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Trend­sport­ar­ten

Freerunning: Die Stadt als riesiger Spielplatz


Komplett verrückt oder total genial? Beim Freerunning wird Fortbewegung zur Kunst. Je mehr Drehungen, Flips und Flugeinlagen vorkommen, desto besser.

Der Mann balanciert auf einem schmalen Geländer, springt rückwärts ab, macht einen eleganten Backflip und landet sicher auf den Fußballen. Statt zu verschnaufen, sprintet er auf eine Bank zu, über die er im Hocksprung hinweg fliegt. Kaum wieder auf dem Boden, rennt er weiter, dem nächsten Hindernis entgegen. Für Freerunner ist die Stadt ein gigantischer Spielplatz. Sie turnen über Dächer und Treppen, laufen über Brückengeländer und springen von Zäunen. Mauern halten sie nicht auf, sondern sind eine willkommene Gelegenheit, einen neuen Sprung auszuprobieren. Denn beim Freerunning geht es vor allem um die Art der Fortbewegung. Je mehr Drehungen, Flips und Flugeinlagen vorkommen, desto besser. Einschränkungen existieren nicht. Jedem Freerunner bleibt es überlassen, mit welcher Technik er das jeweilige Hindernis überwindet. Die einzelnen Techniken sind vor allem der Akrobatik und dem Bodenturnen entnommen.

Wurzeln im Parkour

Seine Wurzeln hat das Freerunning im Parkour. Auch hier bewegen sich Männer und Frauen auf akrobatische Weise durch die Stadt. Allerdings liegt der Fokus beim Parkour darauf, möglichst effizient eine bestimmte Strecke zurückzulegen. Für Außenstehende ist es nicht immer leicht, beides voneinander zu unterscheiden. Denn die Fortbewegungsarten bei Parkour und Freerunning ähneln sich teilweise sehr und gehen fließend ineinander über. Viele Freerunning-Anhänger setzen sich deshalb dafür ein, ihre Sportart noch populärer zu machen – sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Parkour-Szene. Das geschieht zum großen Teil über private Videos, die ins Internet hochgeladen werden. Auch die Werbebranche und die Filmindustrie haben inzwischen die Faszination der akrobatisch-künstlerischen Fortbewegungsart erkannt. So kommt beispielsweise ein Freerunning-Stunt im James Bond Film „Casino Royale" vor.

Freerunning als Leidenschaft

Da die meisten Bewegungen beim Freerunning komplex und potentiell gefährlich sind, sollten Einsteiger erste Erfahrungen unter Anleitung machen. Oft gibt es Trainingsmöglichkeiten in Turnhallen in einer Gruppe, so dass Neulinge zunächst auf weiche Matten statt auf harten Betonboden springen. Auch wird in den Kursen beispielsweise gelernt, wie man sich abrollen muss, um nach einem Sprung das Verletzungsrisiko zu verringern. Trotzdem bleibt Freerunning eine sehr anspruchsvolle Sportart, die Körper und Geist extrem fordert. Die einzelnen Trainingseinheiten sind hart und fördern Kraft, Technik und Ausdauer gleichermaßen. Für manche Freerunner geht der Sport darum über ein reines Hobby heraus. Er drückt sich im ganzen Lebensstil aus und wird zu einer Leidenschaft.