Catcalling - Was ist das?

Hinter dem niedlich klingenden Begriff „Catcalling“ verbirgt sich in Wirklichkeit ein verbaler Übergriff. Wir informieren darüber und lassen Betroffene zu Wort kommen.

Auf einen Blick

  • Was ist Catcalling
  • Verbale sexualisierte Belästigung
  • Betroffene berichten
  • Richtig wehren gegen Catcalling

Catcalling bezeichnet sexuell anzügliches Rufen, Reden, Pfeifen oder Gestikulieren gegenüber einer Person in der Öffentlichkeit und stellt eine Form von verbaler sexualisierter Belästigung dar. Meistens gehen die Rufe von Männern aus und beziehen sich auf das Aussehen und den Körper einer Frau. Aber auch Männer können davon betroffen sein.

Das Catcalling ist zwar nicht mit körperlichen Übergriffen verbunden, wird jedoch von den Opfern oft als Vorstufe dazu empfunden und bei Betroffenen oft von der Angst begleitet, dass es nicht beim „Calling“ bleibt.

„Catcalls“ können das Selbstwertgefühl und die (Selbst-)Sicherheit der betroffenen Person erheblich beinträchtigen. Das Gefühl, im öffentlichen Raum nicht sicher zu sein und darauf hin sein Verhalten zu verändern -, beispielsweise spät abends nicht alleine unterwegs zu sein oder einen anderen Weg zu wählen - macht das Catcalling zu einem gesellschaftlich relevanten Thema.

Wir haben mit Betroffenen gesprochen, jüngeren wie älteren. Denn auch das ist auffällig: Es kann Frauen unabhängig vom Alter betreffen. Es war für manche von ihnen nicht leicht, überhaupt darüber zu sprechen – Gefühle von Scham und Erniedrigung sitzen oft noch lange nach dem Vorfall zu tief.

Catcalling - Betroffene berichten:

Leonie, 23 Jahre

Es war nachmittags, gegen 17 Uhr. Ich war auf dem Weg zum Bahnhof. Ein Auto mit drei oder vier Männern drin kam mir entgegen und hupte. Der Beifahrer rief: „Geile Schnitte!“ Ohne nachzudenken, habe ich denen den Mittelfinger gezeigt. Das Auto drehte um und folgte mir. Auf meiner Höhe warfen sie eine Flasche aus dem Fenster und schrien: „Wir finden dich, du Schlampe!“

Janina, 38 Jahre

Ich komme oft spät von der Arbeit nach Hause, ich muss da schon an einigen dunklen Ecken vorbei. Mir ist es schon mehrmals passiert, dass Kerle mich blöd angemacht haben. Ich versteinere dann förmlich, verkrampfe in den Schultern und mir wird eiskalt. Schlimmeres ist mir noch nicht passiert, aber das Üble ist, dass man gar nicht mehr anders kann, als so etwas zu erwarten. Das ist sehr unangenehm und belastet mich. Es verdirbt mir auf dem Heimweg die Freude auf den Feierabend.

Maria, 35 Jahre

Ich war 14 Jahre alt und wohnte damals in einer Kleinstadt. Eines Nachmittags fuhr ich mit dem Bus nach Hause. Das letzte Stück saß ich alleine im Bus. Da drehte sich der Busfahrer, er war bestimmt fast 50 Jahre, um und rief: „Und jetzt fahren wir in den Wald.“

Katrin, 28 Jahre

Ich bin gestern durch den Park gejoggt. Weil es geregnet hat, waren nur wenige Leute unterwegs. Ein Mann brüllte mir hinterher: „Selbst von einem Halbmarathon wird dein A**** nicht schöner!“

Sandrine, 55 Jahre

Man sollte meinen, dass du irgendwann aus dem Alter raus bist, wo dir unbekannte Männer hinterherpfeifen oder irgendwelche sexistischen Sprüche zurufen. Aber das stimmt so nicht. Ich habe das erst letzte Woche erlebt. Die Typen saßen im Rudel in der Fußgängerzone. Ich sah schon von weitem, wie sie mich anglotzten. Tja, und dann kam es auch. Ich bin, ohne darauf zu reagieren, einfach weitergegangen. Mir hat mal jemand erzählt, dass Männer glauben, so etwas würde Frauen gefallen, das sei nur als Kompliment gemeint. Kann man wirklich so blöd sein?

Nina, 20 Jahre

Vom Busbahnhof aus bin ich nach Hause gegangen. Mir kam ein Mann entgegen, zwischen 40 und 50. Als wir uns ausgerechnet im Halbdunkel unter einer Brücke begegneten, sagte er: „Ey Hübsche!“ Ich reagierte nicht. Er rief: „Hässliche Hure!“

Marvin, 24 Jahre

Ich habe früher öfter als Kellner gejobbt. Ich wirke sympathisch und sehe ganz gut aus, das hat sich zum Beispiel öfter beim Trinkgeld positiv bemerkbar gemacht. Weniger gut waren anzügliche Bemerkungen, wie sie immer wieder mal von reinen Frauentischen kamen. Fast immer waren diese Damen schon etwas älter und ziemlich angeheitert. Das erklärt ihr Verhalten, aber macht es nicht akzeptabel. Ich habe es ignoriert. Innerlich war ich aber ziemlich sauer, weil ich das Gefühl hatte, dass sie mich für käuflich hielten. Eins muss ich aber auch sagen: Meine Kolleginnen hatten wesentlich häufiger unter männlicher Anmache zu leiden als ich unter weiblicher.

Nadine, 47 Jahre

Blöde Anmache kann dir überall passieren – und passiert auch überall. Ganz gleich, ob du geschminkt und im körperbetonten Kleidchen oder im Winter vermummt wie Ötzi rumläufst. Allerdings passiert es in bestimmten Stadtvierteln öfter als in anderen. Es scheint etwas mit Bildung und Kultur zu tun zu haben, genauer: mit einem Mangel an beidem. Ich versuche, solche Orte zu meiden, aber das geht halt nicht immer. In der U-Bahn, beim Joggen und selbst auf der Arbeit hab ich so etwas hinnehmen müssen. Wie ich damit umgehe? Ich bin genervt, ich bin angespannt und es macht mir noch Stunden später total schlechte Laune. Ansonsten reagiere ich in der Situation selbst überhaupt nicht. Ich verstehe nicht, wie die Kerle glauben können, dass primitive Anmache gut ankommt.

Lennart, 30 Jahre

Ich war in einer Bar. Meine Bekannte, mit der ich verabredet war, hatte sich verspätet. Also habe ich mir schon mal ein Bier an der Theke geholt. Auf dem Rückweg zu meinem Tisch rief mir ein Mann, etwas älter als ich, hinterher: „Geiler Arsch!“

Maja, 33 Jahre

Erst letzte Woche. Ein Abendspaziergang rund um den Block. Zwei Typen. Ich kenne sie nicht. Ich muss an denen vorüber. Der eine will mich zu einem Bier einladen, der andere pfeift. Eigentlich harmlos? Aber nein, das ist es nicht, denn ich kapiere natürlich sofort, dass in deren Köpfen was anderes passiert: Frau betrunken machen. Und dann… Ich fühle mich komplett missbraucht durch so was. Mir wird übel, wenn ich nur daran denke.

Thea, 44 Jahre

Manche Männer scheinen Frauen für ständig verfügbare Sexualobjekte zu halten, die nichts anderes im Kopf haben, als ihnen jederzeit zu Diensten zu sein. Bin ich überempfindlich, nur weil ich es nicht mag, von wildfremden Kerlen, die mir nichts bedeuten, wegen meines Hinterns gelobt zu werden? Ich bin kein Objekt. Was man dagegen tun kann? Würde ich die auf ihr Verhalten ansprechen, würden sie es wahrscheinlich auch noch als Einladung missverstehen. Also am besten die Ohren auf Durchzug und weitergehen.

Sandra, 48 Jahre

Oh ja, das nervt. Einmal habe ich so einem Typen im Affekt eine gescheuert. Das war dann, wie mich eine Freundin aufklärte, die Rechtsanwältin ist, meinerseits übergriffig. Der Typ hätte mich verklagen können wegen Körperverletzung. Ich ihn hier in Deutschland dagegen nicht wegen sexueller Belästigung, sondern nur wegen Beleidigung. Wahrscheinlich hätte ich sogar mehr Strafe zahlen müssen als er. Zum Glück hat er gleich den Schwanz eingezogen. Beim nächsten Mal würde ich einfach so tun, als ob nichts gewesen wäre. Aber der Ärger bleibt. Und vielleicht auch ein wenig die Angst, ob es nächstes Mal bei den Sprüchen bleibt… Bei Hunden sagt man ja auch oft: Der will nur spielen. Aber mancher beißt dann doch zu.

Tim, 22 Jahre

Es war abends, schon dämmerig. Ich war zu Fuß auf dem Weg heim, als mir zwei Frauen, deutlich älter als ich, hinterherpfiffen und riefen: „Hey Süßer, schaust gut aus! Kommst du von hier?“

Sonja, 19 Jahre

Ich stand an einem Sommertag mit meinem Fahrrad auf dem Radweg an einer roten Ampel. Da hielt ein Lastwagen neben mir, der Fahrer rief: „Hey, Hübsche! Es ist so heiß hier im LKW. Schick mir ein paar Bikinibilder, dann kann ich mich ablenken!“

Wie wehre ich mich gegen Catcalling?
Wenn du wissen möchtest, wie du mit einer solchen Situation am besten umgehen kannst, dann lese unseren Artikel „Catcalling: Was es auslöst und wie Betroffene sich wehren können." Zum Artikel

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