommen“ – vielleicht werden Sie künftig sogar noch mehr Geld verdienen müssen. Oder Sie müssen sich bewusst gegen materielle Werte entscheiden und diese Entscheidung im Familienkreis auch durchsetzen. Das ist nicht immer einfach. Aber vielleicht haben Sie gar keine andere Wahl, als sich gegen die Priorität „Job“ zu entscheiden – etwa, weil Sie stressbedingt erkranken. Da wäre es doch vernünftig, vorher etwas kürzer zu treten.

Simple Living – wirklich alles so einfach?

Unter dem Aspekt des Gleichgewichtsgedankens bedeutet Simple Living: Man arbeitet so viel, dass es für die elementaren Bedürfnisse ausreicht. Was die elementaren Bedürfnisse sind, kann jeder für sich selbst entscheiden. Weil Sie das für sich selbst entscheiden, bleibt auch der Unzufriedenheitsfaktor ausgeschaltet – Sie haben wenig, aber Sie selbst setzen die Prioritäten und können in der Work-Life-Balance eine zufriedenstellende Bilanz ziehen. So weit die Theorie. Doch in der Wirklichkeit ist auch das alles andere als einfach. Der Entschluss, mit wenig auszukommen, stößt spätestens dann an seine Grenzen, wenn Kinder zu ernähren sind. Dann reicht der kleine Job, der Ihnen genügend Zeitressourcen lässt, nicht aus. Sie benötigen vielleicht einen Nebenjob. Und schon ist es nichts mehr mit der Work-Life-Balance: Sie arbeiten viel und verdienen wenig, haben wenig Freizeit und keine ökonomischen Mittel, um nennenswert am kulturellen Leben teilzuhaben. Eine echte Zwickmühle, in die man da geraten kann. An der Grundtatsache, dass man seinen Lebensunterhalt verdienen muss, ändert das Gerede von Work-Life-Balance also nichts. Unser Leben bleibt zweigeteilt, wobei der Job notgedrungen oft ein größeres Gewicht in die Waagschale wirft als das Privatleben. Wie aber sieht es mit dem Privatleben aus? Das Privatleben selbst ist ungeheuer vielfältig in seinen Ansprüchen – und auch dort ist längst nicht alles von sich aus im Gleichgewicht.

Was hat wie viel Gewicht in Ihrem Privatleben?

Die Zeit, die uns neben der Arbeit bleibt, wird gemeinhin als freie Zeit, als Freizeit verstanden. Doch freie Zeit – Zeit, die man sich nach Gusto einteilen kann – ist noch nicht einmal im Single-Haushalt beliebig verfügbar, geschweige denn im familiären Rahmen. Neben den Kernaufgaben Kindererziehung und Haushaltsführung wollen freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen sowie Hobbys gepflegt werden. Auch die Zeit, die man für sich allein oder gemeinsam mit Partnerin oder Partner verbringt, darf nicht zu kurz kommen. Gleiches gilt für die Spielzeit mit den eigenen Kindern. Schon dieser kurze Überblick zeigt: Auch im Privatleben stellt sich das Problem des Aus- und Abwägens, des Vermittelns zwischen den verschiedenen Ansprüchen. Zum echten Problem wird es allerdings erst, wenn es mit dem Herstellen des Gleichgewichts nicht klappt, wenn entweder Partnerschaft oder Kinder, Hobby oder Haushalt dauerhaft zu kurz kommen und sich eine Krise entwickelt. Im Normalfall scheinen wir aber durchaus in der Lage zu sein, diese Dinge ohne großen Diskussionsbedarf so zu organisieren, dass nichts und niemand zu kurz kommt. Es scheint fast so, als gäbe es eine Art inneren Gleichgewichtssinn, der uns Orientierung im Leben gibt – analog zum physiologischen Gleichgewichtssinn, der uns Orientierung im Raum ermöglicht.

Homöostase – das Prinzip der Selbstregulation

Ursprünglich meint der Begriff Homöostase die Fähigkeit des Organismus, die lebensnotwendigen Prozesse so zu regeln und an aktuelle Situationen anzupassen, dass das System funktioniert – Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung beispielsweise werden im Ruhezustand anders reguliert als bei körperlicher Anstrengung. In der Psychologie bezeichnet der Begriff der Homöostase oder Selbstregulation ein Verhalten, das das seelische Gleichgewicht wiederherstellt. Wenn uns etwas verletzt hat, suchen wir beispielsweise die Nähe zu einem anderen Menschen, der uns tröstend in den Arm nimmt. Wenn ein permanenter Stresszustand uns an den Rand des Zusammenbruchs bringt, suchen wir den Ausgleich durch Urlaub oder wenigstens kleine Fluchten aus dem Alltag. Dieses Selbstregulationsprinzip hilft uns, die Ansprüche auch im Privatleben auszugleichen. Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, diesen inneren Sinn für Gleichgewicht zu pflegen – sprich: die Seele durch kleine Auszeiten zur Ruhe kommen zu lassen.

Gleichgewichtsübungen

Der physiologische Gleichgewichtssinn

Denken Sie an sinnliche Wahrnehmung, fallen Ihnen wahrscheinlich an erster Stelle Riechen, Sehen, Hören, Tasten und Schmecken ein. Dass es auch einen Gleichgewichtssinn gibt, ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Dass sie ihn haben, bemerken sie eigentlich erst dann, wenn er ausfällt. Der Gleichgewichtssinn (auch vestibuläre Wahrnehmung genannt) dient der Feststellung der Körperlage und der Orientierung im Raum. Er ist also so eine Art Wasserwaage. Sein Zentrum hat der Gleichgewichtssinn im sogenannten Gleichgewichtsorgan in Innenohr und Kleinhirn. Darüber hinaus hat er eine enge Verbindung mit den Augen und anderen Sinnesorganen. Der Hörsinn beispielsweise hilft bei Geschwindigkeitsschätzungen, der Hautsinn registriert Eigen- und Luftbewegungen. Zum Gleichgewichtssinn gehören das Empfinden für oben und unten, für Neigungen, für Beschleunigungen sowie für Rhythmus. Das, was wir mit Gleichgewichtssinn bezeichnen, ist also die Bezeichnung für ein höchst komplexes Geschehen. Gleichgewichtsstörungen gehen mit Schwindelgefühl bis hin zum völligen Orientierungsverlust einher. Insofern kommt dem Gleichgewichtssinn unter den menschlichen Sinneswahrnehmungen eine zentrale Rolle zu. Gleichgewichtsstörungen können vielfältige Ursachen haben, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen. Dass es sinnvoll ist, den Gleichgewichtssinn zu trainieren, merkt man nicht erst im Alter. Eis- und Schneeglätte oder Versuche, mit einem Einrad zu fahren oder auf einem Seil zu balancieren, zeigen auch jüngeren Menschen, wie gut oder schlecht ausgeprägt ihr Gleichgewichtssinn ist.

Auf der Linie gehen

Markieren Sie mit Klebeband oder Kreide auf ebener Fläche eine ca. fünfzehn Meter gerade Linie. Gehen Sie auf dieser Linie entlang. Kein Problem, solange Sie die Linie im Blick behalten. Wiederholen Sie das Experiment, heben Sie den Blick und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Umgebung. Nun wird es schwieriger. Mit Konzentration wird es Ihnen jedoch gelingen. Wiederholen Sie das Experiment erneut, dieses Mal jedoch mit geschlossenen Augen. Üben Sie so lange, bis Sie den Zielpunkt blind erreichen.

Auf einem Bein stehen

Auch eine scheinbar ganz einfache Übung. Schließen Sie nun die Augen und behalten Sie die Einbeinposition zwei, vier und zehn Minuten bei. Was fällt Ihnen auf? Wiederholen Sie das Experiment auf dem anderen Bein und mit geschlossenen Augen.

Mit geschlossenen Augen mehrfach um die eigene Achse drehen

Verbinden Sie Ihre Augen so, dass kein Lichtschein durchdringt. Merken Sie sich Ihre Position im Raum. Drehen Sie sich mehrfach im Kreis, ändern Sie mehrmals die Drehrichtung – und nehmen Sie sich vor, in der Position stehen zu bleiben, in der Sie gestartet sind.

Einen Ball auf einem Fuß/auf dem Oberschenkel/auf dem Kopf ausbalancieren

Balancieren Sie einen Ball in der Stehposition zunächst auf dem ausgestreckten Fuß, dann auf dem angewinkelten Oberschenkel und schließlich auf dem Kopf. Wiederholen Sie das Experiment mit Bällen unterschiedlicher Größe und Schwere sowie mit geschlossenen Augen.

Einradfahren

Einradfahren erfordert ein gutes Körpergefühl. Um ein Gefühl für das Einrad zu bekommen, bitten Sie für die ersten Versuche jemanden, Sie zu stützen. Achten Sie auf eine gerade, unverkrampfte Körperhaltung. Vorsicht: Einräder haben keine Bremse!

Slacklining

Ein dem Seiltanz und der Schlappseilartistik verwandter Trendsport, der außer einem geeigneten Schlauchband (in verschiedenen Längen und Breiten erhältlich) lediglich zwei Fixpunkte zur Befestigung wie feststehende Pfosten bzw. Pfähle, Geländer, Felsen, Bohrhaken oder zwei mit Rindenschutzpolster ausgestattete Bäume benötigt. Das bis zu 30 Meter lange Schlauchband wird meist etwas über Kniehöhe über dem Boden straff gespannt. Ob Sie auf diesem Seil einfach nur von einem Ende zum anderen gehen und versuchen, oben zu bleiben, oder dabei artistische Übungen ausführen, bleibt Ihrem Gleichgewichtssinn und Ihrem Körpergefühl überlassen.