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​Radfah­ren

Warum Radfahren so gesund ist - Sportmedizinerin Dr. Imke Schmitz-Losem im Gespräch

Das Fahrrad ist eines der beliebtesten Fortbewegungsmittel der Deutschen. Studien haben ergeben, dass der gute alte Drahtesel besonders bei jungen Großstädtern längst zum hippen Lifestyle-Objekt avanciert ist. Darüber hinaus liegt man mit dem Rad nicht nur voll im Trend und tut zudem etwas für die Umwelt, es lässt sich auch ideal als Sportgerät nutzen. Auf dem Weg zur Arbeit beispielsweise sogar fast nebenbei. Für alle, die jetzt mit dem Gedanken spielen, sich demnächst auch auf den Sattel zu schwingen, haben wir die Gesundheitsexpertin Dr. Imke Schmitz-Losem der pronova BKK zum Thema befragt.

Frau Dr. Schmitz-Losem, Sie sind selbst passionierte Rennradfahrerin. Für wen ist Radfahren am besten geeignet?

Schmitz-Losem: Es gibt eigentlich niemanden, für den diese Sportart nicht geeignet ist. Radfahren ist sehr gut für das Herz-/Kreislaufsystem, ohne den Bewegungsapparat zu überfordern. Auch ist es möglich, den Belastungslevel je nach körperlicher Kondition individuell anzupassen. Das macht es so attraktiv und vielseitig.



Was sind die Vorteile gegenüber anderen Sportarten, zum Beispiel Joggen?

Schmitz-Losem: Radfahren punktet gegenüber anderen Ausdauersportarten mit einem wichtigen Vorteil: Es entlastet die Gelenke, da hier das Fahrrad das Körpergewicht trägt. Somit werden die Gelenke weitaus weniger beansprucht als beim Joggen. Deshalb ist es sowohl für übergewichtige als auch für untrainierte und ältere Menschen äußerst empfehlenswert. Vor allem aber bringen Radler ihren Körper auf Trab! Wer regelmäßig in die Pedale tritt, stärkt die Pumpfunktion des Herzens, regt den Stoffwechsel an, baut überschüssige Fettpölsterchen ab, kräftigt Muskeln und Lunge – und hellt zudem seine Stimmung auf.

Welche Muskelgruppen werden dabei beansprucht?

Schmitz-Losem: Die am stärksten beanspruchten Muskeln beim Radfahren sind Beine, Po sowie die Rückenmuskulatur. Auf dem Weg zu strafferen Beinen und einem knackigen Po kann Radfahren deshalb einen optimalen Beitrag leisten. Und Sie profitieren von jedem noch so kleinen Ausflug - nicht nur im Hinblick auf die Benzinkosten und das Klima!

Was muss ich beachten, wenn ich mit dem Radfahren beginnen möchte?

Schmitz-Losem: Die Trainingsdauer sollte immer im Bereich des eigenen Fitnesslevels liegen. Für Anfängerinnen und Anfänger ist es ratsam, auf Zeit statt auf Kilometer zu fahren und regelmäßige Pausen einzuhalten. Trainingseinheiten von zwei- bis dreimal 30 Minuten pro Woche bilden die optimale Basis, die Sie nach und nach ausbauen können. Wer unsicher ist, sollte vor Trainingsbeginn Sportmediziner oder Experten zu Rate ziehen. Egal ob Rennrad, Mountainbike, Citybike oder E-Bike, lassen Sie sich zur richtigen Sitzposition beraten. Die falsche Sattelhöhe oder Lenkereinstellung kann leicht zu Beschwerden führen. Ein Check beim Fachmann schafft hier Abhilfe. Wer überlegt, sich ein Rennrad zuzulegen, sollte sich außerdem über die richtige Bekleidung informieren. Eine Radhose mit Sitzpolster ist in dem Fall Gold wert. Viele Menschen scheitern an der Motivation.

Was ist Ihr persönlicher Tipp für Sportmuffel?

Schmitz-Losem: Suchen Sie sich einen Trainingspartner bzw. -partnerin oder dokumentieren Sie ihre Erfolge mit einem Fahrradcomputer! Den gibt es heutzutage sogar schon im App-Format für das eigene Smartphone. So können Sie ihre Fortschritte mit Freunden und Familie teilen. Das steigert die Motivation und hilft, den inneren Schweinehund zu überwinden. Diejenigen, die weniger sportlich ambitioniert sind, können sich ein schönes Ziel aussuchen und die Nähe zur Natur genießen – zum Beispiel eine Fährfahrt über den Rhein, einen Museumsbesuch oder eine Stadtbesichtigung. Auch das macht viel Spaß in einer Gruppe Gleichgesinnter.

Fest im Sattel – 3 Tipps zum Erfolg

  • Nicht jedes Rad eignet sich für jede Person!

    Wählen Sie Ihren Radtyp je nach Anforderung und lassen Sie sich gegebenenfalls fachkundig beraten. Ein Citybike beispielsweise ist komfortabel und ideal, um kürzere, weniger anspruchsvolle Strecken zurückzulegen. Möchten Sie hingegen im Gelände fahren, ist ein Mountainbike das Rad Ihrer Wahl.
  • Rahmen- und Sattelhöhe müssen den eigenen Körpermaßen angepasst sein, um Fehlbelastungen vorzubeugen.

    Ein gut gefederter Qualitätssattel ist hierbei unabdingbar.Achten Sie außerdem auf eine natürliche, d.h. aufrechte Haltung Ihrer Wirbelsäule. In der unteren Pedalstellung sollte das Knie leicht gebeugt sein. Beim Anhalten sollten Sie den Boden mit den Zehenspitzen berühren können. Der Lenker sollte höher als der Sattel eingestellt und bequem erreichbar sein.
  • Muten Sie sich nicht zu viel zu!

    Ganz gleich, ob Sie nach längerer Pause wieder einsteigen oder erstmals aktiv werden: Messen Sie sich weder an den eigenen Leistungen früherer Jahre noch an den Leistungen Ihrer Freunde oder Kolleginnen und Kollegen, die schon ein Weilchen aktiv sind. Lassen Sie es langsam angehen. Nur so können Sie vermeiden, dass Sie in Folge einer Überbeanspruchung aus dem Rennen geworfen werden, ehe Sie richtig angefangen haben.