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Er­näh­rungs­trends

Trend Schlankheitsmittel

Erst Nudeln mit Sahnesoße und Lachs, danach zwei Stückchen Schwarzwälderkirschtorte und als Durstlöscher ein Glas Limo. Schon alleine bei der Vorstellung, diese Leckereien zu verputzen, nehmen manche Leute scheinbar ein Kilo zu. Wie verlockend wäre es, so ein opulentes Mahl ohne Reue zu genießen! Diesen Traum flüstern die Hersteller von Schlankheitsmitteln den Verbrauchern ein. Auf den Verpackungen werben sie mit gertenschlanken Frauentaillen und flachen Bäuchen und suggerieren so indirekt, dass die Pillen und Pülverchen dünn machen. Das stimmt sogar, allerdings betrifft das nur den Geldbeutel. Denn wer Kohlenhydrat-, Fettblocker und Co. schluckt, ansonsten seine Essgewohnheiten und sein Lebensstil beibehält, den wird nach einer achtwöchigen Kur ein böses Aufwachen ereilen: Die Waage zeigt die übliche Ziffer, nur die Haushaltskasse ist deutlich verschlankt.

Dünn dank Kidney-Bohnen-Extrakt und Grünalgen

Die diversen Mittelchen bedienen den Wunsch, auf nichts verzichten zu müssen. Weder auf das Lieblingsessen, bestehend aus Pasta, Brot und Kuchen, noch auf die Gewohnheit, jeden Meter mit dem Auto zu fahren. Sie werben mit vollkommen neuartigen und weltweit einzigartigen Produkten, einer wissenschaftlich bestätigten Wirkung und natürlichen Zutaten. Das sind beispielsweise Grünalgen, Feigenkaktusextrakte, Kidney-Bohnen-Extrakt oder Grüntee-Extrakt. Bekanntermaßen stammen diese Stoffe aus dem Garten von Mutter Natur und sind nicht schädlich. Darum zweifeln die wenigsten Verbraucher Aufschriften wie „frei von bekannten Nebenwirkungen" an. Tatsächlich kommen unabhängige Testinstitute zu dem Schluss, dass die meisten der in Drogerien und Apotheken frei verkäuflichen Schlankheitsmittel keine gravierenden Wirkungen zeigen – weder ungewollte noch gewollte. Wer mit Fett- und Kohlenhydratblocker, Fatburner und Co. sein Hüftgold endlich langfristig los werden möchte, wird sehr wahrscheinlich enttäuscht.

Kohlenhydrate und Fette werden unverwertet ausgeschieden

Dabei ist die Idee hinter den Produkten zugegebenermaßen genial. Kohlenhydrate nimmt jeder unweigerlich durch die Nahrung auf, was auch gut so ist, da beispielsweise das Gehirn große Mengen davon benötigt. Doch ein Zuviel landet auf den Hüften, an den Oberschenkeln oder am Bauch. Kohlenhydratblocker sollen die Verdauung von Kohlenhydraten verhindern, so dass diese unverwertet wieder ausgeschieden werden. Sie sollen vor dem Essen eingenommen werden und bis zu 66 Prozent der Kalorien aus Kohlenhydraten einsparen. Allerdings nur aus langkettigen Kohlenhydraten, die zum Beispiel in Müsli oder Brot enthalten sind. Kurzkettige Kohlenhydrate hingegen wie Haushaltszucker bleiben unbehelligt. Was aber nicht dramatisch ist, denn auf das Rippchen Schokolade kann man noch verzichten, wenn man dafür einen Teller Nudeln verputzen darf. Unschön ist allerdings, dass die Kohlenhydratblocker zu einem Anstieg an unverdauter Stärke im Darm führen. Die dort lebenden Darmbakterien freut dieses Festmahl. Den Wirt weniger, weil Blähungen die Folge sein können. Auch Bauchschmerzen und Durchfall können auftreten. Fettblocker werden ebenfalls zu den Hauptmahlzeiten eingenommen und sollen Nahrungsfett im Darm binden. Dadurch wird es nicht resorbiert, sondern ausgeschieden – und die Kalorienzufuhr verringert sich. Viele Fettblocker saugen die Fette quasi wie Löschpapier auf. Das funktioniert auch im Reagenzglas prima, wie Studien gezeigt haben. Doch im wahren Leben sind die Abnehmerfolge eher bescheiden. Außerdem kann die Einnahme dieser Mittel die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) beeinträchtigen und bei Menschen, die unter einer Allergie gegen Krebstiere wie Shrimps und Garnelen leiden, zu Beschwerden führen. Denn die meisten der freiverkäuflichen Fettblocker enthalten Chitosan, das aus eben diesen Krebstieren gewonnen wird.

Die Schlankformel: Gesundes Essen und Bewegung

Der Markt an Schlankheitsmittelchen bietet noch mehr. So gibt es noch Sättigungsmittel, das sind in Kapsel- oder Tablettenform angebotene Quell- und Ballaststoffe. Mit genügend Flüssigkeit aufgenommen, sollen sie im Magen aufquellen und ihn dadurch füllen. Einen ähnlichen Effekt haben ballaststoffreiche Nahrungsmittel oder z. B. Flohsamenschalen. Ihr Nebeneffekt ist, dass sie deutlich billiger sind als die teuren „Hungerbremsen". Schließlich tummeln sich noch Fatburner im Sammelsurium der Schlankheitspillen. Sie sollen mit meist pflanzlichen Wirkstoffen den Stoffwechsel und damit den Kalorienverbrauch ankurbeln. Auch das geht günstiger und gesünder: Durch einen Spaziergang an der frischen Luft, eine Radtour oder ein paar Bahnen im Schwimmbad. So schön die Versprechen auf den Verpackungen auch klingen – wer langfristig abspecken möchte, kommt um das klassische Programm nicht herum: viel Gemüse, Vollkorn und Obst, wenig Süßes und Fettiges sowie reichlich Bewegung.