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Infos zur Er­näh­rung

Übersäuerung - Was kann ich dagegen tun?

Sie leiden oft unter Kopfschmerzen, Dauermüdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie einer erhöhten Infektanfälligkeit? Manch ein Online-Ratgeber würde das als Anzeichen einer chronischen Übersäuerung werten und Ihnen die Einnahme von Basenpulvern nahelegen. Die chronische Übersäuerung als Folge einer falschen Ernährungsweise gilt vor allem den Anbietern basischer Produkte als eine der großen Zivilisationskrankheiten, zu deren Folgen neben Rheuma, Gicht und Osteoporose auch Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall zählen sollen. Doch wie ernst ist das Thema wirklich? Sind Basenpulver, Basentabletten und basischen Körperpflegeprodukte wirklich lebenswichtig oder am Ende doch nur ein cleveres Geschäftsmodell, das mit unseren Ängsten spielt?

Ein wenig Chemie muss sein

Vorweg dies: Ohne Säure kein Leben. Säuren und Basen sind für unsere Körperfunktionen gleichermaßen wichtig. Während das Blut einen pH-Wert (der pH-Wert gibt den Säuregrad an) im leicht basischen Bereich haben sollte, muss der Magen ein extrem saures Milieu aufweisen – anders wären eine Aufspaltung der Nahrung und die Abwehr von Krankheitskeimen kaum möglich. Gleiches gilt für die Haut – ein leicht saures Milieu bietet Schutz.

Im Normalfall sorgen Puffersysteme für Ausgleich: Überschüssige Säuren werden über Lunge und Nieren wieder abgegeben. Eine akute Übersäuerung etwa infolge von Nierenversagen ist die Ausnahme. Dann allerdings muss der Betroffene umgehend in medizinische Behandlung. Frei verkäufliche Basenpulver sind in solchen lebensbedrohlichen Fällen weder für eine Akutbehandlung ausreichend noch zur Vorbeugung geeignet.

Gibt es einen Zusammenhang von Ernährung und Übersäuerung?

Saure Lebensmittel sind nicht unbedingt sauer: Die sauer schmeckende Zitrone etwa wirkt trotz ihres Gehaltes an Fruchtsäuren sogar leicht basisch. Als Ursache einer Übersäuerung wird eine falsche Ernährungsweise mit zu viel Fleisch, Wurst, Käse, Getreideprodukten, Kaffee, schwarzem Tee und Alkohol angegeben – Nahrungs- und Genussmitteln also, die eigentlich gar nicht sauer schmecken. Tatsächlich enthalten aber besonders tierische Proteine schwefelhaltige Verbindungen, bei deren Abbau im Körper Säuren entstehen.

Die Lebensmittel werden nach starken und schwachen Säurebildnern unterschieden, allerdings nicht immer einheitlich – der Aussagewert einschlägiger Tabellen ist also zweifelhaft. Auch der häufig empfohlene Urin-pH-Test liefert keine Sicherheit. Erstens lässt saurer Urin keinen Rückschluss auf den Säuregehalt des Blutes oder des Gewebes zu. Und zweitens kann er auch einfach ein Hinweis darauf sein, dass Säuren über die Nieren ausgeschieden werden (was ja gut ist). Der Säuregehalt des Urins kann denn auch stark schwanken. Die von manchen Herstellern basischer Nahrungsergänzungsmitteln empfohlene tägliche Baseneinnahme kann man getrost ignorieren, zumal ein echter Wirksamkeitsnachweis bislang nicht erbracht werden konnte. Dennoch ist eine Ernährungsumstellung sinnvoll.

Ausgewogene Ernährung für ein ausgewogenes Säuren-/Basenverhältnis

Einer befürchteten Übersäuerung und ihren Folgen können Sie ganz einfach und kostengünstig entgegenwirken – ernähren Sie sich ausgewogen! Die Einhaltung einiger einfacher Grundregeln macht die Einnahme von Basenpulvern und anderen Nahrungsergänzungsmitteln überflüssig. Essen Sie viel Obst und Gemüse und verzichten Sie weitgehend auf Genussmittel wie Kaffee, Nikotin und Alkohol. Das ist schon mal eine gute Grundlage. Fleisch und Wurst sollten künftig eher selten auf dem Speiseplan stehen.

Weiterhin ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von großer Bedeutung: Stilles Wasser, ungesüßte Kräutertees und Saftschorlen sind ideal und unterstützen die Ausscheidungsfunktion der Nieren. Außerdem wichtig: Viel Bewegung an frischer Luft bei häufigem tiefem Durchatmen – die tiefe Ausatmung fördert die Ausscheidung von Kohlensäure, die in Form von Kohlendioxid abgeatmet wird. Und wer bei der Bewegung ins Schwitzen kommt, fördert zusätzlich die Säureausscheidung über den Schweiß. Und noch etwas: Vermeiden Sie Stress, gerade auch beim Essen – essen Sie also langsam essen, kauen Sie gründlich! Toller Nebeneffekt: Sollten Sie unter Übergewicht leiden, werden Sie auf diese Weise gleich auch ein paar überflüssige Pfunde verlieren.