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​Eier – warum gibt es immer wieder Skandale?

Ein Leben ohne Eier? Undenkbar für die meisten Menschen. Durchschnittlich 235 Eier wurden im Jahr 2016 in Deutschland pro Kopf verzehrt – 26 mehr als noch zehn Jahre zuvor. Eingerechnet sind nicht nur die Frühstückseier, sondern auch die in Lebensmitteln verarbeiteten Eier.

Das Ei ist hierzulande nicht nur ein äußerst beliebtes, sondern auch ein als gesund geltendes und wichtiges Lebensmittel. Umso härter trifft es uns, wenn im Ei immer wieder potenziell gesundheitsschädliche Substanzen entdeckt werden wie unlängst das Breitband-Insektizid Fipronil.

Wie hoch ist das Risiko im aktuellen Fall überhaupt?

Das Mittel findet sich längst nicht in allen Eiern. Viele Eierproduzenten setzen auf andere Methoden und reinigen ihre Hühnerställe nicht mit dem Insektizid, sondern setzen beispielsweise auf Gesteinsmehl oder schlicht und einfach den Hochdruckreiniger. Hier ist das Risiko für den Verbraucher gleich Null. Wie sieht es bei Fipronil aus?

Fipronil ist dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand weder als mutagen noch als kanzerogen eingestuft. Ein Erwachsener von 65 kg Körpergewicht könnte dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge an einem Tag sieben Eier essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert, die akute Referenzdosis (ARfD), überschritten wird. Solange die abgeschätzte maximale Aufnahmemenge unterhalb der ARfD bleibt, ist eine gesundheitliche Gefährdung unwahrscheinlich. Ein Kind mit einem Körpergewicht von 10 kg, was einem Alter von etwa einem Jahr entspricht, kann demnach ein Ei pro einem Tag essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert überschritten wird. Selbst wenn die Dosis überschritten wird, tritt nicht zwangsläufig eine Gesundheitsschädigung ein. Lediglich kleine Kinder und Schwangere sollten besondere Vorsicht walten lassen, um wirklich ganz sicher zu gehen.

In höheren Dosen kann Fipronil bei Menschen Haut und Augen reizen sowie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen. Die Gesundheitsgefahren sind also – vor allem bezogen auf die Menge der Eier, die dann verzehrt werden müssten – als eher gering einzustufen. Fakt bleibt allerdings, dass es nicht in Ordnung ist, wenn Lebensmittel Verunreinigungen enthalten oder schlicht und einfach nicht das sind, was sie vorgeben zu sein: ein gesundes Naturprodukt. Wie kommt es überhaupt dazu? Und warum passiert so etwas immer wieder?

Verursachen Gier und Geiz Lebensmittelskandale?

Vor einigen Jahren waren es Dioxin- und Pflanzenschutzmittelrückstände im Ei, die uns Verbraucher ängstigten. Dann kamen gefälschte Bioeier auf den Tisch. Und immer wieder werden auch die Haltungsbedingungen der Legehennen und das Schicksal der für die Eierproduktion unbrauchbaren männlichen Küken angeprangert. Die Skandale rund ums Ei reihen sich ein in die Chronik zahlreicher anderer Lebensmittelskandale.

Alle diese Skandale haben womöglich eine gemeinsame Ursache: Die Gier der Produzenten und den Geiz der Verbraucher. Wo der Produzent mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel Gewinn erzielen will, bleibt es nicht aus, dass an allem gespart wird: an der Qualität des Futters etwa oder an der Qualität der Haltungsbedingungen.

Doch es wäre zu einfach, den Erzeugern die alleinige Schuld anzulasten. Auf der anderen Seite stehen nämlich wir Verbraucher – wir verlangen billige Lebensmittel. Wer öfter im europäischen Ausland unterwegs ist, weiß es: Nirgendwo sind Lebensmittel so billig wie in Deutschland. Während bei uns rund 10 % des Haushaltsnettoeinkommen für Lebensmittel ausgegeben werden, sind es in Dänemark knapp 12 %, in Italien und Spanien 14 % und in Polen 19 %. Setzt die Erwartung niedriger Preise die Produzenten unter Druck? Und könnte sich etwas ändern, wenn auch wir Verbraucher unsere Einstellung änderten?

Vielleicht wäre es an der Zeit, dass wir anfangen, unsere Lebensmittel wieder wertzuschätzen. Am Beispiel Ei wollen wir in einer kleinen Serie untersuchen, worauf wir bei Eiern verstärkt achten sollten. Wir gehen dabei auf die Bedingungen der Eierproduktion ein, den gesundheitlichen Wert eines Eies, die Verwendung von Eiern, auf Ei-Ersatzprodukte in der veganen Küche sowie auf die immer wieder im Zusammenhang mit Eiern thematisierte Salmonellenproblematik.