Menü Menü schließen

Infos zur Er­näh­rung

Besser leben ohne Gluten und Laktose?

Die neue Freiheit auf dem Teller

Gluten- und laktosefreie Produkte liegen voll im Trend und machen sich zunehmend breit in den Regalen der Supermärkte. Gleichzeitig steht Weizen derzeit in den Medien am Pranger: Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen, Arthrose, Migräne, ADHS und Demenzerkrankungen sollen durch Brot, Nudeln und Kuchen verursacht werden. Wiederkehrende Magen- und Darmprobleme mit Durchfällen, Bauchschmerzen und Völlegefühl werden ebenfalls häufig mit Weizen assoziiert. Hier kommt jedoch auch Milch als die Schuldige in Betracht.

Derart verunsichert, greifen immer mehr Menschen zu gluten- und laktosefreien Speziallebensmitteln in dem Glauben, damit irgendwie auf der sicheren Seite zu sein. Von diesen profitiert allerdings nur, wer wirklich Zöliakie hat oder an einer Laktoseintoleranz leidet. Alle anderen geben zwar mehr Geld aus, haben aber keinen gesundheitlichen Vorteil. Hinzu kommt: Die Auswahl an Lebensmitteln ist erheblich eingeschränkt. Eine Frei-von-Diät ohne Diagnose ist also schlichtweg überflüssig. Wer erhebliche Beschwerden hat, sollte besser zunächst seine Arztpraxis aufsuchen.

Weizenunverträglichkeit?

Zum Glück vertragen nur sehr wenige Menschen keinen Weizen: Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet an Zöliakie. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Klebereiweiß Gluten eine chronische Darmentzündung mit einer Verringerung der Darmzotten hervorruft. Diese Personen müssen allerdings nicht nur Weizen, sondern alle glutenhaltigen Getreidesorten strikt meiden.

Bei einer umfassenden Weizenallergie, von der ungefähr einer von 1.000 Menschen betroffen ist, richtet sich die immunologische Reaktion auf verschiedene Weizenproteine wie Gliadin, Gluten, Albumin oder Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI). Auch andere Getreidesorten wie Dinkel, Einkorn oder Kamut werden meist schlecht vertragen, da die Allergieauslöser in ähnlicher Weise vorhanden sind. Sowohl die Zöliakie wie auch die Weizenallergie lassen sich durch entsprechende Antikörper-Nachweise diagnostizieren. Schwieriger ist eine eindeutige Diagnose der Weizensensitivität, die genauer auch als Nicht-Zöliakie-Nicht-Allergie-Weizensensitivität bezeichnet wird. Die Symptome ähneln denen einer Zöliakie: Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung und Durchfälle. Hinzu kommen oft eher unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit oder verminderte Leistungsfähigkeit. Da noch keine Blutmarker bekannt sind, kann die Diagnose nur durch ein Ausschlussverfahren gestellt werden.

Ursächlich für die Beschwerden sind vermutlich die Amylase- Trypsin-Inhibitoren, pflanzeneigene Abwehrstoffe gegen Krankheiten und Parasiten. Sie aktivieren das angeborene Immunsystem – entzündliche Reaktionen im Darm, aber auch in anderen Körperregionen sind die Folge. Moderne resistente Weizenzüchtungen enthalten mehr ATIs als ältere Sorten. Auch die sogenannten FODMAPs, nicht resorbierbare „Fermentierbare Oligo-Di- und Monosaccharide und Polyole“ könnten hier eine Rolle spielen. Diese Kohlenhydratgruppe, die auch in Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten vorkommt, gilt als Auslöser von Reizdarmbeschwerden. Etwa ein halbes bis sechs Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Weitere Forschungen zu dem Thema stehen noch aus.

Laktoseintoleranz?

Etwa 15 bis 35 Prozent der Deutschen leiden an einer Laktoseintoleranz. Ein Mangel an dem Enzym Laktase bewirkt, dass der Milchzucker Laktose nicht aufgespalten und verwertet werden kann. Ein kompletter Verzicht auf Milch- und Milchprodukte ist keineswegs immer nötig, mitunter werden kleine Mengen durchaus gut vertragen. Die Symptome mit Blähungen, Erbrechen, Übelkeit, aber auch Müdigkeit und Kopfschmerzen ähneln denen von Weizenunverträglichkeiten. In der Arztpraxis kann eine Laktoseintoleranz durch einen Wasserstoffatemtest diagnostiziert werden.

Frei-Von-Diät auf dem Prüfstand

Allergien und Unverträglichkeiten nehmen hierzulande zu. Ebenso die Verunsicherung darüber, was man eigentlich noch essen darf. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung glaubt Umfragen zufolge, Beschwerden nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel zu haben. Diese Zahlen liegen sehr deutlich über denen der tatsächlichen Erkrankungen. Mitverantwortlich dafür könnte der sogenannte Nocebo-Effekt sein. Anders als beim Placebo-Effekt kann hier eine negative Erwartungshaltung zu realen Beschwerden wie Bauchschmerzen nach dem Verzehr von Weizen führen. Ferner suggeriert die Werbung oftmals die Übereinstimmung von „frei von“ und „gesund und leicht“. Doch gluten- oder laktosefreie Produkte haben nicht weniger Kalorien und lassen die Pfunde nicht im Handumdrehen purzeln. Und wer aus Verunsicherung komplett auf Milch und Milchprodukte verzichtet, riskiert sogar eine Unterversorgung mit Kalzium. Außerdem ist nicht jedes Unwohlsein ein sicherer Hinweis auf eine Allergie oder Unverträglichkeit.

Deshalb: Lassen Sie sich nicht verunsichern!