Menü Menü schließen

All­er­gi­en

Hyposensibilisierung

Das Übel an der Wurzel packen: Die Hyposensibilisierung ist die einzige Behandlungsmethode, die die Ursachen der allergischen Erkrankung ins Visier nimmt. Durch die Gabe von ansteigenden Allergenmengen über einen längeren Zeitraum lässt sich die individuelle immunologische Toleranz signifikant steigern. Ein spürbares Nachlassen der Beschwerden ist die Folge. Außerdem können auch eine Ausbreitung des allergenen Spektrums und der gefürchtete Etagenwechsel bei Heuschnupfen hin zu einem allergischen Asthma in vielen Fällen vermieden werden. Sehr hohe Erfolgsquoten mit bis zu 95 Prozent erzielt die Immuntherapie bei Insektengiftallergie, außerdem wird sie erfolgreich mit einer Quote von etwa 70 Prozent bei Allergien auf Pollen und Hausstaubmilben und mit eingeschränkter Wirksamkeit bei Schimmelpilzen und Tierhaaren eingesetzt. Besonders bewährt hat sich die Behandlung bei jungen Betroffenen, diese haben nämlich meist noch ein schmales Allergiespektrum. Neben einer Therapie mit regelmäßigen Spritzen kommen mittlerweile auch Tropfen oder Tabletten zum Einsatz. In jedem Fall wird die Therapie von Fachärzten begleitet.

Steigerung der immunologischen Toleranz

Eine Fehlreaktion des Immunsystems verursacht bei Allergikern die typischen allergischen Entzündungsreaktionen: Hautrötungen, Quaddelbildungen, laufende Nase und tränende Augen bringen erhebliche Beschwerden mit sich. In einzelnen Fällen kommt es auch zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Es ist kaum möglich, die Allergie-Auslöser konsequent zu meiden. Ziel der Therapie ist es daher, die überschießende Immunantwort bis zu einem gewissen Grad zu blockieren. Durch regelmäßige Verabreichungen des Allergens bis hin zu sehr hohen Dosen über einen mehrjährigen Zeitraum gewöhnt sich das Immunsystem an die Allergie-auslösende Substanz und lernt, diese zu tolerieren. Die Symptome verschwinden ganz oder reduzieren sich auf ein erträgliches Niveau. Die früher Desensibilisierung genannte Behandlung bezeichnet man heute als Hyposensibilisierung, Spezifische Immuntherapie (SIT) oder Impfung mit Allergenen.

Mit Geduld zum Erfolg

Am Anfang der Therapie steht die genaue Bestimmung der auslösenden Allergene. Zwar dauert die Behandlung bei Pollenallergikern in der Regel drei, bei Insektengift-Allergie sogar fünf Jahre, doch bereits nach einem Jahr profitieren die meisten von einer Linderung der Beschwerden. Zunächst spritzt der Arzt bei der subkutanen Injektionsbehandlung eine kleine Menge des Allergens in das Unterhautfettgewebe des Oberarms. Wegen möglicher Gefahren einer allergischen Reaktion wird der Patient etwa 30 Minuten in der Praxis überwacht. Nach und nach wird die Dosis dann bis zur Maximaldosis stetig erhöht. Besonders bei Kindern kommen außer Spritzen auch Tabletten oder Tropfen mit Erfolg zur Anwendung. Die Nebenwirkungen beschränken sich in der Regel auf Hautveränderungen an der Einstichstelle oder bei oraler Therapie auf vorübergehende leichte Symptome im Mund-Rachen-Raum. Wichtig für den Erfolg ist Durchhaltevermögen: Die Therapie darf nicht unterbrochen oder gar abgebrochen werden, wenn sie zu Erfolg führen soll.

Therapie im Fortschritt

Zur Verbesserung der therapeutischen Erfolgsquoten wird ständig an neuen Präparaten geforscht. Nachdem lange Zeit die Allergene, also die Eiweiß-Bestandteile, im Vordergrund gestanden hatten, rücken jetzt sogenannte niedermolekulare Substanzen in den Mittelpunkt der Forschung. Birkenpollen etwa enthalten außer allergieauslösenden Proteinen noch jede Menge nicht allergene Substanzen, die allerdings die allergischen Reaktionen erheblich verstärken. Biotechnologisch hergestellte Präparate, die das Allergen ohne die niedermolekularen Begleitstoffe enthalten, könnten noch bessere Therapie-Erfolge erzielen.