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Er­näh­rungs­trends

Ernährung extrem: Food-Replacement    

Den ganzen Tag gearbeitet, nichst eingekauft, Kühlschrank leer: Also mal wieder ab in die Burger-Bude und abends noch ein paar salzige Snacks oder eine große Tafel Schoki. Doch halt, wie war das doch mit der gesunden Ernährung; Vitamine, Mineralstoffe und all das Zeug? Für alle, die arbeitsbedingt noch weniger Zeit zum Einkaufen und Zubereiten als zum Essen haben, gibt es jetzt die ultimative Flüssignahrung aus der Tüte zum Anrühren. Jede Mahlzeit ist im Handumdrehen zubereitet und enthält alles, was der Körper braucht: Proteine, Kohlenhydrate und Fette im ausgewogenen Verhältnis, dazu alle wichtigen Vitalstoffe. Doch können Laborshakes auf Dauer mit richtigem Essen konkurrieren?

Nahrungsersatz aus der Tüte

Die Zusammensetzung der Getränkepulver basiert auf den Forschungen von Ernährungswissenschaftlern und ist abgestimmt auf den Durchschnittsbedarf von überwiegend im Sitzen arbeitenden und im Alltag nur mäßig aktiven Zeitgenossen. Eine Tagesration enthält etwa 2.000 Kalorien, liefert ausreichend Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett und darüber hinaus auch alles, was der Körper an Mikronährstoffen für den Tag so braucht. Proteine aus Hafer, Erbsen oder Soja bilden die Grundlage. Das Pulver wird mit Wasser angerührt und ist manchmal mit Superfood wie Chia oder Spirulina angereichert. Der im Prinzip neutrale Geschmack kann bei einigen Produkten durch das Anrühren mit Fruchtsäften variiert werden. Manche Anbieter liefern auch individuelle Mischungen, wenn man beispielsweise als aktiver Sportler einen höheren Kalorienbedarf hat. Wer nämlich einfach ein Glas mehr trinkt als vorgesehen, läuft Gefahr, zu viel Eiweiß zu sich zu nehmen.

Und so punktet das Ersatzfutter

In Sachen Nährstoffversorgung lassen die Drinks, die übrigens durchaus zum Dauergebrauch konzipiert sind, kaum Wünsche offen. Auch treiben sie den Blutzuckerspiegel nicht so rasch in Höhe wie süße Energieriegel oder andere stark zuckerhaltige Produkte, die bei Heißhungerattacken unter Zeitdruck oft auf dem Speiseplan stehen. Sie sättigen vielmehr langanhaltend und garantieren eine Grundversorgung mit allen wichtigen Vitalstoffen, die sonst bei einseitiger Ernährung schon mal auf der Strecke bleibt. Gerade für ausgewiesene Koch- und Einkaufsmuffel also ein bedenkenswerte Alternative.

Da war doch noch was: die Lust am Essen

Was zunächst zeitsparend und praktisch scheint, entpuppt sich auf Dauer dann doch als eher freudloses Einerlei. Denn mal ganz ehrlich: Wer will schon auf eine Party gehen mit einem Fertigdrink im Gepäck, während alle anderen in vielerlei kleinen Köstlichkeiten schwelgen? Nach einiger Zeit mit Food-Replacement wird ziemlich schnell klar: Essen ist weitaus mehr als die Grundversorgung unseres Körpers mit Nährstoffen. Mit Blick auf die Gesundheit hinken alle Nahrungsersatzstoffe natürlichen Lebensmitteln deutlich hinterher. Gerade im Bereich der sekundären Pflanzenstoffe punkten Obst und Gemüse mit einer besseren Bioverfügbarkeit. Wer sich längere Zeit ausschließlich mit Fertigfutter aus der Tüte ernährt, vernachlässigt auch seine Kaumuskulatur. Außerdem geht der Bezug zum Essen schnell verloren, was bei einem Wiedereinstieg in normale Ernährung zu echten Problemen führen kann. Das Wissen darüber, was unserem Körper gut tut, ist in Vergessenheit geraten mit Fehlernährung oder Übergewicht als möglichen Folgen. Und die Lust am Essen geht bei Food-Replacement komplett verloren. Schon die Zubereitung der herkömmlichen Mahlzeiten spricht alle Sinne an: Gemüse ist bunt, Gewürze und Kräuter entfalten betörende Düfte. Beim gemeinsamen Kochen und Essen ist viel Zeit für entspannte Gespräche und gemeinsames Lachen. Und der Duft eines frisch gebackenen Kuchens macht einfach glücklich. Das alles fehlt bei der Astronautennahrung für den Hausgebrauch völlig.