Allergie - was kann ich tun?

Erfahre alles über Allergien – ihren Ursprung, die Risiken und was Linderung verschaffen kann.

Auf einen Blick

  • Wie kommt es zu Allergien?
  • Die beiden Hauptkennzeichen einer Allergie
  • Erweiterung des Allergiespektrums
  • Anaphylaktischer Schock
  • Therapien und Heilmethoden
  • Zehn Tipps für Allergiker

Mit dem Frühjahr kommen auch Heuschnupfen & Co.

Endlich – die dunkle Jahreszeit ist vorbei und die Sonne lockt uns wieder nach draußen. Das erste Grün zeigt sich und Frühlingslaune breitet sich aus. Doch beim Spaziergang durch Wald und Wiesen geht es plötzlich los: Die Augen brennen und beginnen zu tränen, die Nase läuft, das Atmen fällt schwer und Niesattacken treten wie aus dem Nichts auf. Manchmal gesellen sich noch gerötete und juckende Stellen auf der Haut dazu oder es bilden sich Quaddeln. Kurzum: Die allergische Reaktion auf Frühblüher wie Birken oder Hasel macht den ersehnten Frühlingsspaziergang zur Hölle.

Wie kommt es zu Allergien?

Um zu verstehen, warum der Körper plötzlich so heftig reagiert, müssen wir zeitlich ein wenig zurückgehen – vor den eigentlichen Ausbruch der Allergie. Es begann ganz harmlos und zunächst völlig unbemerkt: Winzige Bestandteile von Pollen gelangten über die Atemwege in unseren Körper. Hier trafen sie auf wichtige Abwehrbollwerke unseres Immunsystems. In der Folge wurden dann die sogenannten Antikörper gebildet. Vorerst setzten diese Antikörper sich auf der Oberfläche einer Mastzelle fest und gaben Ruhe. Alles schien in bester Ordnung – es zeigten sich keine Symptome. Doch die Ruhe war trügerisch. Denn es hat eine Sensibilisierung stattgefunden, das Immunsystem ist jetzt scharf geschaltet.

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Die Allergie startet durch

Bei einem erneuten Kontakt mit einer Kleinstmenge der betreffenden Substanz – das kann Monate oder Jahre nach der Sensibilisierung sein – nimmt die durch den Kontakt angeregte Immunabwehr dann urplötzlich Fahrt auf, um die wieder erkannten Eindringlinge unschädlich zu machen – und gerät dabei außer Kontrolle: Innerhalb kürzester Zeit treten die typischen Symptome mit aller Macht auf. Was genau diese Überreaktion auslöst, weiß man noch nicht. Doch eins ist sicher: Es bleibt nicht bei diesem einen Mal. Das immunologische Gedächtnis sorgt dafür, dass die Überreaktion ab jetzt bei jedem weiteren Kontakt mit der Substanz abläuft.

Bei Allergikern richtet sich die Immunabwehr auf Stoffe, die für die meisten Menschen harmlos sind – man spricht daher auch von einer fehlgeleiteten Immunabwehr. Ungefährliche Stoffe werden nicht hinreichend von gefährlichen unterschieden. Und es werden Antikörper im Übermaß produziert, die ihrerseits dann den übermäßigen Ausstoß an entzündungsfördernden Botenstoffen bewirken. Das Immunsystem schießt über das eigentliche Ziel, Krankheitserreger abzuwehren, weit hinaus.

Die beiden Hauptkennzeichen einer Allergie:

  • Das Immunsystem stuft ungefährliche Stoffe als gefährlich ein.
  • Das Immunsystem bildet übermäßig viele Antikörper – in der Folge werden auch die entzündungsfördernden Botenstoffe im Übermaß freigesetzt, es kommt zu den typischen Symptomen.

Allergene lauern überall – und es kann jeden treffen

20 bis 30 Millionen Deutsche leiden an Allergien, deutlich mehr sind bereits sensibilisiert. Die schlechte Nachricht: Allergien können auch noch im Erwachsenenalter erstmalig auftreten – und bleiben. Heuschnupfen ist die weitaus häufigste Allergie. Doch nicht nur Baum-, Blüten- und Gräserpollen machen Betroffenen schwer zu schaffen. Etwa 20.000 allergieauslösende Substanzen sind heute schon bekannt. Die Klassiker neben Pollen sind Bestandteile aus Nahrungsmitteln, Tierhaaren, Hausstaubmilben, Insektengift, Arzneimitteln und aus zahlreichen Materialien der Arbeitswelt. Allergene gelangen entweder über die Atemwege (Inhalationsallergie), die Haut (Kontaktallergie) oder den Magen-Darm Trakt (Nahrungsmittelallergie) in den Körper, wo sie die beschriebenen Symptome auslösen. Je nach Schwere der Allergie ist die Lebensqualität der Betroffenen erheblich eingeschränkt: Bei schönstem Wetter hocken sie drinnen bei geschlossenen Fenstern, im Restaurant müssen sie auf allerlei Leckereien verzichten, Tiere dürfen gar nicht ins Haus und der Beruf muss mitunter aufgegeben werden.

Vorsicht vor dem Etagenwechsel

Eine Allergie ist alles andere als eine Bagatelle. Die Erkrankung verschwindet nicht, wenn man sie ignoriert. Im Gegenteil nimmt sie meist einen dynamischen Verlauf. So sind zum Beispiel bei einem Heuschnupfen mit leichten Symptomen zunächst nur die oberen Atemwege betroffen. Doch das kann sich ändern und auf die unteren Atemwege umgreifen und das Lungengewebe angreifen. So entsteht der sogenannte Etagenwechsel hin zu einem allergischen Asthma. Das sich wiederum durch vermehrtes Husten und pfeifende Atemgeräuschen bemerkbar macht und eine chronische Belastung darstellt.

Erweiterung des Allergiespektrums

Im Frühstadium einer Allergie reagiert das Immunsystem meist nur auf wenige Substanzen. Dadurch gibt es noch Phasen relativer Unbeschwertheit. Doch mit der Zeit verbreitert sich das Allergiespektrum: Die Symptome verschärfen sich, sogenannte Kreuzallergien kommen hinzu. Pollenallergiker vertragen plötzlich keine Äpfel mehr oder reagieren auf Tierhaare. Aus einer saisonalen Beeinträchtigung wird eine belastende Dauererkrankung. Den einzig wirksamen Schutz vor einem Etagenwechsel und einer Ausweitung der Allergie bietet eine frühzeitige und konsequente Behandlung des Heuschnupfens mit einer Spezifischen Immuntherapie (SIT).

Anaphylaktischer Schock: Notruf 112 wählen!

Diese lebensbedrohliche allergische Reaktion tritt innerhalb von Sekunden auf. Allergiker kennen in der Regel ihr persönliches Risiko und verfügen über ein Notfallset, wenn sie bereits eine anaphylaktische Reaktion durchgemacht haben. Dieses enthält verschiedene Arzneistoffe wie Adrenalin, Antihistaminika und Kortison. Ein anaphylaktischer Schock kann allerdings ohne Vorwarnung jederzeit auftreten. Jucken, Hautrötungen, Schwellungen im Gesicht, starkes Hitzegefühl, Unwohlsein, Unruhe, Erbrechen signalisieren Gefahr. Atemnot, Schwindel, Blutdruckabfall, Bewusstseinsstörungen sind Hinweise auf die höchste Alarmstufe! Die Maximalreaktion kann schlimmstenfalls zu einem Atem- und Kreislaufstillstand führen. Bitte bei ersten Anzeichen umgehend den Notarzt rufen.

Wichtig ist in jedem Fall die richtige Lagerung des Betroffenen: Bei Schwindel auf den Rücken legen und die Beine hoch lagern, bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage bringen. Gegebenenfalls sind auch Maßnahmen zur Reanimation einzuleiten. Um für alle Fälle gewappnet zu sein, sollte jeder Erwachsene regelmäßig seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen!

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Kann man denn gar nichts dagegen tun?

Allergien sind sehr komplexe Erkrankungen, entsprechend schwierig ist die Therapie. Es gibt allerdings verschiedene Behandlungsmethoden:

Die spezifische Immuntherapie

Im Frühstadium kann mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT), früher Hyposensibilisierung genannt, die Ursache der Allergie wirksam bekämpft werden, sofern die Allergieauslöser eindeutig bestimmt sind. Die Heilungschancen sind besonders hoch bei Allergien auf Pollen und Hausstaubmilben. Die drei bis fünf Jahre dauernde Injektionsbehandlung darf dafür aber nicht unterbrochen werden, Geduld ist hier gefragt.

Medikamentöse Therapie

Allergiebegleitende Medikamente bekämpfen zwar nicht die Ursachen der Erkrankung, aber sie können die entzündlichen Prozesse in Schach halten. So verringern sich die Beschwerden maßgeblich oder verschwinden sogar weitestgehend. Gewebeschädigungen durch dauerhafte Entzündungen wird so wirksam vorgebeugt, außerdem kann eine Ausweitung des Allergiespektrums in vielen Fällen verhindert werden. Zu den wichtigsten Entzündungshemmern gehören kortisonhaltige Präparate und Antihistaminika. Um unerwünschte Nebenwirkungen zu minimieren, kommen die sogenannten Glukokortikoide bei allergischen Atemwegserkrankungen meist in Form von Sprays oder als Inhalationslösung zum Einsatz. Im Zeitraum der Anwendung verbessern sie die Lungenfunktion maßgeblich und die Symptome können besser kontrolliert werden.

Bedarfsmedikamente dagegen wirken lokal und zeichnen sich durch einen rasch eintretenden Effekt aus. Bei starken akuten Symptomen helfen lokal wirkende Nasensprays oder Tropfen. Sie wirken innerhalb kürzester Zeit, indem sie etwa die Bronchien erweitern und die Atmung erleichtern. Dabei bekämpfen sie aber nur die Symptome und haben keinen Einfluss auf das Entzündungsgeschehen. Sogenannte Notfallmedikamente entschärfen akute Situationen wie starke Atemnot oder einen allergischen Schock. Folge den Verordnungen deiner Ärztin oder deines Arztes und führe deine Notfallmedikamente immer mit dir.

Alternative Heilmethoden
  • Akupunktur verbessert die Symptome von allergischem Schnupfen um bis zu 80 Prozent. Auch eine Langzeitbehandlung zeigt einen deutlichen Therapieeffekt.
  • Durch Entspannungsmethoden wie die progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training lässt sich Stress vermeiden, der die Symptome einer Allergie verschlimmern kann.
  • Manchmal verstärken familiäre Probleme ein atopisches Ekzem oder Asthma bronchiale bei Kindern. Eine entsprechende Familientherapie kann hier sichtbare Erfolge zeigen.
  • Bei der Phytotherapie nimmt die oder der Erkrankte ein Präparat auf der Basis von Pestwurzblättern ein. Auf eigene Faust solltest du sie aber nicht anwenden: Sie enthalten Pyrrolizidinalkaloide, die leberschädigend wirken können.
  • Nasenspülungen sind zwar keine alternative Heilmethode, können bei Heuschnupfen aber unterstützend wirken. Mit einer speziellen Nasendusche oder einem Nasenspülkännchen werden die Gänge der Nasenhöhle mit einer salzhaltigen Lösung regelmäßig gespült. Pollen werden so immer wieder von den Schleimhäuten entfernt, das Atmen fällt leichter.

Nach derzeitigem Wissensstand nicht zu empfehlen sind beispielsweise Homöopathie, Bachblütentherapie, Eigenblutbehandlung, Bioresonanztherapie, Neuraltherapie, Pendeln, Kinesiologie und Traditionelle Chinesische Medizin. Für diese Verfahren konnte noch kein Wirksamkeitsnachweis erbracht werden. Teilweise können sie sogar gefährliche Nebenwirkungen haben. Die wichtigste Regel für Allergiker ist, die allergieauslösenden Substanzen konsequent zu meiden, was in den meisten Fällen aber leider utopisch ist. Symptome lassen sich mit einer Reihe von bewährten Bedarfsmedikamenten erfolgreich lindern. Auch alternative Heilmethoden wie Akupunktur, Atemtherapie, Balneo- und Kneipptherapie oder das regelmäßige Üben von Entspannungstechniken bringen Betroffenen die erhoffte Erleichterung.

Zehn Tipps für Allergiker

1. Information erleichtert die Tagesplanung

Verfolge täglich die aktuelle Pollenflugvorhersage in Internet, Zeitung oder Radio. So kannst du deinen sportlichen Aktivitäten im Freien in der am wenigsten belasteten Tageszeit nachgehen.

2. Schütze deine Wohnung vor Pollen

Rüste deine Fenster mit Pollenschutzgittern aus. Verzichte auf blühende Pflanzen in der Wohnung. Lüfte in der pollenarmen Tageszeit, also in der Stadt morgens zwischen sechs und acht Uhr, auf dem Land abends zwischen 19 und 24 Uhr oder nach intensiven Regengüssen, wenn die Luft für kurze Zeit nahezu pollenfrei ist.

3. Hausputz ist wichtig

Häufiges Saugen und feuchtes Wischen der Böden und Oberflächen ist unerlässlich. Verwende einen speziellen Allergiker-Staubsauger und wechsle den Filter regelmäßig. Reduziere Staubfänger in der Wohnung wie Gardinen und Polstermöbel.

4. Mit Wasser gegen Pollen

Duschen und Haare waschen gehören ins Abendprogramm, um die Pollenkonzentration im Schlafzimmer zu minimieren. Eine regelmäßige Nasendusche mit Meersalz schwemmt die Pollen von den Schleimhäuten und lässt dich leichter atmen.

5. Pollenfreies Schlafzimmer

Eine Allergiker-Matratze sowie spezielle Decken und Kissen können eine sinnvolle Anschaffung sein. Nimm deine Straßenkleidung nicht mit ins Schlafzimmer. Beziehe dein Bett häufiger frisch, hier könnten sich sonst Pollen ansammeln.

6. Häufiges Wäsche waschen ist ein Muss

Gerade an der Kleidung haften viele Pollen. Trockne deine Wäsche nicht im Freien, sondern ausschließlich in geschlossenen Räumen oder im Trockner.

7. Pollenfreie Fahrt

Auf Autofahrten solltest du die Fenster geschlossen halten. Lass dir eine speziellen Pollenfilter in die Lüftungsanlage deines Autos einbauen. Sauge den Innenraum des Autos regelmäßig. Stell deine Lüftungsanlage auf Innenraumzirkulation, so bleiben die aggressiven Pollen draußen.

8. Urlaub ohne Pollen

Beste Urlaubsziele für Pollenallergiker sind das Meer und das Hochgebirge. Hier kannst du so richtig tief durchatmen, denn die Luft ist hier immer arm an Pollen.

9. Medikamente an Bord

Medikamente, die Symptome lindern, wie Nasensprays oder Augentropfen solltest du immer im Gepäck haben.

10. Vorsicht beim Sport

Auch als heuschnupfengeplagter Mensch musst du nicht auf Joggen, Walken oder Radfahren verzichten. Nutze dafür aber die pollenarmen Tageszeiten oder die Zeit nach längeren Regenfällen. Verausgabe dich nicht zu sehr, um nicht in Atemnot zu geraten. Meide Gegenden, in denen deine persönlichen Pflanzenfeinde zu finden sind.

Hey Doc! Manche Fragen klärst du bestimmt lieber von Angesicht zu Angesicht. Mit dem Ärzte-Videochat geht das bei der pronova BKK auch online.

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