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Detox

Detox Perfektionismus: Wenn gut nicht gut genug ist

Detox Pefektionismus

Wie wir uns durch Perfektionismus, Harmoniezwang und Selbstoptimierung selbst unter Druck setzen.

Klagen auch Sie gelegentlich über den Druck, unter dem Sie stehen? Und wie stressig alles ist? Zeitdruck und Leistungsdruck gelten immerhin als Stressverursacher Nr. 1.

Und gehen auch Sie davon aus, dass dieser Druck hauptsächlich im Berufsleben entsteht? Dann ist es an der Zeit, umzudenken.

Denn tatsächlich setzen wir uns auch im Privatleben beständig unter Druck – dort sogar oft noch mehr: Unser privates Umfeld etwa nötigt uns permanent, angesagte Verhaltensweisen anzunehmen oder weniger angesagte abzulegen. Das umfasst unser Konsum- wie auch unser Freizeitverhalten und geht mitunter bis in die intimsten Bereiche unseres Privatlebens. So aber erhöht sich das allgemeine Stressrisiko beträchtlich. Körper und Seele unterscheiden nämlich nicht, ob der Druck zu Hause oder auf der Arbeit entsteht, und reagieren immer gleich – beispielsweise durch Schlafstörungen, innere Unruhe, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Verdauungsstörungen, Kopfschmerz, Anfälligkeit für Suchtmittel, eine erhöhte Infektanfälligkeit und Herz-Kreislauferkrankungen. Grund genug, sich ein wenig vom Druck, immer besser werden zu wollen, zu befreien. Wir möchten Ihnen einige Geschichten erzählen – Fallgeschichten über den Zwang zum Perfektionismus und wie es gelingt, sich davon zu befreien.

Leistungsdruck am Arbeitsplatz

Ingenieur, 37 Jahre

„Ich bin geradezu der Klassiker: Ich wollte immer der Beste sein, der Zuverlässigste und Schnellste. Ich ließ keine Fortbildung aus, machte Überstunden ohne Ende, mein Ehrgeiz kannte keine Grenzen. Das ging auch ein paar Jahre gut und ich bekam die Anerkennung, nach der ich mich sehnte. Doch es fiel mir immer schwerer, beständig auf Hochtouren zu fahren. Dann kam die Quittung: Ich wurde nervös, machte Fehler, schlief schlecht, wurde reizbar, versuchte meinen Frust durch Alkohol zu bekämpfen. Ein Freund half mir aus der Misere. Er machte mir klar, dass ich im Grunde nur die Ziele anderer verfolgt hatte – das alles hatte nichts mit mir selbst zu tun. Ich nutzte die Gelegenheit zu einer Auszeit, machte bei einem Entwicklungshilfeprojekt mit – und lernte, die Dinge mit mehr Gelassenheit und Ruhe anzugehen."

Kinder unter Druck

Zweifache Mutter, 35 Jahre

„Klar, für den Nachwuchs will man das Beste. Die Leistung in der Schule muss stimmen. Und nebenher sollten meine beiden Mädels auch möglichst viel machen: Reiten, Ballett, Instrumentalunterricht und eine zusätzliche Fremdsprache lernen. Irgendwann fiel mir auf, dass die beiden damit nicht glücklich waren – sie machten zwar alles mit, aber lustlos und ohne Begeisterung. Zum Glück habe ich das rechtzeitig erkannt. Seither machen die beiden nur noch, was sie selbst machen möchten. Die eine hat mit dem Ballett aufgehört, die andere mit der Geige. Seither haben sie wieder Spaß an vielen Dingen. Als Eltern darf man seinen eigenen Ehrgeiz einfach nicht den Kindern aufzwingen."

Stress durch Fitness

Marketingexperte, 44 Jahre

„Meine Gesundheit ist mir wichtig. Seit Jahren laufe ich regelmäßig, schwimme, fahre Rad und gehe einmal die Woche in die Muckibude. Es hat mir immer Spaß gemacht, ich musste mich nie dazu zwingen. Und natürlich war ich einer der Ersten mit einem Fitness-Armband am Handgelenk. Eine App zählte jeden Schritt, dokumentierte den Herzschlag und den Energieumsatz, Sensoren in den Sportschuhen sendeten jeden zurückgelegten Kilometer an mein Smartphone. Schnell packte mich der Ehrgeiz, immer bessere Werte zu erzielen. Doch dabei ging die Freude an der Bewegung verloren, ich wurde verbissen, sah Fitness nur noch als Zahlenwerk und nicht mehr als Quell der Lebensfreude. Als mir das bewusst wurde, habe ich mich schleunigst von der Elektronik befreit. Seither laufe ich wieder unbeschwert und beschwingt durchs Leben."

Der perfekte Urlaub

Familienvater, 41

„Die schönste Zeit des Jahres – der Familienurlaub. Man spart darauf, plant alles mögliche, alle freuen sich – also hat es vor Ort auch alles perfekt zu sein. Doch das Leben ist nun mal oft chaotisch: Oft geht etwas schief, man verpasst die letzte Fähre des Tages, das Wetter spielt nicht mit, gemeinsame Unternehmungen scheitern an der Unlust Einzelner. Das hat mich irgendwann dermaßen belastet, dass schon der Gedanke an den nächsten Urlaub mir Magendrücken verursachte. Meine Frau erkannte das Problem – sie hat mir klar gemacht, dass man nicht gegen das Leben anplanen kann. Seither habe ich gelernt, das Nichtperfekte zu genießen. Es war zu Anfang nicht einfach, aber heute macht es Spaß, ehrlich!"

Der Zwang zur Harmonie

Großmutter, 73 Jahre

„Für mich gibt es nichts Schöneres, als mit der ganzen Familie zusammen zu sein. Familientreffen gehören deshalb bei uns zur Tradition. Weil wir ein großes Haus haben, finden die Treffen bei uns statt. Ich hatte früher den Ehrgeiz, alles perfekt vorzubereiten – alles sorgfältig arrangiert bis hin zur farblich und jahreszeitlich abgestimmten Tischdekoration. Mein Ziel war es, für Harmonie zu sorgen. Doch die trat nicht ein, die Kinder und Enkel fühlten sich in der perfekt getrimmten Umgebung nicht wohl, es war verkrampft und das totale Gegenteil von Harmonie. Meine beiden Schwiegertöchter fassten sich dann ein Herz und meinten, wir sollten das doch alles etwas lockerer halten. Beim nächsten Mal haben sie dann die Regie übernommen. Sie haben alles ganz natürlich gehalten, ohne Stress. Es gab dann mehr ein Picknick als ein Festessen. Was soll ich sagen – es war einfach wunderbar!"

Soziale Medien und Optimierungszwang

Studentin, 23 Jahre

„Ich bin mit Youtube, Twitter & Co aufgewachsen. Ein Leben ohne kann ich mir kaum vorstellen. Nicht nur, dass über diese Kanäle viel täglicher Austausch stattfindet – man schafft sich dort ein bestimmtes Image, das man dann konsequent pflegen muss. Das macht einem selbst Druck, aber auch den anderen. Wenn ich zum Beispiel in meiner Abnehmgruppe poste, dass ich schon wieder ein Kilo abgenommen habe, setze ich die anderen damit unter Druck. Wem das Abnehmen nicht gelingt, steht wie am Pranger – blöde Kommentare eingeschlossen. Ich hab beschlossen, dieses Jahr zur Fastenzeit mal Social-Media-Fasten zu machen."

Der Nachbar hat's - ich nicht

Journalistin, 44 Jahre

Wir leben in einer sogenannten guten Wohngegend. Da achtet man schon darauf, mitzuhalten mit dem, was die Nachbarn so machen – und haben. Klingt blöd, aber es ist geradezu zwanghaft, da entsteht unterschwellig ein ziemlicher sozialer Druck. Hat einer sich einen neuen Grill zugelegt, muss gleichgezogen werden. Oder besser gleich eine ganze Outdoor-Küche in den Garten setzen. Doch das betrifft nicht nur Äußerlichkeiten, sondern auch Verhaltensfragen. Wurde früher darauf geachtet, dass man auch ja zur Kirche ging, bestehen heute andere Zwänge. Das nervt."

Unser Tipp: Stress-Coach

Sollte bei Ihnen der Perfektionismus schon in Stress umschlagen sein, hilft Ihnen unser Stress-Coach weiter.

Befreiung durch klare Grenzziehung

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Und setzen Sie auch andere und sich selbst nicht unter Druck. Ziehen Sie klare Grenzen – und entscheiden Sie selbst, wie perfekt Sie wirklich sein wollen und können. Versuchen Sie herauszufinden, ob Sie selbst etwas wirklich aus sich heraus wollen – oder ob Sie nur den Erwartungen anderer folgen. Und wenn Sie etwas ganz intensiv wollen, fragen Sie sich doch einmal, ob es wirklich zu Ihrem Glück und Ihrer Zufriedenheit beiträgt oder letztlich nur Ihre Unzufriedenheit erhöht.