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Bewegung

Sie sind unter uns: Die Rückwärtsgeher

Mancherorts treten sie schon gehäuft in öffentlichen Parks, Sportstätten und auf Waldwegen auf: Rückwärtsgeher und Rückwärtsläufer. Sie joggen und gehen wie du und ich – aber sie machen es rückwärts. Kann das denn gesund sein? Im Prinzip ja – solange man darauf achtet, was sich hinter einem tut. Also vor einem. Oder beides?

Medizinische Aspekte

Durch Zufall kam es an den Tag: Patienten mit oft quälenden Kreuz- oder Knieschmerzen kommen beschwerdefrei die Treppe hoch, wenn sie rückwärts gehen. Im Nu wurde aus dieser Beobachtung – natürlich in den USA – eine ganze therapeutische Richtung entwickelt, das „backwards walking". Der Hintergrund: Kehrt man den Bewegungsablauf beim Gehen um, werden andere Muskeln gefordert und gestärkt, die – wenn sie erst stark genug sind – eine Stützungsfunktion ausüben könnten. Dies führt offenbar zu einer Entlastung sowohl bei Knie- als auch bei Rückenbeschwerden. Positive Nebeneffekte: Die Steigerung der Herzfrequenz und des Stoffwechsels. In der therapeutischen Anwendung (heute vielfach nach Kreuzbandriss-OPs üblich) findet das Rückwärtsgehen auf dem Laufband statt bei einem Steigungswinkel von 0 bis 5 %. Die Laufbandsituation verhindert Zusammenstöße und ständiges Kopfverdrehen. Aus dieser medizinischen Anwendung wurde inzwischen eine sportliche Freizeitbetätigung getreu dem Motto: Was anderen nützt, kann mir nicht schädlich sein.

Im Alltag

Natürlich können Sie es mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, längere Strecken rückwärts zu gehen oder zu laufen. Eins ist sicher: Es ist eine völlig neue Bewegungserfahrung, bei der Körpergefühl, Konzentration und Koordination gleichermaßen gefordert sind. Das größte Problem: Hinten hat man keine Augen. Und genau hier liegt die eigentliche Gefährdung des Rückwärtsgehers oder -läufers: Hindernisse werden vielleicht nicht rechtzeitig erkannt. Und während man beim Vorwärtsfallen immer noch die Arme ausstrecken kann, um den Sturz zu abzufangen, ist das Rückwärtsfallen bei vollem Tempo mit ernsthaften Verletzungsrisiken nicht zuletzt im Kopfbereich verbunden. Wer es also ausprobieren möchte und dies nicht auf dem Laufband, sollte wenigstens eine von Hindernissen freie Aschenbahn in Sporteinrichtungen wählen. Gänzlich tabu für Rückwärtsgewandte ist natürlich der Straßenverkehr.