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Detox

Online-Spielsucht

Noch eben schnell die persönliche Höchstpunktzahl übertreffen, eine Belohnung für eine gelöste Aufgabe einheimsen oder mit anderen aus der Spielergemeinschaft eine schwierige Mission erfüllen: Spiele an PC, Tablet oder Smartphone faszinieren Millionen von Nutzern. Und immer häufiger wird aus der Spielfreude eine Spielsucht mit fatalen Folgen. Schule, Ausbildung, Beruf, Freunde und Familie werden vernachlässigt und es zeigen sich regelrechte Entzugserscheinungen, wenn mal keine Gelegenheit zum Spielen ist.

Nicht jeder, der gern online spielt, ist süchtig, doch die Zahl derjenigen, die nicht aus Freude, sondern aus Zwang spielen, nimmt zu. Eine genaue Datenerhebung der Betroffenen ist ausgesprochen schwierig, weil sich eine Online-Spielsucht lange Zeit verheimlichen lässt.

Jungen und Männer sind jedoch deutlich gefährdeter als Mädchen und Frauen. Ein besonders hohes Suchtpotenzial entwickeln Online-Rollenspiele: Spielzeiten von bis zu 30 Stunden pro Woche sind hier keine Seltenheit. Das Abdriften in eine Sucht geschieht dabei fast unbemerkt. Wer eine Vorliebe für Computerspiele hat, sollte sein Verhalten immer wieder kritisch und ehrlich unter die Lupe nehmen, um sich vor den Folgen einer Online-Spielsucht zu schützen.

Symptome und Folgen der Sucht: Bin ich gefährdet?

Die Symptome einer Online-Spielsucht ähneln denen anderer Abhängigkeiten: Das Spiel wird zum alles bestimmenden Lebensinhalt, die eigene Kontrolle über das Spielverhalten geht immer mehr verloren, die Gedanken kreisen ausschließlich um das Spiel. Andere Hobbys werden vernachlässigt genauso wie Freunde und Familie oder Beruf und Ausbildung. Biete sich einmal keine Gelegenheit zum Spielen, sind Betroffene gereizt, nervös oder niedergeschlagen. Schlafstörungen kommen häufig dazu, denn auch nachts wird so viel wie möglich gespielt.

Eine Abhängigkeit wird sich selbst und anderen gegenüber jedoch vehement geleugnet. Online-Rollenspiele haben die Spieler besonders fest im Griff, da sie Belohnungen für bestandene Abenteuer versprechen und kein Ende kennen. Außerdem wird hier in Gemeinschaften gespielt, man fühlt sich als Teil der Gruppe, möchte die anderen nicht enttäuschen und ist bereit, zu jeder Tages- und Nachtzeit beim Lösen einer schwierigen Aufgabe dabei zu sein.

Mit dem exzessiven Spiel soll oftmals ein geringes Selbstwertgefühl oder die fehlende Anerkennung in anderen Bereichen kompensiert werden. Auch die körperliche Gesundheit leidet bei Dauerspielern: Bewegungsmangel führt zu Übergewicht, Verspannungen und Rückenschmerzen. Das fortgesetzte Starren auf den Bildschirm zieht Kopfschmerzen, Unkonzentriertheit bei der Arbeit und eine allgemeine Leistungsminderung nach sich.

Zum Abgewöhnen

Der erste Schritt auf dem Weg aus der Abhängigkeit ist die Ehrlichkeit mit sich selbst: „Hier läuft definitiv etwas schief" – wer das erkennt, ist bereit für eine Änderung des eigenen Verhaltens. Die Spielzeiten an PC oder Smartphone zu reduzieren, ist sicher nicht einfach und erfordert viel Selbstdisziplin. Eine gute Hilfe können Freunde und Familie sein. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man sie um Mithilfe bittet. Die Loslösung von dem Drang, permanent zu spielen, gelingt nicht auf einen Klick, sondern ist ein langer und anstrengender Prozess. Feste Regeln zur Mediennutzung müssen aufgestellt und eingehalten werden. Regelmäßige Treffen mit Freunden, feste Termine für Spaziergänge oder Sport legen den Grundstein für neue Gewohnheiten. Smartphone und Laptop haben am Bett nichts zu suchen, sondern werden über Nacht möglichst weit weg verbannt. Wem es nicht gelingt, seine Spielzeiten selbstbestimmt zu senken, sollte professionelle Hilfe suchen.