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Erst der Rotwein, dann der Juckreiz: Leben mit einer Histaminintoleranz

Salami, Tomate oder Parmesan: Viele Lebensmittel enthalten Histamin. Normalerweise ist der Stoff ungefährlich – zumal der menschliche Körper ihn sogar selbst herstellt. Doch einige Menschen leiden an einer Unverträglichkeit, der so genannten Histaminintoleranz.

Der Abend mit den Freundinnen war lustig und lang. Erst gab es Pizza mit Tomaten, Salami und Parmesan, dazu ein Glas Rotwein und, während der Liebesfilm lief, einen Kaffee und Schokolade. Der Morgen danach war weniger erheiternd: Kopfschmerzen, Übelkeit und Juckreiz im Gesicht. Ein Kater nach einem Glas Wein? Das ist eher unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist bei solchen unspezifischen Beschwerden eine Histaminintoleranz. Das ist eine Unverträglichkeit von der besonders Frauen, meistens ab 40 Jahren aufwärts, betroffen sind. Warum ausgerechnet diese Personengruppe auf den Stoff Histamin in den Lebensmitteln empfindlich reagiert, ist noch nicht geklärt. Es mag daran liegen, das in der Prämenopause Prozesse ablaufen, die histaminintoleranter machen. Möglicherweise hängt es auch mit einer Durchlässigkeit der Darmschleimhaut zusammen – bislang gibt es nur Thesen, keine Beweise. Auch die Diagnose gestaltet sich oft schwierig. Die Symptome sind meistens diffus und können fast alle Organsysteme betreffen: Möglich sind Hautrötungen bis hin zu Quaddeln, Juckreiz, Kopfschmerzen oder Migräne, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Diarrhö. Hinzu kommt, dass jeder eine andere Toleranzschwelle hat. Während die einen bereits nach einer Scheibe Salami Probleme bekommen, können die anderen gefahrlos ein ganzes Salami-Brot verdrücken.

Ursache ist ein Mangel an Histamin-abbauenden Enzymen

Histamine gehören keineswegs zu den bösen Zusatzstoffen aus dem Chemielabor, sondern kommen natürlich in unterschiedlicher Konzentration in vielen Lebensmitteln vor. Sie entstehen beim Ab- und Umbau von Eiweiß. Reifungs- und Gärungsprozesse steigern den Gehalt zusätzlich. Deshalb enthalten lang gereifte Hartkäse wie Parmesan oder Bergkäse, alkoholische Getränke oder vergorene Lebensmittel wie Sauerkraut besonders viel Histamin. Außerdem stellt der menschliche Körper eigene Histamine her, die verschiedene Aufgaben übernehmen. Sie wirken zum Beispiel als Botenstoff oder sorgen bei Entzündungen dafür, dass das Gewebe anschwillt. Wenn die Aufgabe erfüllt ist, wird das Histamin wieder abgebaut. Normalerweise wird der Körper sogar mit großen Mengen fertig – nur eben nicht, wenn wie bei der Histaminintoleranz ein Mangel an Histamin-abbauenden Enzymen besteht.

Histaminarme Ernährung verschafft Linderung

Heilbar ist diese Intoleranz nicht. Aber Betroffene können lernen, damit umzugehen. Der erste Schritt ist in vielen Fällen ein Symptomtagebuch, in dem notiert wird, nach welchen Lebensmitteln die Beschwerden auftauchen. Neben den Lebensmitteln mit hohem Histamingehalt sind das häufig diejenigen, die Substanzen mit Histamin freisetzenden Effekten enthalten. Zum Beispiel Tomaten, Erdbeeren, Kiwi, Zitrusfrüchte, Ananas, Bananen, Meeresfrüchte oder Walnüsse. Oft reicht es schon, die „gefährlichen" Lebensmittel wegzulassen. Nur in schweren Fällen oder wenn eine histaminarme Ernährung nicht möglich ist, verschreibt der Arzt spezielle Medikamente, wie Antihistaminika. Wer zusätzlich etwas tun möchte, kann versuchen, ob eine erhöhte Aufnahme von Vitamin C hilft. Denn Vitamin C beschleunigt den Abbau von Histamin. Auch eine regelmäßige Zufuhr des Vitamins B6 (z. B. Hülsenfrüchte, Getreide und Algen) kann die Beschwerden einer Histaminintoleranz lindern.