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Trend­sport­ar­ten

Bikepolo: Ballspiel hoch zu Rad

Ein Mix aus Eishockey, Rugby und Fahrradkunst: Bikepolo ist eine schnelle, harte und anspruchsvolle Sportart. In Deutschland wird es derzeit vor allem in den Großstädten gespielt.

Schläger klacken, Räder blockieren und ein Hockeyball schlittert über den Asphalt. Bevor der auch nur in die Nähe des Tores gelangen kann, hat ihm auch schon anderer Spieler einen gekonnten Schlag verpasst. Bikepolo ist schnell und hart. Auf dem Spielfeld zählt keine Freundschaft, sondern nur der Wille zum Gewinnen. Die Spieler sind Künstler auf dem Rad, hart im Nehmen und gnadenlos im Austeilen.

Wer Bikepolo noch nie erlebt hat, kann es sich am besten als eine Mischung aus Eishockey, Rugby und Fahrradkunst vorstellen. Obwohl es den Namen Polo trägt, hat es mit diesem eleganten Pferdesport wenig gemeinsam. Während hier Tradition und Geld im Vordergrund stehen, ist beim Bikepolo vieles improvisiert und selbst gemacht. Denn die Ausrüstung ist nicht reglementiert. Als Ball dient ein einfacher Streethockey-Ball, viele Spieler bauen sich einen Schläger aus z. B. einem alten Skistock und einem Rohr selbst zusammen. Auch für die Art des Fahrrades existieren keine Regeln, außer dass es zwei Räder haben muss. Die Profis unter den Bikepolo-Spielern sitzen oft auf Eigenbauten, gefertigt als Eingangrad mit kurzen Radständen, niedrigen Rahmen und abgesägten Lenkern.

Die Regeln: Meist individuell zusammengezimmert

Die Regeln variieren von Stadt zu Stadt, meistens gewinnt das Team, das zuerst fünf Tore geschossen hat. Die Tore sind in etwa so breit, wie ein Fahrrad lang ist. Gewertet wird der Torschuss nur, wenn der Ball mit dem Schläger getroffen wurde. Das Spielfeld ist in etwa tennisplatzgroß und sollte von einer Art Bande begrenzt sein, damit sich der Streethockey-Ball nicht ständig außerhalb des Spielfeldes befindet. Eine allgemein gültige Regel lautet: Die Spieler dürfen nicht den Boden berühren – weder mit dem Fuß noch mit dem Bein oder der Hand. Wer dennoch auf dem Asphalt landet, ist erst nach einer Straffahrt wieder spielberechtigt. Manchmal ist das ein Abstecher über die eigene Torlinie hinaus, häufig aber eine Straffahrt zum so genannten Tap-out am Spielfeldrand. Dort muss der Übeltäter beispielsweise einen aufgehängten Gegenstand berühren, bevor es zurück ins Getümmel des Spieles geht. Gespielt wird mit zwei Teams, die normalerweise aus je drei Spielern bestehen. Es können reine Männer- oder Frauenteams oder gemischte Teams gegeneinander antreten.

Das Spiel selbst hat eine lange Tradition

Neu ist „Polo hoch zu Rad" nicht. Das Spiel wurde vor mehr als 125 Jahren in Irland erfunden, 1908 bei den Olympischen Spielen vorgestellt – und dann wieder vergessen. Erst um das Jahr 2000 herum tauchte die Radsportart abermals auf, und zwar auf den Parkplätzen in Seattle. Dort kämpften Fahrradkuriere mit improvisierten Schlägern um einen kleinen Ball. Die Leute kamen zunächst zum Zuschauen, später zum Mitspielen. Inzwischen hat Bikepolo längst den Weg nach Europa und in den Rest der Welt gefunden. In Deutschland wird es vor allem in Großstädten wie Berlin gespielt. In welchen Orten es noch Bike-Polo-Teams gibt, erfahren Interessierte zum Beispiel beim Deutschen Bikepolo Forum.