Menü Menü schließen

Infos zur Er­näh­rung

Gute oder schlechte Wurst?

Die vegetarischen Wurstwaren liegen im Supermarktregal direkt neben den Originalen aus Fleisch. Der Markt boomt. Doch ist das wirklich eine sinnvolle und gesunde Alternative?

Auf den ersten Blick ist das Double nicht vom Original zu unterscheiden: Die Salami besitzt exakt die rosa-rote Farbe, die eine leckere Salami ausmacht. Sogar die kleinen, weißen Fettpartikel scheinen in der Wurst zu sein. Trotzdem enthält das, was sich da als Salami ausgibt, keinerlei Fleisch oder Speck. Um zu verstehen, woraus die vegetarische Wurst hergestellt wurde, muss man ein wenig Zeit mitbringen. Denn die Liste ist lang: Unter anderem besteht das Double aus Öl, Weizengluten, Weizenmehl, Verdickungsmitteln und Säureregulatoren, Eiklar, Farbstoffen, Salz, Zucker und Gewürzen. Oft sind auch Sojabohnenprodukte enthalten. Das fleischliche Original wiederum wird vor allem aus Fleisch, Speck, Salz, Zucker und Gewürzen sowie Antioxidationsmitteln und Konservierungsstoffen gefertigt. Damit die fleischlose Salami nicht nur so aussieht, sondern auch wie das Original schmeckt und sich auf der Zunge original anfühlt, müssen die einzelnen Zutaten lange verarbeitet werden. Besonders die Konsistenz bereitet oft Probleme. Schließlich soll die vegetarische Variante eine Textur haben, die an Salami erinnert – und nicht etwa an Pappe.

Das Verlangen nach Fleisch

Was derzeit in den Supermarktregalen liegt, kann optisch und geschmacklich durchaus in vielen Fällen als gelungen durchgehen. Da wundert es nicht, dass der Markt mit den Fleischimitaten boomt. Immerhin steigt auch die Zahl der Menschen, die sich bewusst gegen den Verzehr von Fleisch – oder zumindest für einen eingeschränkten Konsum – entscheiden. Bei dieser Entscheidung des Kopfes macht aber oft der Bauch einen Strich durch die Rechnung. Der verlangt nämlich scheinbar aus heiterem Himmel nach Fleisch: Zum Beispiel beim Geruch einer Dönerbude oder wenn im nachbarlichen Garten ein Steak auf dem Grill brutzelt. Genau hier sehen die Hersteller von vegetarischer Salami, Fleisch- und Bratwurst, Hamburgern sowie vegetarischem Schnitzel, Hack und Frikadellen den Bedarf, den sie gerne bedienen. Häufig sind das übrigens genau die gleichen Hersteller, die sich zuvor mit der Verarbeitung von Schweine- und Geflügelfleisch einen Namen gemacht haben. Nun werden neben echten Würsten den echten ähnliche falsche Würste produziert. Ob man diese Entwicklung als Vegetarier durch den Kauf der vegetarischen Wurstwaren unterstützen möchte, muss letzten Endes jeder für sich entscheiden.

Frische Lebensmittel sind gesünder

Auch die Entscheidung, ob man unbedingt ein pflanzliches Lebensmittel, das eines aus Fleisch imitiert, braucht, will gut überlegt sein. Gegen einen gelegentlichen Genuss, z. B. einer vegetarischen Bratwurst beim Grillabend mit Freunden, spricht nichts. Doch zu einer gesunden, vollwertigen Ernährung zählt das industriell aufwändig verarbeitete Fleischersatzprodukt ganz sicher nicht. Vollwertige Ernährung besteht vor allem aus frischen Lebensmitteln, die ohne ein langes und aufwändiges Herstellungsverfahren auf dem Teller landen. Wer hierbei bleibt, isst definitiv gesünder. Und falls das Verlangen nach einem saftigen Stück Fleisch zu groß wird? Dann wäre ein schöner Braten, z. B. an jedem vierten Sonntag gegessen, ein leckerer Kompromiss.