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Entspannung

Entspannung: Wenn Erwachsene sich etwas ausmalen

Ausmalbücher für Erwachsene liegen im Trend. Ob Schlösser, Blumen, Feen oder grafische Muster wie Mandalas: Immer mehr Erwachsene entspannen beim Ausmalen der kleinen und großen Bilder. Wem Ausmalen alleine noch nicht genug ist, der schaltet beim Zeichnen von Zentangles ab. Das jedenfalls ist der derzeit neueste Trend.

Der perfekte Ausgleich

Der Drang, etwas abzubilden oder nur mit Farben Spuren zu hinterlassen, ist so alt wie der Mensch selbst. Uralte Höhlen- und Felsbilder legen davon Zeugnis ab. Nun ist nicht jeder Mensch kreativ begabt – freihändiges Zeichnen oder kunstvoller Umgang mit Perspektive und Farbe liegen nun einmal nicht jedem. Doch hier haben findige Anbieter längst Abhilfe geschaffen: Ausmalbücher sind längst nicht mehr nur etwas für Kinder, sie sind – mit den passenden Motiven – erwachsen geworden. Viele Menschen finden es einfach entspannend und im wahrsten Sinn des Wortes ausfüllend, abends nach getaner Arbeit vorgezeichnete Felder mit meist ebenfalls vorgegebenen Farben auszumalen. Der kreative Anspruch mag gering sein, doch viel wichtiger ist etwas anderes: Man geht Schritt für Schritt mit Sorgfalt und Hingabe vor, lässt sich alle Zeit der Welt, nach und nach fügt sich das eigene Tun zu einem sinnvollen Ganzen – man schafft sich damit ein Erlebnis, das die moderne Arbeitswelt mit ihren chaotischen Abläufen und nicht immer sinnvoll erscheinenden Regeln kaum bieten kann. So versöhnt man sich mit dem Tag.

Mandalas und Meditation

Mandalas sind mehr oder weniger komplexe Abbildungen von sich wiederholenden Formen und Symbolen, oft kreisförmig angeordnet. Ursprünglich hatten die farbenfrohen Mandalas eine religiöse und rituelle Bedeutung, wenn sie etwa in Verbindung mit rituellen Handlungen oder Meditationen mit verschiedenfarbigen Mineralpigmenten oder Pflanzenfarbstoffen in den Sand gemalt worden. Kein Symbol, keine Form, keine Farbe war zufällig – alles stand in einem religiösen bzw. rituellem Zusammenhang. Die heutigen Mandala-Vorlagen vermitteln davon nur noch eine blasse Vorstellung – Symbole und Formen sind oft vereinfacht dargestellt und (zumal für westliche Menschen) aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen, nicht selten sind nur noch geometrische Ornamente übrig geblieben. Andererseits laden sie Menschen dazu ein, sich intensiv und liebevoll auf die farbige Ausgestaltung fremdartig erscheinender Symbole einzulassen. Nicht wenigen Menschen hilft diese Beschäftigung, Abstand zum Alltag zu gewinnen und sich meditierend der eigenen Mitte anzunähern. Auch solche Techniken dienen dem Stressabbau. Mandalas wird teilweise sogar eine Heilwirkung nachgesagt: Die Beschäftigung mit einem Mandala bringt seelische Stauungen und Stockungen wieder zum Fließen.

Zentangles

Im Unterschied zu Mandalas sind Zentangles nicht unbedingt zum Ausmalen gedacht. Es gibt auch keine Vorlagen. Und statt der Symbolwelten, die bei den Mandalas vorherrschen, werden abstrakte Figuren und Muster zu Papier gebracht. Die Urform solcher Figuren hat wahrscheinlich schon jeder mal nebenbei beim Telefonieren oder während langweiliger Besprechungen produziert: man kritzelt vor sich hin, einige Muster wiederholen sich, nichts Konkretes, nur abstrakte Formen – Zylinder, Dreiecke, mäandernde Linien, Strichmuster, Schachbrettmuster, gebogene Dreiecke, die sich zu einem Kreis fügen – erlaubt ist, was einem in den Sinn kommt. Nach und nach kann man ganze Seiten mit solchen Mustern füllen. In der Zentangle-Technik nun kommt es im Unterschied zum gedankenlosen Kritzeln darauf an, dass sich die abstrakten Formen wiederholen und zu einem ästhetischen Ganzen verbinden. Das fördert die Konzentration, kann aber – wie das Ausmalen von Mandalas – auch meditative Wirkung haben. In den USA, dem Herkunftsland der Zentangle-Technik – werden Zentangles auch therapeutisch eingesetzt – zum Abbau von Stress, Schlafstörungen und Ängsten etwa. Eine der wichtigsten Regeln lautet: Es gibt kein Radiergummi. Geht der Zeichenstift unbeabsichtigte Wege, werden diese nicht etwa ausgelöscht, sondern zu einer sinnvollen Vorgabe, der man nun mit Bedacht und Aufmerksamkeit folgt. Die Zeichnungen folgen also sehr eigenen Evolutionsprinzipien. Auch das gehört zur Entspannung – die Hand, die den Stift führt, findet von selbst den Weg.