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Detox

Smartphone-Sucht: Wir betrügen uns um den Augenblick  

Der Tag beginnt mit dem Smartphone: Klar, der Wecker ist wirklich eine nützliche Funktion. Schnell das Wetter für den Tag gecheckt, natürlich mit der Wetter-App und nicht mit einem Blick durch das Fenster. Dann, noch im Bett, die neuesten Nachrichten der Freunde gelesen, kommentiert und eine Verabredung für den Abend vorgeschlagen. Während des Duschens die Musik von der Playlist gehört. Beim Frühstück der besten Freundin ein erstes Herzchen als Smiley zugeschickt. Auf dem Weg zur Arbeit im Bus schnell ein paar Runden gespielt. Und so geht es weiter den ganzen Tag, denn ohne das Smartphone in unmittelbarer Nähe fühlen wir uns oft nur noch als halber Mensch. Mahlzeiten werden ebenso mit einem schnellen Foto mit andern geteilt genauso wie ein schöner Sonnenuntergang, der neue Pulli oder die tolle Party. Nur was im Bild oder im Video festgehalten und verschickt werden kann, verspricht einen glücklichen Moment. Doch gerade die hektische Suche nach der perfekten Kameraeinstellung lässt uns den Augenblick mitunter verpassen.

Geteilter Augenblick ist verpasster Augenblick

Der ständige Kontakt per Smartphone zu Freunden oder Familie gaukelt uns innige Nähe vor. Jeder Moment kann und will mit allen geteilt werden: Neue Nachrichten von anderen werden umgehend beantwortet oder kommentiert. Das geht zwar meist schnell, lenkt aber ab vom gegenwärtigen Moment. Beim Shoppen werden erst den Freunden Bilder von verschiedenen Pullis zur Auswahl geschickt, bevor eine eigene Kaufentscheidung fällt. Alle Aktivitäten wollen sofort mitgeteilt oder in Form von Fotos anderen zugänglich gemacht werden. Das gilt für den Alltag und noch mehr für den Urlaub. Wirklicher Genuss und tiefe Entspannung bleiben da schon mal auf der Strecke. Bevor wir eine Mahlzeit genießen, wird erst ein Foodie gemacht. Die schöne Landschaft wird nur als Hintergrund für ein Selfie wahrgenommen. Und selbst die innige Umarmung mit dem oder der Liebsten ist nur so spontan, wie sie auch im Foto richtig zur Geltung kommt. Gleichzeitig erhöht sich so der Druck, etwas Besonderes zu tun und zu dokumentieren, denn nur das Außergewöhnliche, das umgehend geteilt wird, verspricht einen glücklichen Augenblick. Und Momente der Ruhe und des Innehaltens im Alltag sind gar nicht mehr vorgesehen, denn ständig verlangt das Smartphone die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Sicher ist das Smartphone in vielen Situationen ein nützlicher Begleiter und man kann im Internet nicht nur Zeit verlieren, sondern auch sparen. Wichtig dafür ist aber ein maßvoller Umgang mit PC, Tablet und Smartphone. Wer auch mal auf ständige Erreichbarkeit verzichten kann, schafft Raum und Zeit für unmittelbare Erfahrungen und glückliche Momente.

Online mit Augenmaß

  • Jeden Tag mindestens 30 Minuten nach draußen gehen und zwar ohne Handy: also unterwegs keine Musik hören, keine Fotos zum Verschicken machen, keine Whatsapps kontrollieren, sondern sich ganz auf die Umgebung konzentrieren
  • Beim Essen ganz aufs Smartphone verzichten und lieber die Mahlzeit mit allen Sinnen genießen
  • Handy nicht ans Bett legen; so kommt man nicht in Versuchung, morgens als erstes und abends als letztes seine Netzwerke zu checken; das Wecken übernimmt ein ganz einfacher Wecker
  • Push-Mitteilungen deaktivieren, damit nicht jede Whatsapp oder jeder Post auf Facebook sich durch ein Geräusch bemerkbar macht und nach sofortiger Aufmerksamkeit verlangt
  • Abends eine Stunde vor dem Schlafengehen alle Medien abschalten
  • Erfahrungen mit Freunden bei gemeinsamen Unternehmungen teilen und nicht ausschließlich durch Fotos und Videos im Urlaub auch mal längere Zeit offline gehen