Der richtige Umgang mit Schmerzmitteln

Schmerzmittel sind zwar frei verkäuflich und zählen zu den am häufigsten genutzten Medikamenten, dennoch sind sie keinesfalls harmlos und sollten mit Bedacht eingesetzt werden.

Auf einen Blick

  • Schmerzmittel werden sehr häufig genutzt
  • Gefahr von Gewöhnungseffekt und Nebenwirkungen
  • Nicht länger als drei Tage hintereinander einnehmen
  • Viele Schmerzmittel für Kinder nicht geeignet
  • Gefahr der Überdosierung besteht

Schmerzmittel: frei verkäuflich = harmlos?

Schmerzmittel zählen zu den am häufigsten genutzten Medikamenten. Viele Schmerzmittel sind frei verkäuflich, man kann sie sich also ohne ärztliche Verordnung besorgen. In den meisten Fällen werden diese frei verkäuflichen Schmerzmittel gegen Kopf- oder Gelenkschmerzen eingesetzt. In der Regel helfen sie dem Betroffenen auch schnell und zuverlässig – Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol sind immerhin seit Jahrzehnten, teils sogar seit über 100 Jahren in Gebrauch.

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Was ist überhaupt Schmerz?

Schmerz ist für viele Menschen ein ebenso treuer wie lästiger Begleiter – es ist absolut verständlich, wenn man sie loswerden will. Doch was genau ist das eigentlich: Schmerz? Schmerz ist – wie Fieber – keine Krankheit, sondern ein Symptom. Ein Symptom ist ein Hinweis auf eine Erkrankung. Zahnschmerzen etwa verweisen in den allermeisten Fällen auf einen kranken Zahn. Natürlich kann man ein Schmerzmittel nehmen, um den Schmerz bis zum Zahnarzttermin auszuschalten. Man schaltet aber nur den Schmerz aus – der kranke Zahn bleibt ein kranker Zahn, ein durch Karies entstandenes Loch wächst nicht wieder zu. Bei Kopfschmerzen oder Gelenkschmerzen gehen wir allerdings anders an die Sache heran. Hier halten wir es für normal, so lange Schmerzmittel zu nehmen, bis wir wieder beschwerdefrei sind. Dabei kann es auch in diesem Bereich Ursachen geben, die man besser ärztlich abklären lässt.

Es besteht bei Schmerzmitteleinsatz grundsätzlich die Gefahr, dass die zugrunde liegende Erkrankung verdeckt, übersehen und chronisch wird. Problematisch sind auch die Gewöhnungseffekte – nicht nur wegen der bei längerer Einnahme höheren Gefahr von Nebenwirkungen (vor allem Leber und Niere können in Mitleidenschaft gezogen werden), sondern beispielsweise auch wegen des bei längerer Einnahme auftretenden sogenannten Medikamentenkopfschmerzes: Lässt die Wirkung der Kopfschmerztablette nach, verlangt der Körper umgehend nach weiterer Schmerzmittelzufuhr – und das, obwohl die ursprüngliche Ursache des Kopfschmerzes längst nicht mehr vorhanden ist.

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Schmerzmittel zurückhaltend einsetzen

Natürlich ist es in Ordnung, bei gelegentlich auftretenden Beschwerden ein frei verkäufliches Schmerzmittel anzuwenden. Es darf eben nur nicht zur Gewohnheit werden. In vielen Fällen kann es auch durchaus sinnvoll sein, ein Schmerzmittel länger zu nehmen – etwa bei Schmerzen des Bewegungsapparats. Nur so kann man verhindern, dass es infolge eines Schmerzvermeidungsverhaltens zu Fehlbelastungen kommt, die dann zu Schmerzen an anderer Stelle führen können. Beispiel: Du hast Schmerzen im linken Kniegelenk und versuchst, das linke Kniegelenk möglichst zu schonen. Dadurch belastest du dein rechtes Kniegelenk umso mehr. Was wird die Folge sein? Richtig: ein schmerzendes rechtes Kniegelenk. Also kann es hier durchaus sinnvoll sein, Schmerzmittel so lange einzunehmen, bis das linke Kniegelenk wieder fit ist und normal belastet werden kann. Doch solltest du auch frei verkäufliche Schmerzmittel nie länger als drei Tage hintereinander nutzen. Spätestens, wenn deine Beschwerden am vierten Tag noch andauern, ist ein Arztbesuch notwendig.

Kinder und Schmerzmittel

Besondere Vorsicht gilt, wenn du dein Kind mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln selbst behandeln willst. Zum einen sind viele Mittel für Kinder nicht geeignet bzw. in der für Erwachsene vorgesehenen Dosierung zu hoch angesetzt; zum anderen kommt es gelegentlich zu ernsthaften Komplikationen. Gefürchtet ist beispielsweise das sogenannte Reye-Syndrom, das auch durch die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) ausgelöst werden kann. Betroffen sind vor allem Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren; bis zu 25 Prozent der Fälle verlaufen tödlich, in bis zu 30 Prozent der Fälle bleiben neurologische Störungen zurück. Solche Fälle sind zwar selten, doch auch seltenen Risiken gehört ein Riegel vorgeschoben: Kindern also bitte niemals ASS-Präparate verabreichen, sondern bei schmerzhaften oder fiebrigen Erkrankungen immer zeitnah die kinderärztliche Praxis aufsuchen.

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