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Wis­sens­wer­tes

Sportsucht: einfach nur sportlich oder schon süchtig?

Dauersportler genießen im Allgemeinen ein hohes Ansehen, gelten sie doch als diszipliniert und konsequent, wenn es darum geht, etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Wer schlank und muskulös ist, darf sich der bewundernden Blicke seiner Zeitgenossen sicher sein. Tatsächlich bewegen sich die meisten Menschen nämlich eher zu wenig als zu viel. Es gibt aber auch diejenigen, die täglich ein immenses Sportprogramm ohne Rücksicht auf Verluste durchziehen: Sie sagen Verabredungen mit Freunden ab, wenn das Laufpensum noch nicht absolviert wurde, haben die Leistungssteigerung fest im Blick und ignorieren extrem schlechte Wetterbedingungen oder Muskelschmerzen gleichermaßen. Sport wird geradezu zwanghaft betrieben, Merkmale eines Suchtverhaltens sind durchaus erkennbar. Es gibt keine klar definierte Grenze zwischen einer gesunden Sportlichkeit und einer krankhaften Sportsucht. Die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang lautet jedoch: Bestimme ich über mein Training oder bestimmt mein Training über mich?

Sport als Lebenselixier

Mehrere Sporteinheiten pro Woche, eine gute Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining, dazu viel Bewegung im Alltag: Das alles hat noch nichts mit einer Fitnesssucht zu tun. Schließlich ist ein ausreichendes Maß an Bewegung in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Beitrag zu unserer Gesundheit: Sport schützt vor Übergewicht, bringt unser Gehirn auf Trab und senkt das Risiko für Herz-/Kreislauferkrankungen deutlich. Viele Freizeitsportler laufen sich nebenbei den Stress von der Seele, haben Spaß an der Bewegung und fühlen sich einfach nur glücklich, wenn die Laufstrecke mal wieder geschafft ist. Außerdem schätzen sie die soziale Komponente am Sport, sie trainieren mit Freunden oder bevorzugen Mannschaftssportarten. Eine gelegentliche Teilnahme an einem Wettkampf ist für sie eine Herausforderung, für die sie eine Extraportion Anstrengung gerne in Kauf nehmen. Dabei sein ist alles, es muss nicht der erste Platz sein.

Auf dem Weg in die Sucht

Schleichend kann aus der Lust an der Bewegung allerdings auch der Zwang zum Sport werden. Alles andere wird nun dem exzessiven Training untergeordnet. Ein schlechtes Gewissen ist die obligatorische Folge einer ausgefallenen Trainingseinheit. Damit verschwindet auch die Freude an der Bewegung. Stattdessen machen sich Unwohlsein oder Ärger breit, wenn die Leistungen mal unter dem sonstigen Niveau liegen, denn nur die Steigerung zählt. Das gesamte Leben wird dem Sport untergeordnet: Ein erstes Training morgens vor der Arbeit ist Pflicht, in der Mittagspause schnell ein kleines Krafttraining und abends dann noch ein paar Kilometer schwimmen. Da bleibt kaum noch Zeit für Familie oder Freunde, es sei denn, auch bei ihnen dreht sich alles um Trainingspläne, Ernährungspläne oder die neusten Sportapps. Sicherheitshalber meldet man sich in mehreren Fitness-Studio an, so kann man jederzeit trainieren. Lange Fahrten zur Arbeit mit dem Rad werden schon gar nicht mehr als Sport registriert.

Selbstoptimierung als Lebensziel

Steigerung um jeden Preis wird schließlich zur Lebensmaxime. Ein Wettkampf jagt den anderen und wehe, wenn die eigene Bestzeit nicht immer wieder übertroffen wird. Mit Vorwürfen bis hin zur Selbstzerfleischung machen sich Sportbesessene das Leben selbst zur Hölle. Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schlafstörungen, Aggression oder Erschöpfungszustände können die Folge sein. Die Selbstoptimierung des Körpers reibt die Betroffenen geradezu auf. Besonders Jugendliche und junge Erwachsenen orientieren sich an gängigen Schönheitsidealen. Und dazu zählt in jedem Fall ein schlanker und muskulöser Körper. Jedes Gramm Körpermasse scheint da schon zu viel zu sein, so gesellt sich zu einer extremen Dauerdiät schnell eine Sportsucht hinzu. Aber auch gestandene Erwachsene im mittleren Alter sind vor einer Sportbesessenheit nicht gefeit. Manch einer möchte einfach zu den ewig Jungen und Fitten gehören, ein anderer versucht, sich nach einer Trennung oder einem Jobverlust selbst zu beweisen. Kaum einer würde jedoch sein Verhalten als krankhaft einstufen. Der Verlust der Selbstkontrolle über das eigene Verhalten kann jedoch die Gesundheit ernsthaft gefährden.

Auf die Warnsignale des Körpers hören

Dauersportler müssen erst wieder lernen, auf die Warnsignale ihres Körpers zu hören anstatt ihren Körper freiwillig zu ruinieren. Also einfach mal zu Hause bleiben bei Eis, extremer Kälte, Sturm oder Gewitter. Eine Pause ist außerdem wichtig für die Regeneration des Körpers. Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen oder Verspannungen liefern hier deutlich Hinweise. Zum Glück ist eine Sportbesessenheit wesentlich leichter in den Griff zu bekommen als eine Alkohol- oder Drogensucht. Eine völlige Abstinenz ist gar nicht nötig. Sobald der Spaß an der Bewegung zurück ist, Zeiten für die Regeneration fest eingeplant werden und Familie und Freunde dem Sport nicht mehr bedingungslos untergeordnet werden, profitieren Betroffene wieder von den positiven Wirkungen des Sports.