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Yoga bewegt

Der Weg des Yoga 

Yoga ist ursprünglich alles andere als ein reiner Körperkult mit dem Ziel optimaler körperlicher Fitness. Vielmehr ist Yoga ein Weg, der alle Lebensbereiche umfasst und immer auch eine spirituelle Bedeutung hat. Acht Glieder hat der Weg des Yoga: Körperhaltungen, Atemübungen und Meditation sind Teile dieses Weges. Die Ursprünge des Yoga reichen schon sehr weit in die vorchristliche Zeit zurück. Schriftlich festgehalten wurde der Yogaweg jedoch erst in der frühen nachchristlichen Zeit in dem berühmten Yogasutra des Patanjali. Ein kurzer Blick auf diesen Text verdeutlicht die ganze Dimension des Yoga.

Das Yogasutra des Patanjali

Dieser Leitfaden des Yoga ist der Klassiker unter den Yogatexten. Seine genaue Entstehungszeit ist zwar unklar, doch sehr wahrscheinlich wurde er zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert n. Chr. verfasst. Als Autor gilt Patanjali, wobei der knappe Text nicht aus einem Guss aus seiner Feder stammt, sondern auch deutlich ältere Elemente enthält. Schließlich wurde wichtiges Wissen in Indien über viele Jahrhunderte ausschließlich mündlich weitergegeben, bis es dann in späterer Zeit in schriftlich fixierte Texte einfloss.

Der im Yogasutra beschriebene Weg umfasst acht Glieder, die aufeinander aufbauen und die Konzentration als Ziel haben. Die Asanas, also die Körperhaltungen, die bei uns einen so großen Raum in der Yogapraxis einnehmen, sind ein Element dieses Wegs. Die anderen betreffen sowohl die äußere Lebensweise wie auch die Atmung und die verschiedenen Stufen der Meditation. Bei der folgenden kurzen Darstellung finden sich in den Klammern jeweils die Originalbegriffe aus dem Sanskrit, also der altindischen Sprache, in der das Yogasutra verfasst wurde. In heutigen Yogakursen spielen vor allem die dritte und vierte Stufe eine wichtige Rolle.

Die Stufen fünf bis acht finden sich in Konzentrationsübungen wieder, die ein Kennzeichen guter Yogakurse sind. Die Stufen eins und zwei bleiben natürlich jedem selbst überlassen.

Der achtgliedrige Weg des Yoga

  1. Die Sittlichkeit (yama) umfasst fünf Verhaltensregeln. Diese sind: Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Enthaltsamkeit und das Nichtannehmen von Geschenken, damit sind Unbestechlichkeit wie auch Besitzlosigkeit gemeint.
  2. Die Selbstzucht (niyama) ist etwas strenger und meint aktive Askese. Dazu gehören Zufriedenheit mit dem Allernötigsten, das klaglose Ertragen von Hunger, Durst, Hitze oder Kälte; gemeint ist also immer ein Verzicht, der besonders schwer fällt.
  3. Die Sitzhaltung (asana) als Vorbereitung auf die Konzentration soll den Körper stabilisieren und dabei immer fest und bequem sein, also bewegungslos aber gleichzeitig entspannt. So kann der Übende sehr lange Zeit in der eingenommenen Position verharren. Verschiedene Körperhaltungen spielen bei Patanjali allerdings keine Rolle, sie werden erst später detailliert von Kommentatoren des Textes aufgeführt und sind auch hier noch sehr begrenzt in ihrer Zahl.
  4. Die Atemzügelung (pranayama) zielt auf die Beherrschung des Atems, der Atemstrom kann beobachtet, verlängert und sogar eine Zeitlang angehalten werden.
  5. Das Einholen der Sinne (pratyahara) meint das Abziehen der Sinne von der Außenwelt, also den Sinnesobjekten.
  6. Das Festhalten (dharana) ist gewissermaßen das Festbinden des Denkens an eine Stelle, also ein Meditationsobjekt wie beispielsweise die Sonne oder der Mond aber auch Orte im menschlichen Körper wie die Nasen- oder Zungenspitze.
  7. Die Versenkung oder innere Sammlung (dhyana) schließt als meditative Steigerung an, indem die Vorstellung des Gegenstandes zu ihm hin fortgesponnen und ausgedehnt wird.
  8. Die Konzentration (samadhi) schließlich bezeichnet den angestrebten Endzustand der Meditation, in dem der Meditierende in dem Gegenstand aufgeht.