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Familie

Rituale: Warum Gute-Nacht-Geschichten gut sind

Rituale

Das gemeinsame Abendbrotessen, Kerzen auf dem Geburtstagskuchen und gemeinsames Ostereierfärben: Rituale strukturieren den Alltag. Sie geben Kindern Halt und Orientierung, reduzieren Ängste und erleichtern Eltern den Alltag mit den Kleinen.

Viele Erwachsene lieben ihre kleinen Freiheiten: Spontan Sonntagmorgen zum Frühstücken ins nächste Café gehen oder Heiligabend nicht wie sonst bei Kartoffelsalat und Würstchen im winterlichen Deutschland verbringen, sondern bei Fried Chicken im warmen Florida. Wenn Kinder da sind, ist es mit diesen kleinen Abweichungen vom gewohnten Geschehen meistens erstmal vorbei. Und das ist auch gut so. Denn Kinder lieben verlässliche Abläufe und wiederkehrende Bräuche. Sie helfen ihnen, sich im Tagesablauf und dem Rhythmus der Jahreszeiten zurecht zu finden, schenken Geborgenheit und Halt und stärken das Wir-Gefühl der Familie.

Was regelmäßig wiederholt wird, wird von Kindern leichter akzeptiert

Außerdem akzeptieren Kinder alles leichter, was regelmäßig wiederkehrt und stets nach dem gleichen Schema abläuft. Eltern können sich das beispielsweise beim abendlichen Ins-Bett-Bringen oder dem morgendlichen Abschied im Kindergarten zu Nutze machen. Wird zum Beispiel im Bett immer nach einer Gute-Nacht-Geschichte das Licht ausgeknipst, so gibt es abends zur Schlafenszeit deutlich weniger Protest. Einige Mütter und Väter fühlen sich eingeengt durch die Rituale, die mit der Geburt des Babys den Tag strukturieren und weniger Raum für Spontaneität lassen.

Andere Eltern versuchen beinahe zwanghaft, so viele Rituale wie möglich in den Tagesablauf zu integrieren, weil sie in einem Fachbuch gelesen haben, wie wichtig feste Strukturen sind. Doch beides ist falsch. Zu wenig Gewohnheiten können vor allem bei Babys und Kleinkindern dazu führen, dass ihnen an Orientierung fehlt. Sie reagieren häufig mit Unruhe, Einschlaf- oder Durchschlafproblemen. Durch diese dauerhafte Müdigkeit kann es zu Überdrehtheit und Hyperaktivität kommen. Zu viele feste Rituale wiederum engen das Familienleben unnötig ein, fördern den Stress und verhindern spontane Aktivitäten.

Rituale verändern sich

Jede Familie muss für sich das richtige Maß an Ritualen finden, die Halt geben, ohne einzuengen. In der einen Familie werden das mehr, in einer anderen wesentlich weniger sein. Darüber hinaus lassen sich nicht einfach Gewohnheiten schaffen, weil man beispielsweise in einer Fernsehsendung davon gehört hat oder weil die Nachbarn diese ebenfalls haben. Rituale, die für Eltern und Kinder gleichermaßen passen, sollten allen Spaß machen – und sie müssen sich sinnvoll in das Alltagsleben einbinden lassen. Manche Gewohnheiten schaffen sich sogar von selbst, weil etwas mehrmals in Folge gemacht wurde und es allen gefiel. Andere werden von den Kindern ins Leben gerufen, denn gerade die Kleinen wissen oft sehr genau, was ihnen gefällt und gut tut.

Besonders die Rituale, die eher zufällig ins Familienleben getreten sind, sind die beliebtesten und diejenigen, an die sich die Kinder noch im Erwachsenenalter erinnern werden. Oft werden diese Bräuche sogar von einer zur nächsten Generation weitergegeben, beispielsweise gemeinsames Backen im Advent, das Eierfärben zu Ostern oder die Art und Weise, wie der Kindergeburtstag gefeiert wird.

Rituale keineswegs in Stein gemeißelt

Es schadet keinem Kind, wenn z. B. die abendliche Gute-Nacht-Geschichte einmal ausfällt, weil die Familie erst spät von einer Feier zurückgekehrt ist. Auch wachsen und verändern sich Rituale im Laufe der Zeit. So kann aus dem Kuscheln mit den Eltern am Sonntagmorgen im Ehebett vielleicht ein gemütlicher Familienbrunch am späten Vormittag werden.