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Zahngesundheit

Weisheitszähne: Nur ein überflüssiges Relikt?

Im Alter von ungefähr 12 Jahren ist der Zahnwechsel meist abgeschlossen. Die Milchzähne sind durch die bleibenden Zähne ersetzt. Die sogenannten Weisheitszähne (jeweils die hintersten Zähne der Zahnreihe) bilden sich später und zeigen sich meist erst im Erwachsenenalter. Oft bleiben sie auch im Kiefer, „brechen also gar nicht durch" – und sorgen bei vielen für Probleme.

Biologen sehen in den Weisheitszähnen Überbleibsel einer evolutionären Entwicklung: So hatten unsere frühen Vorfahren noch 44 Zähne im Mund (heute sind es inklusive Weisheitszähne 32) und entsprechend breitere Kiefer. Das war sinnvoll, um rohe Nahrung ausreichend kauen und zermahlen zu können. Durch die Änderung unserer Ernährungsgewohnheiten haben sich evolutionär auch Zahnzahl, -form und Kieferknochen verändert. Der Kiefer wurde schmaler und der störungsfreie Durchbruch der Weisheitszähne in der Folge oft durch Platzmangel verhindert.

Vorsorgliche Entfernung als übliches Vorgehen

Mittlerweile werden in Deutschland jährlich ungefähr eine Million Weisheitszähne entfernt. Ein großer Teil dieser Eingriffe erfolgt vorsorglich, also auch dann, wenn die Zähne (noch) keine Probleme machen. Da der Eingriff aber auch Risiken birgt, sollte die Entscheidung dafür oder dagegen sorgfältig abgewogen werden.

Bleibt ein Weisheitszahn im Kiefer, können folgende Probleme entstehen:

  • Verschiebungen der anderen Zähne, daraus resultierende Fehlstellungen vor allem bei den Frontzähnen im Unterkiefer
  • Durch die Verschiebungen kann der Erfolg einer vorherigen kieferorthopädischen Behandlung beeinträchtigt werden
  • Bei schräg wachsenden Weisheitszähnen sind Beschädigungen des Nachbarzahnes möglich
  • Nur teilweise herausgewachsene Weisheitszähne lassen sich nur schwer reinigen, Entzündungen können die schmerzhafte Folge sein

Aber auch die Entfernung der Weisheitszähne ist nicht risikofrei: Vor allem im Unterkiefer können Nerven verletzt werden, was zu dauerhaften Missempfindungen in Zunge und Lippe führen kann.

Ein sogenanntes OPG (Orthopantomogramm = Übersichtsröntgenbild), auf dem der gesamte Kiefer zu sehen ist, dient als erste Entscheidungshilfe, was im Einzelfall ratsam ist. Dort sieht der Zahnarzt auch, wie die Nerven verlaufen und wie kompliziert die Entfernung wäre.

Frühe Entfernung heißt weniger Komplikationen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Entfernung der Weisheitszähne? Die Studienlage ist nicht einheitlich, offenbar zeigt sich aber die Tendenz, dass eine frühzeitige Weisheitszahnentfernung Vorteile bietet. Komplikationen treten seltener auf als bei späterer Entfernung. Weiterhin führt Abwarten häufiger zu Schäden an Nachbarzähnen als die prophylaktische Entfernung. Wurde eine kieferorthopädische Behandlung durchgeführt, raten Experten ohnehin meist dazu, nach Abschluss der Behandlung die Weisheitszähne zu entfernen, um das Ergebnis nicht erneut zu gefährden. Hier würde man also bereits die Zahnkeime operativ entfernen und nicht warten, bis die Zähne durchgebrochen sind. Das sollte allerdings keinesfalls vor dem 14. Lebensjahr erfolgen, da in diesem Alter noch Kieferwachstum stattfinden kann.