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Im Dschungel der Tierlabel

biosiegel

Die Frage der Tierhaltung wird für viele Fleischliebhaber immer wichtiger. Mehr als zwei Drittel der Verbraucher wünschen sich strengere Richtlinien für die artgerechte Haltung von Nutztieren und wären auch bereit, mehr dafür zu bezahlen. Zwar gibt es bereits verschiedene Tierlabel am Markt, doch die stiften mehr Verwirrung als Transparenz: Einheitliche Standards für die Siegelvergabe fehlen ebenso wie eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht.

Da konkurrieren EU-Biosiegel mit den Labeln der verschiedenen Öko-Anbauverbände, ein zweistufiges Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbunds mit einem Label der Initiative Tierwohl, einem Neuland-Logo und einem Discounter-Kennzeichnungssystem. Noch in Planung befindlich ist ein zweistufiges staatliches Tierwohllabel, die Teilnahme daran bleibt für die Erzeuger allerdings freiwillig. Und daneben gibt es immer noch kleine bäuerliche Betriebe, denen eine artgerechte Haltung ihrer Tiere am Herzen liegt. Hier mag zwar ein Label fehlen, doch für die nötige Transparenz sorgen Aktionen wie Tage der offenen Tür, bei denen Einblick gewährt wird in die Regeln der Tierhaltung am Hof.

Einheitliche Standards? Fehlanzeige!

Kriterien für die Vergabe von Labeln sind Platzangebot im Stall, Auslaufmöglichkeiten, Futterqualität, der Einsatz von Medikamenten und die Dauer der Mast. Gesetzliche Mindestanforderungen legen Minimalstandards fest, die Anforderungen für ein Label gehen dann je nach Siegel mehr oder weniger weit darüber hinaus.

Für Milchkühe beispielsweise ist der Weidegang im Sommer gesetzlich nicht vorgeschrieben. Milchkühe von Bioland- oder Naturlandhöfen dagegen kommen im Sommer garantiert auf die Weide. Einstreu wie Stroh für Mastrinder ist behördlich nicht vorgeschrieben, für die Zertifizierung durch EU-Biosiegel, Öko-Anbauverbände und Neuland allerdings Pflicht.

Hühner in konventioneller Haltung werden in nur etwa 30 Tagen schlachtreif gemästet. Das Tierschutzlabel sieht eine Lebenszeit von 56 Tagen vor. 6.000 Legehennen dürfen in konventioneller Haltung in einem Stall untergebracht werden, die Label erlauben nur 4.500 bzw. 3.000 Tiere. Das Futter darf kein Gentechnik-Soja enthalten oder muss sogar teilweise oder komplett aus eigenem Anbau stammen. Und während ein Schwein in der Massentierhaltung mit 0,75 Quadratmetern Platz im Stall auskommen muss, stehen einem EU-Bioschwein immerhin 1,3 Quadratmeter zur Verfügung.

Die wichtigsten Siegel im Überblick:

  • Initiative Tierwohl liegt in ihren Anforderungen über den gesetzlichen Mindestvorgaben, jedoch deutlich unter denen für Biofleisch. Es gibt ein spezielles Programm für den Einsatz von Antibiotika.
  • EU-Biosiegelist auch als grünes Blatt bekannt. Es steht für strenge Kriterien zum Tierschutz. Diese umfassen die verwendeten Futtermittel, das Platzangebot und die tierärztliche Versorgung.
  • Bio-Anbauverbände wie Naturland, Ökoland und Demeter gehen in ihren Anforderungen häufig über das EU-Biosiegel hinaus. Demeter hat die höchsten Standards, hier ist zum Beispiel auch das Enthornen der Kühe verboten.
  • Neuland-Logoist keine Bio-Zertifizierung, verpflichtet aber zu einer besonders artgerechten Tierhaltung.
  • Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundeslegt in einer Einstiegs- und einer Premiumstufe besondere Tierschutzstandards fest und verbietet beispielsweise bei Schweinen das Kupieren der Schwänze und das Abschleifen der Zähne
  • Staatliches Tierwohllabelin zwei Stufen ist noch in Planung. Es soll die Haltungsbedingungen der Tiere verbessern, die Teilnahme der Erzeuger bleibt jedoch freiwillig.

Alternative Kleinerzeuger

Abseits aller Labels gibt es kleine bäuerliche Betriebe und Hofschlachtereien. Oft geschieht die Vermarktung auf regionalen Wochenmärkten oder direkt ab Hof. Besucher sind in den meisten Fällen willkommen und sogar erwünscht. So kann sich jeder ein Bild machen von der Form der Tierhaltung: Es handelt sich meist um eine artgerechte Tierhaltung ohne Zertifizierung, jedoch mit Qualität.