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Die sozialversicherungsrechtliche Behandlung von Praktikanten

Was sind Praktikanten?

Ein echtes Praktikum dient dazu, die praktischen Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen im Rahmen betrieblicher Berufsbildung zu erwerben, die für die Gesamtausbildung notwendig sind. Praktika sind in vielen Studien-, Prüfungs- oder Ausbildungsordnungen vorgeschrieben, oft werden sie auch freiwillig oder zusätzlich geleistet. Im Gegensatz zu meist als Aushilfen oder „Werksstudenten“ beschäftigten Studenten verrichten Praktikanten eine berufspraktische Tätigkeit, die mit der jeweiligen Studienrichtung im Zusammenhang steht. Dabei ist es sozialversicherungsrechtlich von Bedeutung, ob es sich um ein Vorpraktikum, ein Zwischenpraktikum oder ein Nachpraktikum handelt. Grundsätzlich gilt ein Praktikum als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, nur für Zwischenpraktika gibt es Ausnahmeregelungen.

Im Vorpraktikum

Versicherungsrechtliche Beurteilung in der Kranken- und Pflegeversicherung

Wird ein von der Ausbildungs-, Studien- bzw. Prüfungsordnung vorgeschriebenes Praktikum abgeleistet, hängt die versicherungsrechtliche Beurteilung davon ab, ob während des Praktikums Arbeitsentgelt gewährt wird oder nicht.

Mit Arbeitsentgelt

Wird während des Praktikums Arbeitsentgelt erzielt, besteht in der Kranken- und Pflegeversicherung Versicherungspflicht als „zur Berufsausbildung Beschäftigte“. Die Regelungen über Versicherungsfreiheit von geringfügigen Beschäftigungen können nicht angewandt werden.

Ohne Arbeitsentgelt

Wird kein Entgelt gewährt, besteht grundsätzlich Versicherungspflicht als Praktikant in der Krankenversicherung. Die Versicherung hat der Praktikant selbst abzuschließen und den Beitrag in Höhe der Studentenbetrags selbst zu bezahlen; der Arbeitgeber ist hier, anders als in der Renten- und Arbeitslosenversicherung, nicht beteiligt.

Nicht vorgeschriebene Vorpraktika

Im Gegensatz zu den vorgeschriebenen Vorpraktika bestehen für nicht vorgeschriebene Vorpraktika keine Sonderregelungen. Vorpraktikanten unterliegen daher als Arbeitnehmer der Versicherungspflicht in der Kranken- und Pflegeversicherung, wenn sie ein Praktikum absolvieren, das nicht vorgeschrieben ist.

Renten- und Arbeitslosenversicherung

Vorpraktikanten, die ein vorgeschriebenes Praktikum ableisten, unterliegen als zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte der Versicherungspflicht in Renten- und Arbeitslosenversicherung. Dabei kommt es nicht darauf an, ob Arbeitsentgelt erzielt wird oder nicht. Die Regelungen zur Versicherungsfreiheit für geringfügig Beschäftigte gelten hier nicht. Das hat zur Folge, dass auch bei einem Praktikum, das nicht länger als 2 Monate oder 50 Arbeitstage dauert oder bei dem das monatliche Entgelt nicht mehr als 400 Euro beträgt, Versicherungspflicht besteht. Der Arbeitgeber hat versicherungspflichtige Vorpraktikanten zur Renten- und Arbeitslosenversicherung anzumelden und die Beiträge für diese Versicherungszweige zu entrichten. Die Beitragsberechnung erfolgt grundsätzlich aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt. Sofern kein Entgelt gezahlt wird, werden die Beiträge aus einem fiktiven Entgelt berechnet. Monatliche Bemessungsgrundlage ist dann 1 % der monatlichen Bezugsgröße.

Im Zwischenpraktikum

Vorgeschriebenes Zwischenpraktikum

Studentinnen oder Studenten, die während ihres Studiums ein in einer Ausbildungs-, Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschriebenes Praktikum ableisten – häufig handelt es sich um ein sogenanntes Praxissemester –, sind in diesem Praktikum versicherungsfrei in allen Zweigen der Sozialversicherung. Die Dauer des Praktikums, die wöchentliche Arbeitszeit und die Höhe des Verdienstes sind ohne Bedeutung.

Nicht vorgeschriebenes Zwischenpraktikum

Für nicht vorgeschriebene Praktika, die während des Studiums geleistet werden, gibt es in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung keine besondere Ausnahmeregelung. In der Praxis sind Studentinnen und Studenten während dieser Zeit regelmäßig deswegen versicherungs- und beitragsfrei, weil Zeit und Arbeitskraft insgesamt gesehen überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. In der Rentenversicherung ist ein freiwilliges Praktikum aufgrund einer speziellen Regelung nur dann versicherungsfrei, wenn der monatliche Arbeitsverdienst 325,- € nicht übersteigt. Die wöchentliche Arbeitszeit ist ohne Bedeutung.

Im Nachpraktikum

Grundsätzliche Versicherungspflicht als Arbeitnehmer

Studentinnen und Studenten, die ein Praktikum nach dem Studium ablegen, sind grundsätzlich als Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig. Das gilt auch, wenn das Praktikum nur im Rahmen der Geringfügigkeit bleibt (Begrenzung auf maximal zwei Monate oder höchstens 325,- € Monatsverdienst bei weniger als 15 Arbeitsstunden pro Woche). Bei einem Praktikum gelten die Regelungen zur Versicherungsfreiheit geringfügiger Beschäftigungen nicht.

Renten- und Arbeitslosenversicherung

Wer im Anschluss an ihr Studium ein vorgeschriebenes Nachpraktikum absolviert, also nicht mehr immatrikuliert sind, unterliegen ebenso wie die Vorpraktikanten als Arbeitnehmer der Versicherungspflicht in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Auch für sie kommt Versicherungsfreiheit als geringfügig Beschäftigte nicht in Frage.

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