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​​Ak­tu­el­le The­men

Der gesundheitliche Nutzen der Achtsamkeit

Das Leben der meisten Menschen ist durch Hektik und Eile gekennzeichnet – man hastet wie im Blindflug durch den beruflichen und privaten Alltag, versucht möglichst viel zu erleben und mitzunehmen, verschlingt sein rasch in der Mikrowelle aufgewärmtes Essen während man nebenbei fernsieht, telefoniert oder im Netz surft und achtet kaum auf das, was um einen herum sonst noch vorgeht. Das Konzept der Achtsamkeit versteht sich als Gegenentwurf – und es bietet einen hohen gesundheitlichen Nutzen.

Bewusster leben

Achtsam zu leben bedeutet bewusst zu leben – man achtet auf das, was man tut, man tut es bewusst, denkt darüber nach und genießt es mit allen Sinnen. Doch achtet man auch auf Schmerzempfindungen und eher negative Gefühle wie Trauer oder Niedergeschlagenheit. Das bedeutet: Wer achtsam lebt, achtet mehr auf sich – und nimmt Dinge, die einem gut tun oder aber auch Krankheiten und Bedrohungen ankündigen können, deutlicher wahr. Das wiederum erlaubt es einem, das eigene Leben bewusster zu steuern. Achtsame Menschen werden freilich oft mit der Kritik konfrontiert, langsamer zu sein. Das ist falsch. Richtig ist, dass Achtsamkeit sich nicht mit Hektik verträgt. Doch wer langsam aber zielbewusst voranschreitet, kommt oft sogar weiter als der Kollege in seiner rasenden Eile, dem womöglich Flüchtigkeitsfehler unterlaufen oder der Wichtiges übersieht.

Bewusster essen

Achtsames Essen beginnt beim Einkauf und der Zubereitung – man denkt in Ruhe darüber nach, was man kochen könnte, achtet zum Beispiel bewusst auf gesunde und saisonal passende Zutaten aus der Region. Danach hackt man den erstandenen Rotkohl nicht einfach nur lieblos in Stücke, sondern lässt sich von seinem Farbenspiel faszinieren. Der Kritiker würde sagen: „Ja – und was hab ich davon!?" Man hat davon, dass man ohne Zeitdruck arbeitet und gleichzeitig den Geist ein wenig abschweifen lässt in Sphären jenseits alltäglicher Notwendigkeiten. Diese „Entspannung nebenbei" kann für den Geist sehr erholsam sein. Wenn dann auch das Essen selbst noch bewusst vonstatten geht, man jeden Bissen genießt, sorgsam kaut oder auf der Zunge zergehen lässt und nicht alles in Rekordzeit verschlingt, führt dieses etwas langsamere Essen zu einem früher eintretenden Sättigungsgefühl. Man merkt, dass man satt ist und futtert nicht besinnungslos weiter, nur weil noch etwas da ist – und spart so täglich Hunderte von Kalorien. Auf diese Weise kann achtsames Essen auf einfachste Weise zum Abnehmen beitragen.

Die Muskeln und den Atem bewusst wahrnehmen

Auch bei der Bewegung ist es gut, zum Beispiel auf die Tätigkeit einzelner Muskeln zu achten. Man kann vor dem Laufen oder einer anderen Sportart wichtige Muskelgruppen der Reihe nach aufrufen und kurz anspannen. So aktiviert man sie gleichsam und stellt sicher, dass sie einsatz- und leistungsbereit sind. Auch das Ein- und Ausatmen kann man achtsam und bewusst gestalten und dabei regelrecht bis in tiefste Körperregionen hineinatmen – so findet man zu einem guten Atemrhythmus und stellt eine optimale Sauerstoffversorgung sicher. Beides bewährt sich nicht nur vor und in Phasen der Anspannung und Anstrengung, sondern auch im Rahmen von Entspannungsübungen.

Seelenleben im Ausgleich

Das Geschenk der Achtsamkeit erlebt man am besten bei einem Spaziergang in der Natur. Man nimmt die Umgebung bewusst wahr, sieht das Gefüge der Landschaft, sieht Farbnuancen, erkennt die Vielfalt der Wolkenformen, ahnt im dichten Nebel die seltsam verfremdeten Konturen vertrauter Formen, spürt unter den Füßen die Unebenheiten des Weges, hört den Wind in den Bäumen rauschen und den einen oder anderen Vogel zwitschern. Unternimmt man diesen Spaziergang in der Dämmerung, sieht man weniger, hört aber mehr – die Wahrnehmung verlagert sich auf andere Sinne, man nimmt im Unterholz das Knacken von Zweigen wahr oder hört ein Käuzchen rufen. Im Gang der Jahreszeiten wandelt sich die Wahrnehmung ebenfalls. In der kalten klaren Winterluft hört man vielleicht eher die in der Ferne vorbeifahrenden Autos oder im Schwarm vorbeiziehende Wildgänse oder auch den Tritt der Füße im verharschten Schnee; sobald es wärmer wird, schwillt der Chor der Vogelstimmen an und das Summen und Brummen der Insekten nimmt zu. Ist die Luft trocken hat man ein anderes Hautgefühl als bei feuchter Luft. Wie hört sich Regen an, wie das Murmeln des Baches oder die Wellen am Ufer – und wie verändert sich die Wahrnehmung von alledem bei geschlossenen Augen? Je mehr man sich auf die Umgebung einlässt, desto mehr ist man bei sich – ein erstaunliches Erleben, das sehr zur Entspannung und zum Wohlgefühl beitragen kann.