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Mehr lesen, länger leben: Deep Reading

Deep Reading für die Gesundheit

Ein Buch zu lesen, heißt Raum und Zeit zu verlassen. In andere Welten einzutauchen und Teil einer Geschichte zu werden. Lesen macht Spaß und hält den Geist fit. Aber wer hätte gedacht, dass es auch die Lebenserwartung erhöht?

Wissenschaftler der Yale University haben herausgefunden, dass Menschen, die regelmäßig und oft lange Texte lesen, auch bessere Chancen auf ein langes Leben haben. Für die Studie, die sich über zwölf Jahre erstreckte, wurden 3.600 Teilnehmer befragt. Es zeigte sich, dass die Lebenserwartung der Probanden, die in der Woche bis zu 3,5 Stunden lasen, um 17 Prozent höher war als die der Nichtleser. Diejenigen, die wöchentlich mehr als 3,5 Stunden schafften, brachten es sogar auf eine um 23 Prozent höhere Lebenserwartung. Die Ursache dafür sahen die Forscher in den positiven Effekten, die das Lesen auf den Körper hat: Man entspannt beim Lesen und baut Stress ab. Zusätzlich trainiert die intensive Beschäftigung mit dem Buch die kognitiven Fähigkeiten, verbessert Vokabular und Konzentrationsfähigkeit und regt die Gehirnzellen an.

Es ist nicht egal, was man liest

Allerdings beziehen sich die Ergebnisse der Studie nur auf das Lesen von Büchern. Wer täglich mehrere Stunden WhatsApp-Nachrichten, Facebook- und Twitter-Einträge oder Online-Nachrichten auf seinem Smartphone liest, profitiert nicht von den gesundheitsfördernden Eigenschaften. Das kann im Gegenteil sogar dazu führen, dass man das konzentrierte Lesen, das man für eine längere Lektüre benötigt, verlernt.

Der Bildschirm ist eine eher lese-feindliche Umgebung. Man überfliegt die Texte nur, klickt auf Bilder, immer auf dem Sprung von einem Info-Hotspot zum nächsten. Hinzu kommt die permanente Ablenkung durch neue Push-Nachrichten oder Anrufe. Das „Informationsscannen" am Bildschirm ist deshalb etwas wesentlich anderes als das herkömmliche Lesen. In den USA sorgen sich Experten mittlerweile, dass die alte Kulturtechnik des Lesens verloren geht – und mit ihr zahlreiche geistige Fähigkeiten. Man überlegt, ein neues Schulfach einzuführen, in dem die Kids lernen, längere Texte und Sätze zu erfassen und zu verstehen. Sein Name: Deep Reading – tiefergehendes, sinnerschließendes Lesen.

Lesekompetenz bei Kindern fördern

Auch bei deutschen Kindern sinkt die Lesekompetenz seit Jahren, wie PISA-Studien und OECD-Berichte zeigen. Experten raten dazu, schon früh die Lesemotivation bei den Kleinen zu wecken, indem sich Eltern zusammen mit ihren Kindern beispielsweise aufs Sofa kuscheln und vorlesen. Und das am besten regelmäßig und mindestens für eine halbe Stunde. Das tut übrigens nicht nur den Kleinen gut, sondern auch den Großen. Schon manch einer ist über das Vorlesen von Kinderlektüre wieder „aufs Buch" gekommen.

In die Welt des Buches eintauchen

Um in die Lektüre versinken zu können, sollten sämtliche Störquellen ausgeschaltet sein: TV, Radio, Smartphone, Tablet, Laptop. Für ein schöneres Lesegefühl empfiehlt sich ein Buch aus Papier. Wer mag, kann auch einen E-Book-Reader mit einer papierähnlichen Darstellung zur Hand nehmen. Bei diesem Gerät liegen die Vorteile darin, dass sich mehrere Romane, Biografien etc. auf das kleine Gerät laden lassen. Besonders im Urlaub erleichtert es das Reisegepäck enorm. Viel wichtiger als die Entscheidung, ob man das herkömmliche Buch oder seine elektronische Variante wählt, ist die Umgebung. Wer z. B. ständig auf einem harten Holzstuhl herumrutscht und Gedanken an den schmerzenden Rücken verschwendet, kann nicht in die Welt des Buches eintauchen. Besser, man setzt sich gleich in einen gemütlichen Sessel, aufs Sofa oder legt sich ins Bett. Gleiches gilt für das Licht: Optimal an dunklen Tagen ist eine hinreichend helle, aber nicht grelle Stand- oder Tischleuchte, welche die Seiten des Buches gut ausleuchtet.

Lernen ein Leben lang

So vorbereitet, kann man sich auch auf schwierige Lektüre oder tiefsinnige Gedichte einlassen, die den Kopf fordern und zum Nachdenken anregen. Wer dann auch noch das eine oder andere Gedicht auswendig lernt, absolviert das bestmögliche Gedächtnistraining. Und zu guter Letzt: Beim Lesen lernt man nie aus – immer wieder stößt man auf einen unerwarteten Mehrwert, der einem hilft, bestimmte Probleme zu lösen oder einfach den Horizont zu erweitern.