Menü Menü schließen

Infos zur Er­näh­rung

Wissenswertes rund um das Thema Ernährung.

Ach, hätt' ich einen Rettich!

Der Erkältung was husten - mit wiederentdeckten, bewährten Hausmitteln

Winterzeit, Erkältungszeit. Bei der Gelegenheit denkt fast jeder auch immer mal wieder an die guten, alten Hausmittel. Doch mal ehrlich: Wenden Sie die auch an oder greifen Sie dann, weil es so schön praktisch ist, doch lieber zum Fertighustensaft oder den Nasentropfen? Dabei wäre der gelegentliche Rückgriff auf natürliche Hausmittel nicht nur einfach in der Handhabung, sondern mitunter sehr heilsam.

Wussten Sie zum Beispiel, dass sich aus Rettich und Honig ein ausgezeichneter Hustensaft herstellen lässt, dass ein tägliches Gläschen Holundersaft das Immunsystem nachweislich stärken hilft und Zwiebelscheiben Schnupfennasen Erleichterung verschaffen?

Dass gegen (fast) jede Krankheit ein Kraut gewachsen ist, haben schon unsere Vorfahren festgestellt. Aus dem 3. Jahrtausend vor Christus stammen erste schriftliche Aufzeichnungen auf sumerischen Tontafeln über die Anwendung von Heilkräutern. Der Grieche Hippokrates, der heute als Gründer der Heilkunde und Ahnherr aller Ärzte gilt, beschrieb um 400 v. Chr. einige Hundert Heilpflanzen. Das erste abendländische Heilpflanzenbuch wurde um 60 n. Chr. von dem in Rom ansässigen Arzt Dioskurides verfasst. Etwa 600 Kräuter sind dort mit Abbildungen beschrieben. Im Mittelalter waren es dann vor allem die Klöster, in denen das Wissen um die heilende Wirkung von Pflanzen angewandt und vertieft wurde.

In den letzten Jahren nimmt das Interesse an der Pflanzenheilkunde stark zu. Gerade bei leichteren Erkrankungen besinnen sich viele Menschen auf die alten Hausmittel. Und das mit Recht. Konnten unsere Vorfahren die Heilwirkungen der Pflanzen nur durch eine individuell positive Erfahrung bestätigen, können die Wirkungen einzelner Pflanzen heute auch wissenschaftlich belegt werden. Besonders für Erkältungskrankheiten gibt es eine Fülle bewährter Hausmittel, von denen wir Ihnen einige vorstellen möchten.

In den meisten Fällen handelt es sich bei Erkältungssymptomen um einen grippalen Infekt, bei dem Hausmittel aus der Pflanzenheilkunde wirksame Erleichterung verschaffen können. Natürlich sollten Sie Ihren Arzt / Ihre Ärztin aufsuchen, wenn sich die Beschwerden nicht bessern.

Rettender Rettich: Hustensaft aus Rettich und Honig

Die Heilkraft des Rettichs war schon im alten Ägypten bekannt, in der Volksmedizin wird er seit eh und je bei Erkrankungen der Atemwege und auch bei Leber- und Gallenleiden eingesetzt. Die schleimlösende und sogar antibiotische Wirkung des Rettichs beruht auf dem Raphanol, einem schwefelhaltigen Öl, sowie mehreren Senfölglukosiden und Bitterstoffen. Zur Herstellung eines hochwirksamen Hustensaftes nehme man einen großen Rettich (schwarzer Rettich eignet sich besonders gut, Bierrettich ist aber auch geeignet). Den Kopf des Rettichs schneidet man deckelförmig ab und höhlt den Rettich aus. Je nach Größe des Rettichs füllt man ihn mit 5 - 10 Esslöffeln Honig auf, setzt den Deckel wieder auf und lässt den Rettich mindestens 2 Stunden ziehen. Die entstandene Flüssigkeit ist ein wirksamer Hustensaft, den man umfüllen und kühl aufbewahren sollte. Erwachsene nehmen 3 x tgl. je 1 Esslöffel, Kinder ab 3 Jahren 3 x tgl. je 1-2 Teelöffel. Die heilende Wirkung unterstützen Sie, indem Sie viel trinken, damit sich der Schleim lösen kann.

Scharfmacher gegen Krankmacher: Zwiebeln für Schnupfennasen

Die scharfen, schwefelhaltigen ätherischen Öle der Zwiebel helfen bei Schnupfen freier durchzuatmen. Für eine bessere Nachtruhe trotz Schnupfens stelle man eine große, in Scheiben geschnittene Zwiebel in Kopfhöhe auf. Die ätherischen Öle werden so über Nacht eingeatmet und erreichen auch schwer zugängliche Schleimhäute. Das Fenster sollte bei dieser Anwendung über Nacht geschlossen bleiben! Alternativ oder zusätzlich können Inhalationen mit Zwiebelsud die Nase frei machen: Man hackt eine Zwiebel fein und kocht sie ca. 2 Minuten in Wasser. Den Sud etwas abkühlen lassen und dann einige Minuten die Zwiebeldämpfe einatmen.

Hochwirksam und hemmend: Holunder stärkt die Abwehrkräfte

Holunder: Kaum eine andere Pflanze hat eine längere Tradition als Heilmittel gegen Beschwerden verschiedenster Art. In der germanischen Mythologie war der Holunder eine überaus geschätzte Pflanze, galt er doch als Sitz der Göttin „Holder“, die das Leben von Pflanzen und Tieren beschützte. Sowohl die Holunderblüten als auch die Holunderbeeren (Vorsicht: Rohe Beeren sind schwach giftig!) haben eine Vielzahl heilsamer Wirkungen. Die in den Blüten enthaltenen ätherischen Öle wirken entzündungshemmend und fördern die Sekretion. Die Beeren sind reich an Vitaminen A, B und C sowie am Farbstoff Sambucyanin, der zu den Flavonoiden zählt. Flavonoiden werden antientzündliche Wirkungen sowie die Fähigkeit zugesprochen, freie Radikale zu binden. Ein tägliches Gläschen Holundersaft sorgt in Zeiten erhöhter Erkältungsgefahr für verbesserte Abwehrkräfte. Wem Holundersaft zu herb schmeckt, der kann auch mit Holunderblütentee wirksam Erkältungen vorbeugen: 2 gehäufte Teelöffel Holunderblüten mit 1/4 l kochendem Wasser übergießen und knapp 10 Minuten ziehen lassen. Den Tee lauwarm trinken.

Arzneien, die schmecken: Genießen Sie sich gesund!

Die Heilkräfte der Pflanzen gezielt bei bestimmten Beschwerden zu nutzen, ist aber nur ein Aspekt. Langfristig sinnvoll und vor allem auch genussvoll und schmackhaft ist es, den täglichen Speisezettel aus den Gaben der Natur zusammenzustellen. „Die Nahrungsmittel sollen unsere Heilmittel - und die Heilmittel unsere Nahrungsmittel sein", forderte schon Hippokrates vor 2400 Jahren. Ein Gedanke, dem auch in anderen Gesundheitslehren wie z. B. im indischen Ayurveda und in der chinesischen Medizin große Bedeutung beigemessen wird. Dass gesunde Küche nicht fade und langweilig sein muss, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Mit dem Aroma frischer Kräuter werden auch einfache Gerichte schnell zum neuen Geschmackserlebnis. Püriert als Sauce zu einer Kugel Eis schmeckt auch Obstmuffeln z. B. eine gesunde Mango.

Literaturtipps

Ausführliche und interessante Informationen zu den Heilwirkungen unserer Nahrungsmittel finden sich im „Kursbuch gesunde Ernährung“ von Ingeborg Münzing-Ruef, Heyne Taschenbuch, 9,80 €

Für kulinarisch Interessierte empfehlen wir ein außergewöhnliches Kochbuch, das aus der Kooperation eines der besten Köche der Welt mit einem Arzt für Naturheilverfahren entstanden ist: "Heinz Winklers Heilpflanzen für Genießer“. Highlights der natürlichen Gourmetküche.

Ausführliche Pflanzenporträts mit erlesenen Rezepten. Haug Verlag, 29,95 €