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Entspannung

Ruhe und Entspannung

Die tiefe Sehnsucht nach Ruhe und Einfachheit

Ruhe und Entspannung 

Alles ändert sich. Andauernd. Muss das sein?

Veränderung gehört zum Leben – keine Frage. Leben ist Bewegung: Wir schmieden Pläne, lernen, gründen Familien, verändern uns, werden langsam älter, setzen andere Maßstäbe. Das ist nichts Neues.

Doch in den letzten Jahren scheint das Karussell der Veränderungen sich immer schneller zu drehen. Dabei sind es meist gar nicht einmal große, weltbewegende Veränderungen, sondern die vielen, vielen kleinen Veränderungen, die die Dynamik unseres Lebens bestimmen: Änderungen in Alltagstechnologien, Änderungen in gesetzlichen Bestimmungen, Änderungen in Tarifen für Energielieferung und Gesundheitswesen, Änderungen auch mit Blick auf das, was gerade als gesund oder ungesund gilt. Und fast immer müssen wir irgendwie auf diese Veränderungen reagieren. Hinzu kommen womöglich wachsende Anforderungen im Berufs- und Privatleben, eine oft geradezu zwanghafte Präsenz in den sozialen Netzwerken und, über die unterschiedlichsten Medienkanäle, die seelische Belastung durch ständig neue Schreckensnachrichten aus aller Welt.

Wir kommen kaum noch zur Ruhe, das Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit mit unserem Leben kommt uns abhanden. Innere Unruhe, Schlaflosigkeit und Depressionen können die Folge sein.

Was hat eigentlich noch Bestand in all dem Wandel? Was kann uns Halt geben?

Wo bleibt die Beständigkeit, die Sicherheit – das Gefühl, angekommen zu sein, ohne gleich wieder aufbrechen zu müssen?

Die Unruhe im Leben

Der moderne Mensch ist gar nicht so modern. Er ist in vielerlei Hinsicht das Resultat einer sehr langen Entwicklungsgeschichte. Das altsteinzeitliche Leben unserer Urahnen mit den über Jahrtausende praktizierten Verhaltensweisen und Gewohnheiten wird durch neue technologische Entwicklungen und neue Anforderungen an das Individual- und Sozialverhalten allenfalls überlagert, aber nicht aus der Welt geschafft. Wo beide Welten miteinander kollidieren (und das tun sie eigentlich stündlich, bei Tag und bei Nacht), kommt es auf Dauer fast zwangsläufig zu Verhaltensauffälligkeiten, seelischen Störungen oder organischen Erkrankungen.

Berufswelten und ihre Anforderungen

Der Berufsalltag der meisten Menschen ist durch enge Zeitvorgaben bestimmt. Immer mehr muss in immer kürzerer Zeit erledigt werden – und zwar möglichst fehlerfrei. Das bedeutet, dass wir ständig in einer Alarmstimmung sind und kaum zur Ruhe kommen. Hinzu kommt der Druck zur kontinuierlichen Fort- und Weiterbildung, weil die Rahmenbedingungen der Arbeit selbst sich permanent ändern. Wer da nicht mithält, verpasst schnell den Anschluss und landet auf dem beruflichen Abstellgleis. Einen großen Anpassungsdruck übt auch die vom Arbeitgeber erwartete räumliche und zeitliche Flexibilität aus – das reicht von der Schichtarbeit bis hin zur globalen Einsetzbarkeit. Wurzeln schlägt da so leicht niemand mehr.

Dass kaum noch ein Arbeitnehmer, wie es früher gang und gäbe war, von der Ausbildung bis zur Rente über Jahrzehnte bei ein und derselben Firma arbeitet, hat mitunter auch Vorteile. Es wird kaum jemals langweilig, man hat öfter mal neue Aufgaben, neue Einsatzorte und neue Kollegen, steht ständig vor neuen Herausforderungen. Es hat aber auch Nachteile: Die Grundsicherheit, die ein Leben im festgefügten Rahmen bieten kann, geht verloren. Was am Arbeitsplatz beginnt, setzt sich am Wohnort fort. Durch die Anforderungen an die Flexibilität sind Wohnortwechsel an der Tagesordnung. Gewachsene gute Nachbarschaften werden selten, an ihre Stelle tritt die Anonymität. Man nimmt den Nachbarn meist nur noch durch Störgeräusche wahr, die er verursacht. Hat man Kinder, sind die oft durch berufliche Wechsel der Eltern mitbetroffen und müssen häufige Schulwechsel in Kauf nehmen. Will man die Kinder vor Schulwechseln bewahren, müssen die Eltern eine Wochenendbeziehung in Kauf nehmen. Beide Varianten müssen nicht nur Nachteile haben, doch sie entsprechen nicht der angestammten Lebensweise und können gesundheitliche Störungen mitverursachen.

Doch wie kommt man da raus, ohne das oft genug hart Erarbeitete aufs Spiel zu setzen? Normale Arbeitnehmer können schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht mal so ohne Weiteres ein Jahr lang pausieren, da kann schon die Elternzeit zum Problem werden – und selbst der gut verdienende Manager kann sich nach einem sogenannten Sabbatical nicht sicher sein, ob er danach nicht für alle Zeiten außen vor ist.

Die private Selbstüberforderung

Zur beruflichen kommt oft die private Überforderung. Zum einen resultierend aus den hohen Ansprüchen an die Organisation von Alltag und Familienleben, zum anderen verursacht durch einen unkontrollierten Medienkonsum.

Wer alles perfekt machen will, macht es nicht unbedingt richtig. Wenn etwa in einer Familie die Kinder neben der Schule auch noch diversen weiteren Bildungs- oder Sportaktivitäten (Musikunterricht, Ballett, Zeichenkurs, Sprachkurs, Reiten, Schwimmen usw.) nachgehen, ist das auf der einen Seite sicher gut, weil es die persönliche Entwicklung fördert. Andererseits bringen diese Aktivitäten auch zwangsläufig Unruhe in das Familienleben – Fahrdienste müssen organisiert, Termine geplant und verschoben werden. Auch das ist keine Katastrophe, aber es stellt einen weiteren Unruhefaktor dar.

Zusätzliche Unruhe entsteht durch einen exzessiven Medienkonsum. Zwar laufen Fernseher und Radio meist nur noch im Hintergrund, doch auch die unterschwellige Dauerberieselung verfehlt ihre Wirkung auf unser Gehirn nicht. Dauernd nimmt es Botschaften auf, die irgendwie auch bewertet und verarbeitet werden müssen, und sei es im Unterbewusstsein – wir sind seit jeher so gepolt, dass uns möglichst nichts entgeht. Dazu müssen wir keinem pathologischen Kontrollzwang unterliegen, das normale Informationsbedürfnis sorgt dafür, dass jeder von uns im Miniaturmaßstab jener US-amerikanischen Überbewachungsbehörde NSA gleicht, die weltweite Datenströme analysiert. Doch wir nehmen nicht nur pausenlos Informationen auf, wir geben auch welche weiter. Wer von uns in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter steckt, kennt den Zwang zum ständigen Senden von Lebenszeichen. Wer hier nicht kontinuierlich und bereitwillig etwas über sich preisgibt, endet in der medialen Bedeutungslosigkeit. Das überfordert nicht nur Kinder maßlos und löst Ängste aus, sondern betrifft auch Erwachsene. Aufmerksamkeitsstörungen, Überforderungsgefühle, Unruhe, Nervosität, Schlaflosigkeit, Herzbeschwerden, Depressionen und Burnout verbreiten sich flächendeckend.

Die Rückkehr zur Ruhe

Führt die Unruhe des Lebens zu gesundheitlichen Störungen, denken die meisten Betroffenen erst einmal, dass es nun gelte, die gesundheitliche Störung zu bekämpfen, weil die Unruhe im Leben selbst als normal empfunden wird. Man greift zu – oft freiverkäuflichen – Beruhigungs- oder Schlafmitteln, um irgendwie über die Runden zu kommen. Dabei wäre es doch naheliegender, die Faktoren, die die Unruhe auslösen, selbst als die Störung zu begreifen. Schalte die Ursache aus und es wird dir besser gehen – diese Therapeutenweisheit findet nur selten Beachtung; stattdessen versucht man, die Symptome zu kurieren.

Zeit der Befreiung

Die älteren unter den Leserinnen und Lesern erinnern sich vielleicht noch an den alten Spontispruch: „Macht kaputt, was euch kaputt macht!". An diesem Spruch ist viel Wahres dran – wer zur inneren Ruhe zurückfinden will, muss die Unruhe, die von außen in sein Leben hineingetragen wird, bekämpfen. Wichtige Ansatzpunkte sind der Zwang zum Tempo und der Zwang zur Dauerinformation. Wer beidem ein entschiedenes „Nein!" entgegensetzt, hat schon so gut wie gewonnen.

Natürlich kann man im Berufsleben nicht das Tempo willkürlich zu-rückfahren. Aber im Privatleben geht es auf jeden Fall. Man bestimmt selbst den Rhythmus, man macht nicht alles mit, was andere machen, man nimmt sich einfach ein wenig mehr aus allem heraus. Man entzieht sich dem Zwang zum Dabeisein. Das fängt bei den sozialen Netzwerken an und hört im täglichen Miteinander noch lange nicht auf. Sollen die anderen doch denken, was sie wollen – Sie allein bestimmen das Tempo, den Rhythmus und die Inhalte Ihres Lebens. Sie allein entscheiden darüber, was und wer wichtig ist und wer und was warten kann.

In der Anfangszeit wird es nicht immer einfach sein, weil vielleicht der soziale Druck auf Sie wächst und Sie womöglich noch mehr nervöse Unruhe spüren als zuvor. Das sind ganz normale Anpassungsschwierigkeiten, das geht bald vorüber. Sagen Sie einfach öfter mal: „Gar nichts muss ich!" Nach einigen Wochen werden Sie spüren, über wie viel freie Zeit Sie verfügen – freie Zeit, die es Ihnen ermöglicht, ganz neue Freiräume zu erobern, Freiräume, die etwas mit Ihnen selbst zu tun haben und die Sie deshalb ganz zwanglos nutzen können. Alles, was nötig ist, ist ein wenig Mut – Mut, sich den gewohnten Zwängen zu entziehen.

Ein ganz anderes Leben

Stellen Sie sich vor, Sie würden ganz zwanglos leben – einfach nur so. Sie entziehen sich dem Konsumzwang, müssen nicht die neueste Mode mitmachen – neue Schuhe kaufen Sie nur dann, wenn die alten nicht mehr gut sind. Das Gleiche gilt für das Smartphone und andere Geräte. Sie entziehen sich auch dem Zwang, ständig in den sozialen Medien präsent sein zu müssen – Sie werden ganz viele Facebook-„Freunde" verlieren, aber womöglich einige echte Freunde hinzugewinnen, Menschen aus Fleisch und Blut, denen es ganz ähn lich geht und die einfach keine Lust mehr haben, wie ein Versuchstier im Labor irgendwelche Knöpfe zu betätigen, um eine Belohnung in Gestalt von „Likes" zu erhalten.

Sie machen auch nicht mehr alles mit, was die Firma von Ihnen möchte. Karriere geht nur, wenn Sie für zwei Jahre nach Sonstwohin gehen? OK, vielleicht wollen Sie das wirklich, dann machen Sie es auch. Vielleicht sagen Sie aber auch: Ich bleibe lieber hier, ich brauche keine Karriere. Mir reicht das, was ich habe und was ich bin. Ich definiere mich nicht über Äußerlichkeiten. Ich finde lieber zu mir selbst. Vielleicht können Sie sich auch einen beruflichen Traum erfüllen und sich mit einer Idee, die Sie schon lange hegen und pflegen, selbstständig machen. Ganz in Ruhe. Oder Sie machen einfach mal – nichts. Das wäre doch schön.