Das Assessment Center – hier nimmt man dich unter die Lupe

Gratuliere, du bist zu einem besonderen Auswahlverfahren, einem Assessment Center (AC), eingeladen.

Auf einen Blick

  • Im Grunde nichts Neues: das AC ist ein Klassiker
  • Die typischen Assessment Center-Aufgaben
  • So verhälst du dich geschickt
  • Das Rollenspiel, die Päsentation, der Postkorb

Gratuliere, du bist zu einem besonderen Auswahlverfahren, einem Assessment Center (AC), eingeladen. Das ist gut, denn es bedeutet, dass sich das Unternehmen ernsthaft für dich interessiert. Achtung: Auch hinter einer Einladung zum „gemeinsamen Wochenende“ oder einem „Kennenlern-Nachmittag“ kann sich ein solches Auswahlverfahren verbergen. Ein AC ist ein ausgeklügeltes Ausleseverfahren mit einer Kombination verschiedener Verhaltens- und Arbeitsproben und kann sich von etwa einem halben Tag bis über mehrere Tage erstrecken. In der Regel werden sechs bis zwölf Kandidatinnen und Kandidaten eingeladen, die zwischen acht und zwölf Übungen bestreiten müssen. Das Ganze findet unter ständiger Beobachtung durch sogenannte Assessorinnen und Assessoren statt. Diese repräsentieren das Unternehmen, das die Stelle ausgeschrieben hat und entscheiden darüber, wer letztlich ausgewählt wird und wer nicht.

Im Grunde nichts Neues: das AC ist ein Klassiker

Waren Assessment Center (AC) früher nur für die Auswahl von Führungskräften, müssen sich heute manchmal Bürokräfte und sogar Ausbildungsplatzsuchende diesem Auswahlverfahren stellen. Nach Schätzungen werden AC deutlich über hunderttausend Mal pro Jahr durchgeführt. Die Unternehmen versprechen sich davon, ein umfassendes Bild über die Stärken und Schwächen der potenziellen Auszubildenden oder Arbeitskräfte zu erhalten.

Du musst nur wissen, was und wie es läuft

Viele Teilnehmende empfinden es als sehr stressig, weil man über einen längeren Zeitraum bei der Bewältigung der AC-Aufgaben beobachtet wird. Die Anforderungen an die Teilnehmenden sind hoch: Tests, Gruppenaufgaben wie Präsentationen oder Diskussionen und Stressinterviews stehen an. Jede Bemerkung, jedes Verhalten, alle Reaktionen werden beobachtet und beurteilt, häufig auch in den Pausen. So wurde kürzlich eine Bewerberin bei einem Erdöl-Konzern mal nebenbei provokativ gefragt: „Sagen Sie mal, warum wollen Sie eigentlich bei einem der größten Umweltverschmutzer der Welt Karriere machen?“ Da gilt es, Ruhe zu bewahren und besonnen zu antworten. Möglicherweise gibt dieser Konzern ja auch sehr viel Geld für erneuerbare Energien aus.

Die gute Nachricht: Mit einer gezielten Vorbereitung lassen sich nicht nur die Nerven schonen, sondern auch die Chancen erheblich verbessern, den Auswahlmarathon erfolgreich zu bestehen. Mach dich rechtzeitig mit dem Assessment Center vertraut. Bereite dich unbedingt darauf vor, lies die entsprechende Literatur, trainiere die typischen Aufgaben und begreife, worauf vor allem zu achten ist!

Hier erfährst du jetzt, mit welchen typischen Aufgaben du als Bewerberin oder Bewerber geprüft wirst:

Alle gegen alle

In einer Art führerloser Gruppendiskussion hat jeder seinen eigenen Standpunkt und seine berechtigten Forderungen zu vertreten. Hier kommt es auf Kompromiss- und Kooperationsbereitschaft, aber auch auf Durchsetzungsvermögen an. Dein Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick sind gefordert.

Du gegen dein Gegenüber

Typisch hier: Das Rollenspiel. Zwei Teilnehmende vertreten in einer simulierten Verkaufssituation die jeweiligen Interessen (Verkaufen versus Kaufen). Dabei müssen sie einen Kompromiss finden und ihre Diplomatie, Eloquenz und Entscheidungskraft unter Beweis stellen.

Du vor allen anderen

Hier geht es um einen Kurzvortrag beziehungsweise eine Art Präsentationsübung. Du bereitest dich auf ein Thema vor und unterhältst dann möglichst gut das Publikum (Auswahlgremium, Mitbewerberinnen und Mitbewerber). Natürlich kommt es auf Rhetorik, Überzeugungskraft und Darstellungskunst an.

Du für dich allein

Zu diesen Aufgabentypen gehört zum Beispiel die so genannte Postkorbübung, bei der dein Organisationstalent gefragt ist. Aber auch andere Tests (zu Intelligenz, Konzentration, Leistung und Persönlichkeit) kommen zum Einsatz.

Die typischen Assessment Center-Aufgaben und wie du dich geschickt verhältst

Zum Auftakt: Die Vorstellungsrunde

Zuerst wirst du aufgefordert, dich den anderen Teilnehmenden vorzustellen. Manchmal mit einer zusätzlichen Aufforderung wie: „Stellen Sie sich bitte kurz vor und erzählen Sie uns, warum Sie sich hier beworben haben.“ Diese Frage kennst du womöglich bereits aus dem Vorstellungsgespräch. Überlege dir auch hier, was du darauf antworten könntest. Und wie immer gilt: Sei bitte bestens über das Unternehmen informiert. Einige Teilnehmende werden eventuell versuchen, sich sofort in den Vordergrund zu spielen. Mach dir darum keine Sorgen! Wer sich vordrängelt, wirkt nicht unbedingt sympathisch und bekommt dafür eher Minuspunkte.

Tipp: Bleibe freundlich und gelassen, aber auch nicht zu schüchtern oder gar stumm wie ein Fisch. Lächle freundlich und ungezwungen und zeig dich offen und interessiert, auch an den anderen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern. Nimm generell mit allen Augenkontakt auf. Schau auch immer wieder kurz zu den anderen, die dir gegenübersitzen.

Alle gegen alle - Die Gruppendiskussion: argumentiere und bleibe sachlich

Du wirst in Gruppen eingeteilt und aufgefordert, gemeinsam über ein bestimmtes Thema zu diskutieren. Das Thema wird vorgegeben oder muss von euch gemeinsam ausgewählt werden. Die Diskussion wird nicht moderiert und kann sich frei entfalten. Jeder vertritt seinen eigenen Standpunkt. Am Ende soll ein Diskussionsergebnis vorliegen, das gemeinsam erarbeitet wurde und von allen getragen wird. Dabei kann es unter den Teilnehmenden schnell zu Meinungsverschiedenheiten und Spannungen kommen. Und das ist beabsichtigt!

Hier wird deine Bereitschaft geprüft, in einer Gruppe Kompromisse einzugehen und zu kooperieren, ohne aber dabei deine eigene Überzeugung aufzugeben. Eventuell wird auch der Inhalt deiner Meinung bewertet, aber wichtiger ist dein Kommunikations- und Gruppenverhalten. Überlege, was von dir im Beruf erwartet wird. Sollst du viel Überzeugungsarbeit leisten oder eher eine vermittelnde Funktion einnehmen?

Tipp: Dränge dich nicht auf und spiele dich nicht zu sehr in den Vordergrund. Weder die erste, noch die letzte Meldung sollte von dir kommen. Falle nicht durch zu viel oder zu wenig Beiträge auf, sondern dadurch, dass du Standpunkte zusammenfasst und sinnvoll ergänzt. Sei immer zielorientiert. Denke daran, dass du einen Beitrag für deine Gruppe leisten musst und lenke auf ein Ergebnis hin. Lobe ruhig gute Teilnehmerbeiträge. Denn: Wer lobt, der führt.

Du gegen dein Gegenüber - Das Rollenspiel: deine Kür

Du bekommst eine konkrete Aufgabe (Rollenspiel) gestellt, zum Beispiel einem Kunden (gespielt von einem Prüfer oder Assessor) ein bestimmtes Produkt zu verkaufen oder einen unzufriedenen Kunden zu beruhigen. In der Regel solltest du verhandeln und einen Kompromiss herausarbeiten. Zeige, dass du dich auf dein Gegenüber einstellen und ihn überzeugen kannst. Sorge dafür, dass der Kunde zufrieden aus dem Gespräch herausgeht, und zwar mit einem gekauften Produkt. Entscheide dich notfalls dafür, ihm entgegenzukommen mit einem Rabatt oder einem kostenlosen Extra.

Nicht einfach sind auch solche Aufgaben: Du bist die neu gewählte Jugendvertretung des Betriebes. Ein etwas älterer Auszubildender hat seit längerem einen totalen Leistungshänger. Du musst ihm jetzt klarmachen, dass es so nicht weitergehen kann. Am Rande erhältst du eventuell noch den Hinweis, dass dieser Auszubildende mit der Frau deines Chefs verwandt ist. Wie stellst du es an oder besser: Wie stellst du dich dabei an? Gefragt ist in solchen Konstellationen deine Fähigkeit zur Diplomatie, Sprachgewandtheit und die Entscheidungs- und Überzeugungskraft, mit der du dein Kommunikationsziel erreichst.

Tipp: Leite das Gespräch freundlich und aufmunternd ein. Komm dann zügig zur Sache und benenne, worum es konkret geht. Bleib dabei sachlich, drohe nicht, mach keine Vorwürfe und versuche auch sonst nicht, dein Gegenüber in die Ecke zu drängen und ganz wichtig: vermeide jede Polemik! Hab Verständnis, aber denk letztlich an das Wohl des Unternehmens. Fordere dein Gegenüber auf, Lösungsvorschläge zu machen und frag nach, was ihm fehlt und wie man ihn unterstützen könnte. Denk an das Ziel: Du willst wieder einen leistungsfähigen Auszubildenden aus ihm machen.

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Du vor allen anderen - Die Präsentation: prägnant und charmant

Du wirst aufgefordert, einen Kurzvortrag zu halten. Das Thema wird vorgegeben, eventuell kannst du es auch frei wählen. In diesem Fall nimm etwas, was du gut kennst, beispielsweise ein Hobby. Zur Vorbereitung bleiben meist nur wenige Minuten Zeit. Danach solltest du dein Publikum - das Auswahlgremium und die Mitbewerberinnen und Mitbewerber – gut informieren und unterhalten.

Diese Übung soll zeigen, wie du gegenüber einer Gruppe auftrittst. Man will damit deine Fähigkeit in Rhetorik und prägnanter Darstellung, deine Überzeugungskraft, aber auch Selbstsicherheit und Standfestigkeit testen.

Tipp: Eine gute, schnelle Einleitung mit einer angenehmen Prise Humor ist der richtige Start für deine Präsentation. Verwende möglichst viele Medien (Tablet + Beamer, Flipchart, Zeichnungen). Denk auch hier wieder an das Ziel: Dein Publikum soll hinterher etwas über das Thema wissen und dich in guter Erinnerung behalten. Bring die Dinge auf den Punkt, zeig klare Zusammenhänge und Unterschiede auf, überleg dir anschauliche Beispiele und erzeuge bildhafte Vorstellungen in den Köpfen deines Publikums. Sieh den Leuten in die Augen und vergiss das Lächeln nicht.

Du für dich allein - Der Postkorb: was ist wichtig und was nicht

Immer wieder wird die Postkorbübung eingesetzt. Unter Zeitdruck hast du eine Anzahl von unterschiedlichen Aufgaben zu erledigen und diverse Probleme zu lösen, die alle sehr wichtig erscheinen und sofortiges Handeln erfordern. Deine eigentliche Aufgabe ist dabei, eine plausible Reihenfolge in der Bearbeitung zu finden und deine Entscheidungsfähigkeit unter Beweis zu stellen:

  • Was ist wirklich wichtig und muss sofort erledigt werden
  • Was kann warten?
  • Was lässt sich delegieren?

Diesen Test bewältigt jeder für sich allein, unabhängig von der Gruppe. Es geht dabei um dein persönliches Organisationstalent und deinen Weitblick.

Tipp: Die dir übergebenen oder am Bildschirm gezeigten Schriftstücke enthalten Informationen, die du dir zunächst überblicksartig anschauen solltest, um dann Prioritäten festlegen zu können. Vorsicht: Lies dir nicht langsam eines nach dem anderen durch. Nur wer sich schnell eine Übersicht verschafft, kann die nötigen Entscheidungen treffen und diese auch gut begründen. Dabei wirst du absichtlich unter Zeitdruck gesetzt, um deine Stressresistenz zu testen. Lass dich aber davon nicht beirren und verfolge dein Ziel.

Die hier aufgezählten Beispiele gehören zu den klassischen Aufgaben eines Assessment Centers. Sie können sehr vielfältig sein und variieren. Letztlich geht es wie im Vorstellungsgespräch für dich immer wieder darum, für Sympathie und Vertrauen zu werben.

Nochmals: Glaube nicht, dass du in den Pausen zwischen den Übungen unbeobachtet bist. Fange nicht an, deine Mitbewerberinnen oder Mitbewerber negativ zu beurteilen oder jetzt „mal ehrlich deine Meinung zu sagen.“ Das kommt gar nicht gut an. Bleibe freundlich, locker und interessiert. Suche das Gespräch und knüpfe Kontakte. Unverfängliche Gesprächsthemen sind zum Beispiel Schule, Ausbildung, Studium und deine Hobbys. Optimismus, Interesse, Leistungswille, Kooperationsbereitschaft und ein offenes Lächeln sind gute Mittel, das Herz der Personalverantwortlichen zu erobern. Und darauf kommt es an. Nimm dir Zeit und Ruhe, die Aufgaben vorher zu üben. Dann gehst du souverän in diese Prüfungssituation und wirst gut abschneiden.

© Hesse/Schrader - Büro für Berufsstrategie
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