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All­er­gi­en

Allergie - wieso ich?

Endlich – die dunklen Tage sind vorbei und die Sonne lockt wieder nach draußen. Das erste Grün zeigt sich, wohlige Frühlingslaune breitet sich aus. Doch beim Spaziergang durch Wald und Wiesen geht es plötzlich los: Die Augen brennen und beginnen zu tränen, die Nase läuft, das Atmen fällt schwer und – „Hatschi!" – Niesattacken treten wie aus dem Nichts auf. Manchmal gesellen sich noch gerötete und juckende Stellen auf der Haut dazu oder es bilden sich Quaddeln. Kurzum: Die allergische Reaktion auf Frühblüher wie Birken oder Hasel macht den ersehnten Frühlingsspaziergang zur Hölle.

Was ist denn da passiert?

Um zu verstehen, warum der Körper plötzlich so heftig reagiert, müssen wir zeitlich ein wenig zurückgehen vor den eigentlichen Ausbruch der Allergie. Es begann ganz harmlos und zunächst völlig unbemerkt: Winzige Bestandteile von Pollen gelangten über die Atemwege in unseren Körper. Hier trafen sie auf wichtige Abwehrbollwerke unseres Immunsystems. In der Folge wurden dann die sogenannten Antikörper gebildet. Vorerst setzten diese Antikörper sich auf der Oberfläche einer Mastzelle fest und gaben Ruhe. Alles schien in bester Ordnung – es zeigten sich keine Symptome. Doch die Ruhe war trügerisch. Denn es hat eine Sensibilisierung stattgefunden, das Immunsystem ist jetzt scharf geschaltet.

Die Allergie startet durch

Bei einem erneuten Kontakt mit einer Kleinstmenge der betreffenden Substanz – das kann Monate oder Jahre nach der Sensibilisierung sein – nimmt die durch den Kontakt angeregte Immunabwehr dann urplötzlich Fahrt auf, um die wiedererkannten Eindringlinge unschädlich zu machen – und gerät dabei außer Kontrolle: Innerhalb kürzester Zeit treten die typischen Symptome mit aller Macht auf. Was genau diese Überreaktion auslöst, weiß man noch nicht. Doch eins ist sicher: Es bleibt nicht bei diesem einen Mal. Das immunologische Gedächtnis sorgt dafür, dass die Überreaktion ab jetzt bei jedem weiteren Kontakt mit der Substanz abläuft.
Bei Allergikern richtet sich die Immunabwehr auf für die meisten Menschen harmlose Stoffe, man spricht daher auch von einer fehlgeleiteten Immunabwehr. Ungefährliche Stoffe werden nicht hinreichend von gefährlichen unterschieden. Und es werden Antikörper im Übermaß produziert, die ihrerseits dann den übermäßigen Ausstoß an entzündungsfördernden Botenstoffen bewirken. Das Immunsystem schießt über das eigentliche Ziel, Krankheitserreger abzuwehren, weit hinaus.

Die beiden Hauptkennzeichen einer Allergie:

  1. Das Immunsystem stuft ungefährliche Stoffe als gefährlich ein
  2. Das Immunsystem bildet übermäßig viele Antikörper – in der Folge werden auch die entzündungsfördernden Botenstoffe im Übermaß freigesetzt, es kommt zu den typischen Symptomen

Allergene lauern überall – und es kann jeden treffen

20 bis 30 Millionen Deutsche leiden an Allergien, deutlich mehr sind bereits sensibilisiert. Die schlechte Nachricht: Allergien können auch noch im Erwachsenenalter erstmalig auftreten und bleiben. Heuschnupfen – in der Fachsprache eine allergische Rhinitis (AR) – ist die weitaus häufigste Allergie. Doch nicht nur Baum-, Blüten- und Gräserpollen machen Betroffenen schwer zu schaffen. Etwa 20.000 allergieauslösende Substanzen sind heute schon bekannt. Die Klassiker neben Pollen sind Bestandteile aus Nahrungsmitteln, Tierhaaren, Hausstaubmilben, Insektengift, Arzneimitteln und aus zahlreichen Materialien der Arbeitswelt. Allergene gelangen entweder über die Atemwege (Inhalationsallergie), die Haut (Kontaktallergie) oder den Magen-Darm Trakt (Nahrungsmittelallergie) in den Körper, wo sie die beschriebenen Symptome auslösen. Je nach Schwere der Allergie ist die Lebensqualität der Betroffenen erheblich eingeschränkt: Bei schönstem Wetter hocken sie drinnen bei geschlossenen Fenstern, im Restaurant müssen sie auf allerlei Leckereien verzichten, Schmusetiere dürfen gar nicht ins Haus und der Lieblingsberuf muss mitunter aufgegeben werden.

Nicht immer harmlos

Leider haben Allergiker noch immer mit Vorurteilen zu kämpfen, gelten als Spaßbremsen und überempfindliche Mimosen: Stell dich nicht so an, so schlimm wird es schon nicht sein, nun werde nicht gleich hysterisch – so oder ähnlich lauten die gängigen Kommentare. Eine solche Verharmlosung allergischer Erkrankungen ist nicht nur unfair, sondern kann sogar gefährlich werden. Denn eine Allergie ist alles andere als eine Bagatelle. Die Erkrankung verschwindet nicht, wenn man sie ignoriert. Im Gegenteil nimmt sie meist einen dynamischen Verlauf. Gefahr droht dabei sogar in mehrfacher Hinsicht:

Etagenwechsel
Bei einem Heuschnupfen mit leichten Symptomen sind zunächst nur die oberen Atemwege betroffen. Doch kann das Lungengewebe bereits angegriffen sein und der gefürchtete Etagenwechsel hin zu einem allergischen Asthma, das sich mit vermehrtem Husten und pfeifenden Atemgeräuschen bemerkbar macht und eine chronische Belastung darstellt, ist nicht mehr weit.

Erweiterung des Allergiespektrums
Im Frühstadium einer Allergie reagiert das Immunsystem meist nur auf wenige Substanzen. Dadurch gibt es noch Phasen relativer Unbeschwertheit. Doch mit der Zeit verbreitert sich das Allergiespektrum: Die Symptome verschärfen sich, sogenannte Kreuzallergien kommen hinzu. Pollenallergiker vertragen plötzlich keine Äpfel mehr oder reagieren auf Tierhaare. Aus einer saisonalen Beeinträchtigung wird eine belastende Dauererkrankung.

Anaphylaktischer Schock: Notruf 112 wählen!
Diese lebensbedrohliche allergische Reaktion tritt innerhalb von Sekunden auf: Jucken, Hautrötungen, Schwellungen im Gesicht, starkes Hitzegefühl, Unwohlsein, Unruhe, Erbrechen signalisieren Gefahr. Atemnot, Schwindel, Blutdruckabfall, Bewusstseinsstörungen sind Hinweise auf die höchste Alarmstufe! Die Maximalreaktion kann schlimmstenfalls zu einem Atem- und Kreislaufstillstand führen. Bitte bei ersten Anzeichen umgehend den Notarzt rufen.

Soziale Isolation
Während andere sich im Freien bei Sport und Spiel vergnügen, bleiben viele Allergiker wegen der hohen Pollenbelastung zu Hause. Auch fällt die körperliche Anstrengung schwer, wenn die Atmung eingeschränkt ist. Das bleibt nicht ohne Folgen: Gerade Kinder und Jugendliche fühlen sich ausgegrenzt. Das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen steigt. Hier müssen Freunde und Lehrer einbezogen werden, um der Isolierung zu begegnen.

Kann man denn gar nichts dagegen tun?

Allergien sind sehr komplexe Erkrankungen, entsprechend schwierig ist die Therapie. Im Frühstadium allerdings kann mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT), früher Hyposensibilisierung genannt, die Ursache der Allergie wirksam bekämpft werden, sofern die Allergieauslöser eindeutig bestimmt sind. Die Heilungschancen sind besonders hoch bei Allergien auf Pollen und Hausstaubmilben. Die drei bis fünf Jahre dauernde Injektionsbehandlung darf dafür aber nicht unterbrochen werden, Geduld ist hier gefragt. Wichtigste Regel für Allergiker ist, die allergieauslösenden Substanzen konsequent zu meiden, was in den meisten Fällen aber leider utopisch ist. Symptome lassen sich mit einer Reihe von bewährten Bedarfsmedikamenten erfolgreich lindern. Auch alternative Heilmethoden wie Akupunktur, Atemtherapie, Balneo- und Kneipptherapie oder das regelmäßige Üben von Entspannungstechniken bringen Betroffenen die erhoffte Erleichterung.