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Infos zur Er­näh­rung

Chia-Samen: Superfood – oder super gut vermarktet? 

Chia-Eis am Stil, Chia-Brötchen oder Chia-Müsli – die Samen sind in aller Munde. Sie sollen gesund sein und fit machen. Allerdings sind sie auch teuer, aber keineswegs alternativlos. Der heimische Leinsamen ist eigentlich genauso gut und dabei wesentlich preisgünstiger.

Es führt kein Weg dran vorbei: Ob im Supermarkt, in der Drogerie oder in der Buchhandlung, überall trifft man auf den Namen Chia. Die einen wollen Chia-Brötchen an die Frau bringen, die nächsten Chia-Samen an den Mann und die letzten Kochbücher mit Chia-Rezepten an alle. Die ernährungsbewussten Deutschen kaufen das Pseudogetreide auch fleißig – und streuen die Samen der Chiapflanze überall drauf: aufs Müsli, den Salat, auf die Suppe. Da die schwarzen Winzlinge geschmacksneutral sind und im Wasser stark aufquellen, eignen sie sich sogar als Ei- oder Margarineersatz beim Backen oder als Geliermittel für Pudding und Soßen. Außerdem stecken die unauffälligen Körner bis zum Rand voller guter Nährstoffe, beispielsweise den essenziellen mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Mehr als 30 Prozent Fett verbirgt sich in den Samen, ein Großteil sind Alpha-Linolensäure (Omega-3) und Linolsäure (Omega-6). So viel der für den menschlichen Organismus wertvollen Säuren weist sonst nur fettreicher Fisch auf.

Reich an Proteinen, Eiweiß und Ballaststoffen

Bemerkenswert ist ebenfalls der hohe Proteingehalt. Chia-Samen haben einen Eiweißanteil von fast 17 Prozent und enthalten mit rund 34 Gramm pro 100 Gramm eine Menge verdauungsfördernde Ballaststoffe. Dazu sind sie reich an Vitaminen (z. B. C, B1 und B3) und Mineralien (z. B. Magnesium, Kalzium und Phosphor). Die Werbung preist die Samen deshalb längst als Superfood an, das bei regelmäßigem Verzehr gesünder und fitter macht. Ob das stimmt oder nicht, darüber lässt sich derzeit keine Aussage treffen. Denn noch ist die Studienlage dünn und es fehlen Langzeituntersuchungen.

Chia-Samen stammen aus Südamerika oder Australien

Auch bei der Zulassung als Lebensmittel ist man in Europa noch vorsichtig. Bei der Markteinführung 2009 durften die Körner nur in Backwaren verwendet werden, seit 2013 sind die reinen Chia-Samen als Lebensmittel zugelassen. Allerdings gab die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Verzehrempfehlung von maximal 15 Gramm täglich heraus. Das entspricht ungefähr einem gefüllten Esslöffel. Den man aus gesundheitlicher Sicht auch gut über seinem Essen verkrümeln kann, wenn man mag. Immerhin sind allergische Reaktionen auf die Körner eher unwahrscheinlich. Dennoch hat das vermeintliche Superfood Nachteile. Da wäre zunächst der CO2-Fußabdruck dieses Lebensmittels, da Chia-Samen aus Südamerika oder Australien stammen und weit gereist sind, bis sie in den deutschen Supermarktregalen liegen. Hinzu kommt der Preis. Für 1000 Gramm zahlt der ernährungsbewusste Kunde rund 20 Euro. Wählt er stattdessen das heimische Pendant zur Chiapflanze – das einen ähnlich hohen Nährstoffgehalt und die gleichen Quelleigenschaften aufweist – muss er wesentlich weniger berappen: Leinsamen kostet als 1000-Gramm-Paket nicht mehr als drei oder vier Euro und bewährt sich seit Menschengedenken beispielsweise als urgesunde Beigabe zu Backwaren und sorgt u. a. für eine gute Verdauung, lässt sich aber auch ins Müsli oder in den Joghurt rühren.